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Domoskop will Haus übernehmen

Muss Sargenroth als eine Jugendherberge erhalten bleiben?

Jugendherberge in Sargenroth
FotoDirk Eikhorst Die Zukunft der Jugendherberge steht an einem Scheideweg

Eine Jugendherberge ist eine Jugendherberge ist eine Jugendherberge?
frei nach Gertrude Stein

Welche Rettung kann es für die Waldjugendherberge in Sargenroth noch geben? Das Jugendherbergswerk hat kein Geld für die Sanierung, das Familienministerium will nichts hinzuschießen und der oberste Herbergsvater Jacob Geditz klammert sich an die Hoffnung, noch andere Fördertöpfe zu finden. Währenddessen steht ein privater Investor bereit, der das Haus kaufen und mit erweitertem Konzept weiterführen will. So stellt sich die Frage: Muss Sargenroth als eine Jugendherberge erhalten bleiben?


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Seit fast fünf Jahrzehnten ist die Waldjugendherberge Touristenmagnet, Wirtschaftsfaktor und Sehnsuchtsort, mit dem auch viele Menschen im Rhein-Hunsrück-Kreis wundervolle Kindheitserinnerungen verbinden.

Und auch wenn wir dazu neigen, die Vergangenheit zu verklären, die Jugendherberge gibt aktuell auch bei realistischer Betrachtung ein jämmerliches Bild ab: Die Bausubstanz ist angegriffen, die Ausstattung veraltet, der Standard nicht mehr zeitgemäß. Seit März 2020 ist die Einrichtung geschlossen – wegen Corona und eines gewaltigen Sanierungsstaus.

Das Jugendherbergswerk steckt in der Klemme: Sechs Millionen Euro soll die Sanierung kosten, Geld, das die gemeinnützige Gesellschaft nicht hat oder nach dem monatelangen Corona-Lockdown mit den anderen Einrichtungen erst wieder erwirtschaften muss. Das Familienministerium will nichts dazugeben – zumindest in diesem und im nächsten Jahr. Händeringend werden auch von lokalen Politikern andere Fördertöpfe gesucht, um die Herberge zu erhalten.

Ist diese Hoffnung berechtigt? Der Zahn der Zeit nagt weiter an der Herberge und dabei ist es nicht förderlich, dass die Zimmer seit über einem Jahr leer stehen – und auf unbestimmte Zeit auch werden.

Heinz-Werner Weber von der Domoskop GmbH, die auch das Haus Funtasie in Kastellaun betreibt, sagt: „Das Haus könnte in einem Jahr komplett renoviert und erweitert wieder die ersten Gäste empfangen – wenn wir es jetzt kaufen könnten.“

Er will das Konzept der Waldjugendherberge beibehalten, um einen integrativen Aspekt erweitern und durch einen Nutzgarten Nachhaltigkeit erlebbar machen. Weber will den Standard erhöhen: „Aus den Sechs-Bett-Zimmern werden Ein-, Zwei- und Vierbettzimmer, die alle eine eigene Dusche haben sollen“, erklärt er. Er plant außerdem einen Seminarraum, der auch bei kulturellen Veranstaltungen 200 Besuchern Platz bieten könnte.


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Jugendherberge Sargenroth Konzept Domoskop
Foto: Domoskop Das Hauptgebäude der Jugendherberge soll nach den Plänen von Domoskop um ein Geschoss aufgestockt werden

Der Domoskop-Geschäftsführer ist davon überzeugt, dass sein Konzept tragfähig ist: „Die 21 000 Übernachtungen reichen aus, um das Haus wirtschaftlich zu betreiben.“ Die Übernachtungspreise könnten dabei sogar noch unter denen in Jugendherbergen üblichen liegen, meint Weber, der für den Betrieb des Hauses eine gemeinnützige GmbH gründen will.

Bleibt die Frage der Finanzierung: Weber meint, dass er die Fördermittel des Landes nicht benötigen würde, auch weil er davon ausgeht, dass es nicht sechs Millionen Euro verschlingen müsste, um die Einrichtung wieder flottzumachen.

Er setzt aber auf die Unterstützung von Landkreis und der Verbandsgemeinde Simmern-Rheinböllen. Die hatten jeweils 500 000 Euro in Aussicht gestellt – allerdings gebunden an eine Sanierung durch das Jugendherbergswerk. Von der Kreisverwaltung und Michael Boos, dem Verbandsgemeindebürgermeister, hieß es, um die Mittel umzulenken, müsste jeweils ein neuer Beschluss gefasst werden.

Die Lokalpolitik zeigt sich dem Konzept von Domoskop-Chef Weber durchaus zugeneigt. Und auch der Kreisjugendring, der zuletzt mit einer Petition für den Erhalt der Jugendherberge getrommelt hatte, sei offen für Gespräche, hieß es aus dem Vorstand gegenüber Hunsrück News. „Wenn das Konzept die Umsetzung einer privat geführten Jugendherberge 4.0 bedeuten würde“, sagt Benedict Schmitz.

Und Jonas Bermes ergänzt: „Das erfolgreiche Konzept der Waldjugendherberge inklusive des qualitativ sehr geschätzten Schwimmangebotes sollte ein privater Anbieter auf jeden Fall so fortsetzen und umsetzen wollen.“

Bis jetzt sind das aber nur Gedankenspiele, denn Jacob Geditz vom Jugendherbergswerk habe die Aufnahme von Kaufverhandlungen bislang strikt abgelehnt, berichtet Weber.

Liegt das vielleicht am Kaufpreis? Es gibt zwei widerstreitende Gutachten: Das eine hat einen Wert von 1,3 Millionen Euro errechnet, laut dem anderen „müssten man uns noch Geld dazugeben“, berichtet Weber, der einen realistischen Kaufpreis „irgendwo in der Mitte“ verortet.

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