POLITIK
Diskussion im Simmerner Stadtrat

Wie hat sie eigentlich zu sein, diese Jugend?

Jugend
Foto: seventyfourimages

Die Simmerner Stadträte haben allesamt ihre Jugendzeit schon hinter sich, die meisten auch den überwiegenden Teil ihres Berufslebens – und ihre Lebensläufe sind wahrscheinlich ebenso verschieden wie Lebensentwürfe der Jugendlichen, über die sie diskutiert haben.

Der Simmerner Stadtrat hat über die Zukunft der Jugendarbeit in der Stadt gestritten: Braucht es einen eigenen Jugendarbeiter, welche Aufgaben sollte dieser übernehmen, sollte ein zusätzlicher Jugendbeauftragter aus der Mitte des Stadtrates kommen und wie sollte sie eigentlich sein, diese Jugend. Eine Polemik zur Diskussion zwischen Klischees und ernstgemeinter Hilfestellung.

Die Diskussion klang in Teilen so, als wären einige der Stadträte nie selbst jung gewesen: Das ist polemisch, aber kommt dem Kern des Problems nahe.

Der Streit um die Jugendarbeit in Simmern reicht schon zwei Jahre zurück. Damals wurde im Stadtrat beschlossen, einen hauptamtlichen Jugendarbeiter anzustellen. Passiert ist bislang wenig, auch, weil der Bürgermeister sich damit schwertat, eine geeignete Stellenbeschreibung zu formulieren. Die Stadträte forderten, man möge sich dann Hilfe bei der Kreisverwaltung holen – aber auch das trug keine Früchte. „Wir sind ganz klar vom Jugendamt davor gewarnt worden, ein Jugendarbeiter wird alleine nichts ausrichten können“, sagte Bürgermeister Dr. Andreas Nikolay in der Sitzung.

Das Thema ist vielschichtig: Einerseits ist da der Jugendarbeiter, der sich in Vollzeit um die Jugend kümmern soll. Anderseits konfrontierte der Bürgermeister die Räte mit einem Konzept zu neuen Wegen der Jugendarbeit mit dem Titel „Ideenvorstellung Interaktive Konzepte & digitale Projekte für Kinder und Jugendliche“, das zwar schon im entsprechenden Ausschuss vorberaten wurde, aber trotz Zustimmung in den Augen einiger Räte nicht den Kern der Diskussion traf. Zudem wurde über einen Jugendbeauftragen der Stadt gestritten, bei dem die Diskussion sich nur darüber entspann, ob dieser aus der Mitte des Rates oder aus der Bevölkerung kommen sollte.

So wurde vereinzelt die Sorge geäußert, dass, wenn die Corona-Zeit sich dem Ende zuneigt, man wieder vor dem Problem stehe, dass Jugendliche sich dem Alkohol- und Drogenverzehr in der Öffentlichkeit hingeben würden und dies die Bürger der Stadt stören würde. Krakeelende Jugendliche in der Stadt, ein Ärgernis.

Andererseits wurde die Hoffnung geäußert, dass die Jugendlichen durch die angebotenen Programme ein anderes Verhältnis zu ihrer Stadt bekommen würden, zu der Geschichte der Stadt. Und so im besten Fall ein gewisses Bewusstsein für die eigene Rolle in der Stadt.

Aber, und so äußerte es auch ein Stadtrat, würden diese Jugendprogramme immer auch nur die Jugendlichen erreichen, die eh dafür empfänglich sind. „Ich fände es schade, wenn wir in Zukunft gar keine Jugendgruppen in der Stadt mehr sehen würden – meinetwegen auch mit einem Stubbi in der Hand“, hieß es.

Die einzig wirklich jugendliche Stimme im Stadtrat ist Maximilian Petry und er war sich sicher: „Wir werden in Zukunft öfter über die Jugend im Stadtrat diskutieren müssen.“

Fragt sich nur, wie es gelingen kann, dass in der Stadt nicht nur über die Jugendlichen diskutiert wird, sondern mit ihnen. Wie ihren Sorgen, Ängsten und Nöten Gehör verschafft wird. Das wäre echte Jugendarbeit.

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