NEWS
Erstes „Saugatter“ im Land bei Wüschheim

Jagdhunde werden an eingepferchten Wildschweinen trainiert

Wildschweingatter Wüschheim
Foto: Annika Stahl So sieht der Doppelzaun des Wildschweingatters bei Wüschheim aus

Bei Wüschheim wurde das erste Schwarzwildgatter in Rheinpfalz-Pfalz gebaut – in dem rund acht Hektar großen, umzäunten Areal werden Wildschweine gehalten, um Jagdhunde für die Drückjagd auszubilden. Die ersten Frischlinge sind schon eingezogen. Ab Herbst sollen Jäger aus ganz Deutschland dann ihre Hunde „kontrolliert an das Wild heranführen“ können.

Das Gelände, das so groß wie rund elf Fußballfelder und von einem Doppelzaun umgeben ist, wird vom Landesjagdverband Rheinland-Pfalz betrieben. Ende Juni 2020 wurde der Kaufvertrag mit den Landesforsten besiegelt, im September erteilte der Rhein-Hunsrück-Kreis die Baugenehmigung und im November wurden die ersten Pfähle für den Zaun um das Gelände gesetzt.


Anzeige

Das „LJV-Saugatter Hunsrück“ ist eines von dann 21 Übungsgattern in Deutschland, in denen Jagdhunde für die Drückjagd ausgebildet werden. „Früher sind verantwortungsbewusste Hundeführer mit ihren Hunden zur Ausbildung mit Wildschweinen in Schwarzwildgatter anderer Bundesländer gefahren, zum Teil bis nach Brandenburg oder Schleswig-Holstein“, erklärte ein Sprecher des Jagdverbandes gegenüber Hunsrück News.

Das werde zukünftig nicht mehr nötig sein, denn schon im Herbst sollen die ersten Hunde im Hunsrück ausgebildet werden. Übungsobjekt sind bislang fünf Frischlinge, die „behutsam auf die Arbeit“ im Wildschweingatter vorbereitet würden, wie der Sprecher des Jagdverbandes erklärte.

„Ohne brauchbare Hunde kann eine Drückjagd nicht vernünftig durchgeführt werden. Je besser die Hunde auf ihren Einsatz vorbereitet sind, desto erfolgreicher wird die Jagd verlaufen und es werden Verletzungen vermieden“, erklärte der Sprecher gegenüber Hunsrück News.

Kritik kommt von Peta: „Schwarzwildübungsgatter sind mit dem Tierschutz unvereinbar, weil die Wildschweine in einem eingezäunten Areal immer wieder Angriffe ihrer natürlichen Feinde erdulden müssen. Die Tiere werden anhaltend Stress und Todesängsten ausgesetzt, was für Wildtiere erhebliches Leid bedeutet“, sagt Peter Höffken von der Tierrechtsorganisation.

Der Landesjagdverband plant, die Wildschweine in mehreren Schritten einzuarbeiten. Nach der Gewöhnung an die neue Umgebung und die Zusammenarbeit mit der Gattermannschaft folgt die Prägung der Sauen an die Hunde, die dann noch an der Leine geführt werden. Im Herbst soll dann mit einem reduzierten Übungsbetrieb gestartet werden.

Peta kritisiert aber nicht nur die Übungsgatter, die Organisation stellt auch die Jagd auf Wildschweine insgesamt infrage: Diese sei kontraproduktiv, weil der hohe Jagddruck zu einem Wachstum der Population führe. „Studien zufolge reagieren Wildschweine mit einer erhöhten Fortpflanzungsrate auf eine intensive Bejagung“, erklärte Höffken. Trotz intensiver Bejagung gebe es aktuell mehr Wildschweine als vor Jahrzehnten.

Der Landesjagdverband stellte gegenüber Hunsrück News hingegen fest, dass „Drückjagden ein unverzichtbarer Baustein zur Kontrolle des Schwarzwildbestandes“ seien. Ab Herbst sollen Jagdhundebesitzer gegen Entgelt ihre Tiere auf die Sauen loslassen dürfen.

Mehr zum Thema

Auch interessant
Schließen
Schaltfläche "Zurück zum Anfang"