POLITIK
„Graue-Flecken-Programm“

Warum der Kreis 15 Mio. für „Glasfaser für alle“ ausgeben will

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Foto: Dirk Eikhorst Landrat Marlon Bröhr mit Thomas Johann und Netzplaner Matthias Hübel (v.l.) von Westnetz, die das „Weiße-Flecken-Programm“ umgesetzt hatten

Das „Weiße-Flecken-Programm“ ist offiziell abgeschlossen: Bei der Internetversorgung dürften im Rhein-Hunsrück-Kreis eigentlich keine Versorgungslücken mehr bestehen. Im Gegenteil: Die, die bislang vom weltweiten Datennetz abgehängt waren, haben jetzt die schnellsten Zugänge.

60 Dörfer, 39 Schulen, 164 Gewerbebetrieb sind seit in den vergangenen drei Jahren mit superschnellem Internet versorgt worden – rund 900 Glasfaseranschlüsse wurden gelegt. Im Dezember 2018 fiel in dem kleinen 148-Seelen-Dorf Thörlingen der Startschuss.

Der Rhein-Hunsrück-Kreis steht schon in den Startlöchern für das nächste Programm: Mit dem „Graue-Flecken-Programm“ soll in der Fläche nachgezogen werden – Glasfaser für alle! Bund und Land schießen 90 Prozent der Kosten zu, den Rest zahlt der Kreis. Rund 15 Millionen Euro schätzt Landrat Dr. Marlon Bröhr. Aber warum wird eigentlich mit Steuergeldern Infrastruktur geschaffen, mit der dann andere Geld verdienen?

„Schnelles Internet ist der Schlüssel zur weiteren Entwicklung des Kreises, für die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen und die Lebensqualität der Bewohner“, hieß es in der jüngsten Sitzung des Kreisausschusses. Und: „Neben dem deutlichen Gewinn an Bandbreite für Privatkunden liefert der weitere Ausbau auch die Grundlage für eine ganze Reihe von Unternehmen, sich zukunftssicher aufzustellen“, sagte Landrat Bröhr, es sei eine Frage der Daseinsvorsorge.

Der Schlüssel zum Verständnis dieser Investition ist die Frage nach Wirtschaftlichkeit für den Netzbetreiber: „In Berlin kann man mit einem Kilometer Kabel vielleicht 4000 Menschen versorgen, in unserem dünn besiedelten Kreis vielleicht nur einen“, erläuterte der Landrat.


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Foto: Kreisverwaltung Die Karte zeigt die Anschlüsse, die im Zuge des „Weiße-Flecken-Programms“ mit Glasfaser versorgt wurden (rot: private Anschlüsse; blau: Gewerbe; grün: Schulen)

Das Verlegen von nur einem Kilometer Glasfaser kostet Zehntausende Euro. „Wir werden keine Projekte machen, die negativ sind“, sagte Thomas Johann, Regional-Leiter bei Westnetz. Sprich: Wo die Kosten die zu erwartenden Einnahmen übersteigen.

Genau hier greift das „Graue-Flecken-Programm“: In einem Markterkundungsverfahren werden Netzbetreiber aufgefordert zu erklären, welche Gebiete sie mit Glasfaser erschließen würden. Auf eigene Kosten – und natürlich für den eigenen Profit. Alle Gebiete, die von den verschiedenen Bietern nicht angegeben werden, können über das neue Förderprogramm versorgt werden. Aber nur, wenn die bisherige Bandbreite 100 Mbit/s nicht erreicht.

Der Sorge, dass die Unternehmen bei der Markterkundung ihr Interesse bekunden und dann nie wieder von sich hören lassen, ist der Bund bereits begegnet: „Zukünftig wird die Verbindlichkeit für die Unternehmen deutlich angehoben“, erklärte Fachbereichsleiter Thomas Jakobs.


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Der Bund will mit seinem Förderprogramm, das am Montag beschlossen wurde, 50 Prozent der Kosten übernehmen. Das Land will ein entsprechendes Programm auflegen und 40 Prozent zuschießen. Nach einer ersten Kostenschätzung müssten für den Gigabitausbau an den „grauen Flecken“ im Kreis rund 150 Millionen Euro investiert werden.

Jetzt muss noch der Kreistag zustimmen, dann kann die flächendeckende Anhebung der Bandbreite auf 1 Gbit/s im Rhein-Hunsrück-Kreis bis 2025 beginnen.

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