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Bremsen-Werk in Rheinböllen

Warnstreik gegen Massenentlassungen bei Conti

Streik Conti Rheinböllen
Foto: Dirk Eikhorst Die Mitarbeiter von Continental in Rheinböllen zeigten ihre Bereitschaft, für die Zukunft des Standorts zu kämpfen

Fahnen wurden geschwenkt, Sirenen heulten und über Hundert Conti-Mitarbeiter streckten unter Schlachtrufen die Faust in die Luft: „Ihr sucht Streit – wird sind bereit!“

Erneuter Warnstreik bei Continental in Rheinböllen: Nach der Nachtschicht ist nun auch tagsüber die Belegschaft des Bremsenwerks für eine Stunde in den Ausstand getreten. Neben dem Flächentarifvertrag ging es vor allem um die Zukunft des Standorts: Über 400 Stellen sollen in Rheinböllen abgebaut werden.


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Continental ist der drittgrößte Automobilzulieferer der Welt, über 240 000 Menschen arbeiten für den Konzern, 30 000 davon in Deutschland. Jetzt ist ein Kahlschlag geplant: 13 000 Mitarbeiter sollen gehen – allein in Deutschland. Über 400 Arbeitsplätze sind auch in Rheinböllen bedroht.

Dagegen gingen die Beschäftigten am Mittag in den Streik. „Der Betrieb war noch nie in so großer Gefahr“, sagte Ingo Petzold von der IG Metall, „wir fordern eine Zukunft für dieses Werk.“

Der Gewerkschaftler meinte, dass Continentals Entschluss zu Massenentlassungen eine Kurzschlussreaktion sei, „um die Rendite zu sichern“. Dabei habe der Konzern einfach die Transformation auf dem Mobilitätssektor in den letzten Jahren verschlafen.

Der Rheinböller Continental-Betriebsrat Ralf Stehl sagte zu Hunsrück News: „Jahrelang wurde uns erzählt, dass wir acht Millionen Bremsen jährlich schaffen müssten, dann seien wir sicher.“ Trotz der Planerfüllung in den beiden letzten Jahren sei dann am 1. September 2020 die Ankündigung der radikalen Verkleinerung des Standorts gekommen.

Aber: „Die Leute werden jetzt wach.“ In seiner Rede vor rund 100 Kollegen fügte der Betriebsrat hinzu: „Wenn die Arbeitgeber nicht aufpassen, werde sie eine andere Art von Transformation erleben: Von braven Arbeitern, die ihren Job machen und die Kohle erwirtschaften, zu streikbereiten Kollegen.“

Der Warnstreik hatte auch die Verhandlungen zum Flächentarifvertrag im Blick, dessen Friedenspflicht am 1. März geendet war. Auf der anderen Seite solle ein Sozialtarifvertrag ausgehandelt werden, der den Kahlschlag in Rheinböllen verhindert oder abschwächt, erklärte Petzold.

Hören Sie hier die beiden kämpferischen Reden von IG-Metaller Ingo Petzold und Conti-Betriebsrat Ralf Stehl:

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