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Prozess: Streit nach Puffbesuch eskaliert

Stach der Kastellauner fünf Mal in Notwehr zu?

Landgericht Bad Kreuznach versuchter Totschlag Kastellaun
Foto: Dirk Eikhorst Vor dem Landgericht in Bad Kreuznach wurden die Schlussplädoyers gehalten

Im Prozess um den versuchten Totschlag gegen einen 48-jährigen Kastellauner wurden die Plädoyers gehalten. In 80 Minuten legte die Staatsanwältin detailliert dar, wieso der Angeklagte zu 15 Monaten Haft zu verurteilen sei. Der Anwalt des Messerstechers hingegen forderte einen Freispruch.

Bevor die Richterin aber die Beweisaufnahme schloss, wurde der Angeklagte noch einmal ins Verhör genommen: „Gewisse Grundfakten stimmen überein, aber es ergeben sich auch Widersprüche“, sagte sie und spielte damit darauf an, dass Anklagter, Zeugen und vor allem das Opfer bei ihren Aussagen zum Teil sehr voneinander abweichende Versionen des Tattages erzählten.

Als Grundfakten sind bei der Verhandlung herausgekommen: Der Angeklagte und das Opfer tranken zusammen mit einem weiteren Arbeitskollegen Wodka, kamen später auf die Idee, ins Bordell nach Kastellaun zu fahren. Hier lieh sich der Angeklagte 60 Euro vom späteren Opfer Sascha – daran entzündete sich der Streit, denn Sascha war der Meinung er hätte den Betrag nicht zurückbekommen.


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Nach kurzer verbaler Auseinandersetzung flogen die Fäuste. Es wurde gerungen und die beiden Kontrahenten landeten auf dem Boden. Sascha würgte den Angeklagten – und dieser stach zu. Fünf Mal! In Bauch und Oberkörper. Eine Wunde war fünf mal sieben Zentimeter groß, aus einer Vene sickerte Blut.

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Die Richterin hob in ihren Fragen vor allem darauf ab, wer die Prügelei begonnen hatte und wie es schließlich dazu kam, dass die beiden voneinander abließen. „Er hat das Blut gesehen, ist aufgesprungen und weggelaufen“, sagte der Anklagte über sein Opfer.

Weiterer zentraler Punkt: Wie sehr wurde der Angeklagte gewürgt? Konnte er noch Luft bekommen, musste er Angst haben zu ersticken? Und: Hätte er den auf ihm sitzenden Mann warnen können, dass er ein Messer hat?

§ 32 Notwehr

(1) Wer eine Tat begeht, die durch Notwehr geboten ist, handelt nicht rechtswidrig.

(2) Notwehr ist die Verteidigung, die erforderlich ist, um einen gegenwärtigen rechtswidrigen Angriff von sich oder einem anderen abzuwenden.

Staatsanwältin und Pflichtverteidiger waren da durchaus unterschiedlicher Meinung. Die Vertreterin der Anklage hielt dem 48-Jährigen vor, er habe in einer seiner vorangegangenen Vernehmungen gesagt, dass er noch habe atmen können. Also habe er die zur Notwehr notwendige Ankündigung durchaus machen können. Er hätte auch von seinem Kontrahenten fordern können, dass dieser aufhört. Nichts dergleichen sei geschehen.

Der Verteidiger erklärte in seinem Schlussvortrag hingegen, dass entscheidend gewesen sei, wie er gewürgt wurde Nach Erkenntnissen des Gerichts hatte das Opfer den einen Arm unter den Hals des Angeklagten geschoben, mit dem anderen drückte er von oben zu. „Er hatte Angst um sein Leben“, sagte der Verteidiger, „er musste nicht mehr androhen.“

Beide waren sich aber einig, dass es sich bei dem Angriff nicht um einen versuchten Totschlag handelte. Es sei, wie es bei den Juristen heißt, freiwillig von dem Versuch zurückgetreten, als er von seinem Opfer abließ. Die Staatsanwältin forderte 15 Monate Haft auf Bewährung und 100 Sozialstunden. Der Verteidiger verlangte einen Freispruch wegen Notwehr.

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