POLITIK
Neue Boule-Bahn im Ortsteil Fellen

St. Goars großer Wurf für das Ehrenamt

Ehrenamtsgelder Boule Bahn Fellen St. Goar
Foto: Dirk Eikhorst Initiatorin Gudrun Reinelt und St. Goars Bürgermeister Falko Hönisch werfen die ersten Kugeln

„Es gab ja in Fellen nichts für die alten Leute, deswegen bin ich mit meiner Idee, eine Boule-Bahn zu bauen, zu Stadtbürgermeister Falko Hönisch.“
Gudrun Reinelt (73)

Im St. Goarer Stadtteil Fellen wurde durch das Engagement der „Ur-Fellenerin“ Gudrun Reinelt ein Boule-Platz gebaut. Dass dieses Projekt umgesetzt werden konnte, ist auch einer bislang wenig verbreiteten Idee zu verdanken: dem Ehrenamtsgeld!

„Ich schaue mir das an. Und wenn nichts passiert, dann mache ich das irgendwann selbst“, erklärte Gudrun Reinelt bei der Einweihung des Boule-Platzes gegenüber Hunsrück News. So wie bei diesem Projekt – schließlich habe es ja für die ältere Generation nichts in Fellen gegeben. Also ist die 73-Jährige im März 2020 mit ihrer Idee auf Bürgermeister Falko Hönisch zugegangen.

„Im Oktober haben wir dann angefangen zu bauen, ich musste die Arbeiter herbeischaffen, alles, was wir an Material gebraucht haben, ging dann über die Stadt St. Goar“, erklärt die Initiatorin. Nach der Winterpause ging es im März weiter: Da seien auch mehrere Herren dazugekommen und hätten mit angepackt, die sich vorher nicht kannten, berichtete Reinelt. „Und mein Enkel war auch manchmal dabei.“

Zwölf mal vier Meter ist die Boule-Bahn groß, die so entstanden ist. Jetzt soll noch eine immergrüne Hecke dazukommen und etwas Mutterboden muss ausgebracht werden. „Für Turniere ist der Platz nicht geeignet, aber für den Spaß der alten Leute in Fellen reicht es“, sagt die Rentnerin.

Zeitgleich machte sie sich auf die Suche nach weiteren Sponsoren: „Ich bin dann betteln gegangen, das kenne ich noch vom Gesangsverein, aber ich bin überall auf offene Türen gestoßen.“ Die Firmen Mudersbach aus Werlau, Sand-Karl und Stockmanns aus Oberwesel kamen Gudrun Reinelt bei der Umsetzung des Projekts entgegen. Außerdem spendeten die Volksbank und die Sparkasse jeweils 500 Euro. Der Lions-Club Rheingoldstraße steuerte 2000 Euro bei, mit denen ein Sonnensegel angeschafft werden soll.

2019 hat der neue Bürgermeister von St. Goar einen besonderen Posten in den Haushalt der Stadt eingebracht: das Ehrenamtsgeld. Jährlich 15 000 Euro werden unter den Ortsbezirken Kernstadt, Biebernheim und Werlau aufgeteilt und für ehrenamtliche Projekte bereitgestellt. Einzige Einschränkung: Es werden nur Materialkosten bezahlt, die Arbeitskraft müssen die Initiatoren selbst organisieren oder einbringen.


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„Mit dem Ehrenamtsgeld lassen sich so unkompliziert Projekte umsetzen, zudem kommen die Menschen zusammen, lernen sich kennen, engagieren sich für ihre Gemeinde und verbessern die eigene Lebensqualität“, erklärt Hönisch die Idee hinter dem Ehrenamtsgeld.

Ohne dieses müsste jedes Mal bis zum nächsten Jahr gewartet werden, um das nötige Geld in den Haushalt einzustellen: „Dann ist die Idee meist schon gestorben“, sagt der ehrenamtliche Bürgermeister.

Wegen der Corona-Pandemie konnte im Jahr 2020 nicht das gesamte Ehrenamtsgeld abgerufen werden. „Wir haben das restliche Budget in 2021 geschoben und natürlich wieder die 15 000 Euro bereitgestellt“, berichtet Hönisch. Er könne sich vorstellen, es dieses ebenso zu tun, aber dann müsse auch Schluss sein. Der Bürgermeister: „Wir wollen die Menschen ja dazu bewegen, etwas zu machen, und nicht, dass sie denken, sie könnten etwas ansparen.“

In der Kernstadt St. Goar seien vor allem viele Projekte zur Begrünung umgesetzt worden, berichtet Falko Hönisch, und in Biebernheim gebe es eine sehr aktive „Rentnertruppe“. Rüstig, rührig und bescheiden zeigte sich auch Gudrun Reinelt ob ihres Einsatzes für den Boule-Platz. Und selbstlos: „Ich hatte das vorher nie gespielt, war nur einmal in St. Goar dabei.“

Ehrenamtsgelder Boule Bahn Fellen St. Goar
Foto: Dirk Eikhorst Gudrun Reinelt (vorn 3. v. l.) zusammen mit ihren Mitstreitern und den Sponsoren Stephan Gutenberger von der Volksbank Rhein-Nahe-Hunsrück (r.), Frank Müller von der Kreissparkasse Rhein-Hunsrück (vorn 2.v.r.) und Martina Lorenz, Präsidentin des Lions-Clubs Rheingoldstraße (M.) bei der Eröffnung des Boule-Platzes
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