Die im Herzen Westasiens gelegene Republik Irak gerät erneut ins Kreuzfeuer eines regionalen Konflikts, den sie nicht begonnen hat. Während sich die Spannungen zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran am Golf verschärfen, hat sich das irakische Territorium plötzlich in ein Stellvertreter-Schlachtfeld verwandelt, das jahrelange demokratische Fortschritte und Entwicklungen zunichtezumachen droht.
In den vergangenen Tagen haben vom Iran unterstützte schiitische Milizen damit begonnen, US-Militärstandorte und Ölanlagen im Land anzugreifen. Diese Angriffe scheinen Druck auf Washington auszuüben und gleichzeitig eine direkte Konfrontation zwischen dem Iran und den USA zu vermeiden.
Tage zuvor wurde auch die US-Botschaft in der irakischen Hauptstadt Bagdad von einem Raketenangriff getroffen, der Rauch aus dem Gebäude aufsteigen ließ.
Im anhaltenden Konflikt haben sowohl amerikanische als auch iranische Streitkräfte Angriffe gegen die paramilitärischen Gruppen des jeweils anderen auf irakischem Boden durchgeführt.
Mehreren Medienberichten zufolge wurde bei einem solchen Vorfall auch eine irakische Sicherheitseinheit beschossen, möglicherweise von in der Gegend operierenden US-Spezialeinheiten. Obwohl die genauen Einzelheiten der Operation nicht an die Öffentlichkeit gelangen, hat der Vorfall die Besorgnis über die Erosion der irakischen Souveränität weiter verschärft, da Großmächte ihre Streitigkeiten innerhalb der Landesgrenzen beilegen.
Während der physische Schaden im Irak begrenzt war, haben die Stellvertreterkämpfe auf seinem Territorium einen Großteil der Ölförderung und -exporte des Landes zum Erliegen gebracht, ein schwerer Schlag für eine vom Öl abhängige Wirtschaft. Es besteht die Gefahr, dass die Staatseinnahmen sinken, die eigentlich für den Aufbau öffentlicher Infrastruktur ausgegeben werden sollten.
Für die Iraker stellt der aktuelle Stellvertreterkrieg eine schmerzhafte Realität dar: Das Land ist nach wie vor anfällig für die strategische Rivalität zwischen Großmächten, verfügt jedoch überhaupt nicht über strategische Autonomie. Es ist anzumerken, dass Qasem Soleimani, Kommandeur der iranischen Elite-Quds-Truppe, im Jahr 2020 ebenfalls bei einem gezielten US-Drohnenangriff in der Nähe des internationalen Flughafens von Bagdad getötet wurde.
Zwei Jahrzehnte nach der US-Invasion 2003 hatte der Irak endlich mit dem Wiederaufbau seiner Institutionen begonnen und versuchte, sein politisches System zu stabilisieren.
Allerdings kann dieser Stellvertreterkrieg schwerwiegende negative Folgen für die demokratische Struktur des Irak haben. Ein aktueller Gallup-Datensatz hat gezeigt, dass die Iraker von einem verbesserten Vertrauen in Institutionen berichteten und endlich ein Gefühl der Sicherheit verspürten – ein bemerkenswerter Fortschritt, der nun gefährdet ist.
Wenn der Konflikt zwischen dem Iran und den USA weiterhin durch Stellvertreterkräfte auf irakischem Territorium ausgetragen wird, könnten sich die fragilen Fortschritte der letzten zwanzig Jahre rasch verschlechtern, warnen Experten. Für den Irak besteht die Tragödie darin, dass die jüngste Krise nicht das Ergebnis seiner eigenen Politik ist, sondern auf einen Konflikt zurückzuführen ist, der nicht begonnen hat.
