POLITIK
Betrieb im Oktober eingestellt

St. Goar übernimmt Loreley-Klinik im Gründelbachtal

Loreley-Klink St. Goar
Foto: Dirk Eikhorst Seit Oktober wird hier niemand mehr behandelt: die ehemalige Loreley-Klink im Gründelbachtal

Die letzte Bandscheibe ist behandelt, der letzte Wirbel eingerenkt – die orthopädische Klinik im Gründelbachtal ist Geschichte. Jetzt steht der Komplex leer – für dessen Unterhalt rund 130 000 Euro pro Jahr veranschlagt werden.

Die Chance scheint einmalig: Die Stadt St. Goar übernimmt das ehemalige Loreley-Klinikgebäude im Gründelbachtal und bekommt noch knapp zwei Millionen Euro dazu – wenn der gestellte Förderantrag durchgeht.

„Sobald der Entscheid über den Förderantrag da ist, wird die Stadt aus der Krankenhaus GmbH aussteigen“, erklärte Stadtbürgermeister Falko Hönisch (SPD) gegenüber Hunsrück News.

Hintergrund: Mit der Förderung nach dem Krankenhaus-Strukturgesetz soll die dauerhafte Schließung von Kliniken und die Umwandlung in integrierte Versorgungszentren unterstützt werden.

Einen entsprechenden Antrag hat die Krankenhaus GmbH im September gestellt – und mit St. Goar die Vereinbarung getroffen, dass 1,98 Millionen Euro in den Stadtsäckel fließen, wenn die Gesellschaft aus dem Erbbaurechtsvertrag entlassen wird. Mit der Folge, dass die Stadt für den Unterhalt des Klinikgeländes selbst zuständig ist. Zuerst hatte die „Rhein-Hunsrück-Zeitung“ über den Vertrag berichtet.

Auf die Summe hatte man sich geeinigt, weil die Marienhaus Gruppe 3,2 Millionen Unterhaltskosten für die restliche Laufzeit von 25 Jahren veranschlagt hatte. Abzüglich zwei Prozent Zinsen jährlich ergeben sich knapp zwei Millionen Euro.

„Wir steigen aus dem Vertrag aus und übernehmen das Klinikgelände, egal wie der Förderbescheid ausfällt“, erklärte Hönisch, „das ist das Risiko, das wir bei diesem Projekt eingehen.“ Ein Risiko, das Hönisch für äußerst gering hält.

Er träumt von den vielen Möglichkeiten, die sich für die Stadt ergeben könnten: „Beispielsweise platzt unser Kindergarten aus allen Nähten, der könnte als Zwischenlösung dort einziehen. Die Verbandsgemeinde sucht nach einem neuen Standort, an dem die beiden jetzigen zusammengeführt werden können, die Buga 2029 etwa sucht noch ein Verwaltungsgebäude.“ Aber auch einen Verkauf will er nicht ausschließen.

Stadtbürgermeister Falko Hönisch SPD))
FotoRichard Vogel Falko Hönisch (SPD) ist seit 2019 Stadtbürgermeister von St. Goar

Er sieht aber auch einen ganz praktischen Nutzen für die Bürger von St. Goar: „Was uns fehlt, sind Vereinsräume, ein Seniorencafé oder auch Platz für die Angebote der Volkshochschule, die sich verstärkt hier engageieren will.“ Das ehemalige Klinikgelände sieht er als strukturellen Standortvorteil für die Stadt.

Und noch einen Umstand hat Falko Hönisch auf der Positivliste verortet: Das Geld aus dem Förderantrag steht der Stadt zur freien Verfügung. „Damit könnten wir zum Beispiel auch die Schulden der Stadt tilgen“, sagte er gegenüber Hunsrück News.

Hönisch sagt, die Vorentscheidung gegen den Standort St. Goar sei bereits vor langer Zeit gefallen – als man beschlossen habe in Oberwesel ein Altenheim zu bauen. Jetzt ist er nur glücklich, dass sich die Befürworter eines Abrisses nicht durchgesetzt haben. „Dann hätten wir eine hoch subventionierte, grüne Wiese, ohne Mehrwert für Sankt Goar.“

Auch interessant
Schließen
Schaltfläche "Zurück zum Anfang"