POLITIK
Rödelhausens Bürgermeister Klaus Casper

„Wir brauchen die Windräder, wir stehen finanziell am Abgrund“

Rödelhausens Bürgermeister Klaus Caspar
Foto: Dirk Eikhorst Rödelhausens Bürgermeister Klaus Casper an einem der völlig maroden Feldwege, für deren Sanierung die Gemeinde kein Geld hat

Südlich der L193 soll bei Todenroth der Windpark „Rödelhausen“ entstehen – drei Anlagen sind geplant. Dagegen hatte die Gemeinde eine Petition gestartet und rund 1800 Unterschriften eingesammelt. Jetzt erklärt Rödelhausens Ortsbürgermeister Klaus Casper, warum die Anlagen für sein 120-Seelen-Dorf so wichtig sind.

„Wir sind am Limit, wir stehen am Abgrund“, sagt Klaus Casper über die finanzielle Lage seiner kleinen Gemeinde. Über die Jahre habe sich ein Investitionsstau gebildet, den Rödelhausen nicht aus eigenen Mitteln abbauen könne. Rund 100 000 Euro habe das Dorf noch auf der hohen Kante.

Das Polster wird bald verschwunden sein, denn die Gemeinde muss rund 80 000 Euro an den Kita-Zweckverband überweisen, der wegen steigender Kinderzahlen und dem neuen Kita-Gesetz mehrere Erweiterungsbauten planen muss. „Wir müssen zwar gemäß unserem Kinderanteil nur 1,4 Prozent beisteuern, aber wenn man nichts hat, sind auch 1,4 Prozent zu viel.“

Eigene Maßnahmen in der Gemeinde fallen dann hinten runter: Etwa die Sanierung der Leichenhalle, die rund 30 000 Euro verschlingen würde. „Das Dach ist undicht, es regnet rein und es ist nicht so schön, wenn da jemand drinliegt und nasse Füße bekommt“, sagt Casper.

Oder die Instandsetzung der beiden wichtigsten Feld- und Wirtschaftswege. Die Baumaßnahme für ein 600 Meter langes Stück wird auf 100 000 Euro taxiert. Trotz der Zusage einer 60-prozentigen Förderung liegt das Projekt außer Reichweite: „Wir haben einfach keine 40 000 Euro Eigenkapital“, sagt der Ortsbürgermeister.

Klaus Casper mal ein düsteres Bild: „Wenn kleine Dörfer wie Rödelhausen keine Einnahmen generieren, dann veröden die, dann will da keiner mehr wohnen.“ Zwar habe es Bauanfragen in seiner Gemeinde gegeben und deswegen sie auch ein Neubaugebiet geplant worden, aber das Projekt liege auf Eis: „Es ist kein Geld für die Erschließung da.“

Das könnte sich mit den Pachteinnahmen aus den Windrädern ändern: „Das würde uns auf gesunde Füße stellen, wir könnten alles, was liegengeblieben ist, endlich angehen“, sagt das Gemeindeoberhaupt. Casper stellt aber auch klar: „Wir brauchen keinen Luxus bei uns im Dorf.“ Kredite sollen nicht aufgenommen werden, die Maßnahmen dann aus den laufenden Pachteinnahmen bezahlt werden.

Derzeit läuft das Genehmigungsverfahren für drei Windräder bei der Verwaltung des Rhein-Hunsrück-Kreises. In einigen Wochen sollen dann die Pläne öffentlich ausgelegt werden, gegen Ende des Jahres könnte eine Baugenehmigung vorliegen. Finanziert werden sollen die Anlagen über Kommanditgesellschaften, in die sich die Bürger einkaufen können.


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Die der Projektierer Höhenwind-Park aber nicht voll ausschöpfen will: „Wir werden freiwillig auf das Windrad, das am nächsten an Todenroth geplant war, verzichten“, erklärte Geschäftsführer Werner Vogt gegenüber Hunsrück News. In einem neuen Genehmigungsverfahren, das Kosten im hohen fünfstelligen Bereich bedeute, wie Vogt erklärt, solle dann ein weiteres Windrad in größerer Entfernung hinzukommen.

Rödelhausens Bürgermeister Klaus Caspar
Dirk Eikhorst Die Karte zeigt die Gemeinden, die von der 0,2-Cent-Regel profitieren würden

Für die umliegenden Gemeinden will Höhenwind nach dem erst kürzlich beschlossenen Paragrafen 31k des Erneuerbare-Energien-Gesetzes die 0,2-Cent-Regel anbieten. Demnach können Kommunen, die in einem 2,5 Kilometer großen Radius um eine Anlage Flächen haben, pro produzierter Kilowattstunde an den Windrädern partizipieren.

„Das macht für die Gemeinden um den Windpark ‚Rödelhausen‘ rund 30 000 Euro pro Jahr“, erklärt Vogt. Ob alle Gemeinden das Geld in Anspruch nehmen, da ist sich der Höhenwind-Geschäftsführer unsicher. „Wenn ich vorher vehement gegen eine Maßnahme war, dann könnte manche denken, dass an ihrer Glaubwürdigkeit kratze, wenn sie so einen Vertrag unterzeichnen.“

Vor Ende 2022 werden die Windkraftanlagen aber nicht stehen. Derzeit gibt es eine Lieferzeit von rund einem Jahr für die rund 200 Meter hohen Anlagen, die jeweils eine Leistung von 3,45 Megawatt haben sollen.

Die Karte der geplanten Windräder weit noch das südlichste Windrad (in rot) aus, auf das Höhenwind verzichten will
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