Laut einer neuen Einschätzung der EU-Agentur für Grundrechte sind Frauen, die dem Ukraine-Krieg entkommen sind, in der gesamten Europäischen Union weit verbreiteter Gewalt ausgesetzt. Die Agentur teilte am Dienstag mit, dass viele der 2,5 Millionen Frauen und Mädchen, denen seit der Invasion vorübergehender Schutz gewährt wurde, in den Mitgliedstaaten weiterhin mit erheblichen Sicherheitsrisiken konfrontiert seien.
„Trotz der von der EU gebotenen Schutzmaßnahmen erleiden viele Frauen schwere Verstöße; andere fühlen sich unsicher“, sagte FRA-Direktorin Sirpa Rautio. Sie fügte hinzu, dass die Mitgliedstaaten den Zugang zu „Schutz, Unterstützung und Gerechtigkeit“ gewährleisten müssen, damit Frauen ihr Leben wieder aufbauen können.
Daten der FRA zeigen, dass jede vierte ukrainische Frau seit Beginn des Krieges körperliche oder sexuelle Gewalt erlebt hat, wodurch sie einem größeren Risiko ausgesetzt ist als die allgemeine Bevölkerung. Von den Betroffenen berichteten 62 Prozent über die Gewalt in einem der 27 EU-Länder, in denen sie jetzt leben, während neun Prozent auf der Flucht in die EU zu Schaden kamen. Weitere 39 Prozent erlitten in der Ukraine Gewalt, die oft den russischen Streitkräften zugeschrieben wird.
Umfrageergebnisse aus Gastländern
Die Ergebnisse basieren auf einer Umfrage aus dem Jahr 2024 unter mehr als 1.200 ukrainischen Frauen in der Tschechischen Republik, Deutschland und Polen sowie auf Interviews mit 30 Frauen, die persönliche Erfahrungen mit Gewalt gemacht haben. Der Bericht zeigt, dass 51 Prozent der befragten Frauen seit Kriegsbeginn sexuell belästigt wurden und 23 Prozent online sexuell belästigt wurden – eine höhere Rate als bei Frauen in der EU insgesamt.
Die FRA stellte fest, dass 54 Prozent Angriffe oder negative Reaktionen erlebten, nachdem sie in der Öffentlichkeit Ukrainisch gesprochen hatten, insbesondere in der Tschechischen Republik und in Polen.
Risiken der Ausbeutung und Lücken in der Unterstützung
Fast jede vierte ukrainische Frau gab an, potenziell ausbeuterische Angebote für Transport, Unterkunft oder Arbeit erhalten zu haben. Viele der Beschäftigten gaben an, dass ihre Arbeitszeiten nicht ordnungsgemäß vertraglich geregelt seien.
Die Agentur stellte außerdem fest, dass fast ein Drittel trotz der Kriegstraumata keinen Zugang zu psychiatrischer Versorgung hatte. Nur sehr wenige Frauen meldeten Vorfälle bei der Polizei oder Hilfsorganisationen, was auf die anhaltenden Hindernisse für Gerechtigkeit und Hilfe hinweist.
