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Studie zur Vergabe der Landesförderung

Sozialraumkonzept enthüllt, wie es um die Kleinsten steht

Sozialraumkonzept: So steht es um die Kinder im Rhein-Hunsrück-Kreis
Foto: Rawpixel Ltd. Sozialraumkonzept: So steht es um die Kinder im Rhein-Hunsrück-Kreis

Zum 1. Juli 2021 tritt in Rheinland-Pfalz das neue Kita-Zukunftsgesetz in Kraft. Damit soll überall im Land für gleich gute Kinderbetreuung gesorgt werden. Ein Baustein ist das Sozialraumbudget: Mit 1,67 Millionen Euro plant der Kreis, um in jeder Kita die Fördermöglichkeiten zu schaffen, die der jeweiligen Lebenssituation und den Bedürfnissen der Kinder entspricht.

Das Jugendamt hat ein Feinkonzept zum Sozialraumbudget erarbeitet und dem Jugendhilfeausschuss vorgestellt: Auf 32 Seiten wird akribisch herausgearbeitet, wie die Mittel einzusetzen sind – und enthüllt, welche Faktoren in den einzelnen Verbandsgemeinden für die Kinder belastend sind.


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Hunsrück News zeigt das Konzept und die relevanten Karten zu den Belastungsfaktoren …

Die Ziele des Sozialraumbudgets seien „die Überwindung struktureller Benachteiligungen, frühzeitige Prävention sowie Chancengleichheit“, schreibt die Verwaltung in dem Konzept. Außerdem solle die Zusammenarbeit mit Eltern in sozial benachteiligten Lebenslagen gestärkt werden.

Dies sollen Kita-Sozialarbeiter leisten, für die der Kreis sieben Stellen schaffen will. Bislang konnten 4,25 Stellen durch zwei Förderprogramme bezahlt werden, die aber nun teilweise auslaufen. In welchem Umfang die Sozialarbeit in den Verbandsgemeinden stattfindet, hängt auch von der jeweiligen dortigen Situation ab, für die die Verwaltung sieben Kriterien herausgearbeitet hat:

  • ambulante Erziehungshilfen im U6 Bereich (HzE), 
  • Mitwirkung in familiengerichtlichen Verfahren (FGH), 
  • Anteil der ausländischen Kinder, 
  • Kinder in Bedarfsgemeinschaften (BG), 
  • Kinder mit Migrationshintergrund in Kindertagesstätten, 
  • Hilfen zur Erziehung in Grundschulen und
  • Anteil der Kindertagesstätten in der jeweiligen Verbandsgemeinde. 

Daraus ergeben sich für die künftige Kita-Sozialarbeit 2,75 Stellen für zusammengefasst Boppard und die Verbandsgemeinde Mittelrhein-Hunsrück, 2,25 Stellen für Simmern-Rheinböllen, 1,75 Stellen für Kirchberg und 1,25 Stellen für Kastellaun.

Die geografische Auswertung im Sozialraumkonzept offenbart zahlreiche regionale Besonderheiten: So liegt Boppard bei den Kindern unter sechs Jahren, die Erziehungshilfen bekommen, und denen, deren Eltern in Trennung oder Scheidung leben, an der Spitze.

HzE
Quelle: Sozialraumkonzept
Ambulante Hilfen zur Erziehung (§§ 29-31 SGB VIII) für Familien mit Kindern unter 6 Jahren und Beratung und Mitwirkung in familiengerichtlichen Verfahren (§§17, 50 SGB VIII) bei Kindern unter 6 Jahren, Stand: 31.12.2020 

Ebenso ist der Anteil ausländischer Kinder unter sechs Jahren in Boppard höher als in den anderen Verbandsgemeinden, dafür aber der Anteil der Kinder mit Migrationshintergrund nur etwas halb so hoch wie in Simmern-Rheinböllen.

Quelle: Sozialraumkonzept
Kinder mit Migration in Kitas und Anteil an ausländischen Kindern unter 6 Jahren an Gesamtzahl, Stand: Februar 2021 

In der Verbandsgemeinde Hunsrück-Mittelrhein ist der Anteil der Kinder bis sechs Jahre, deren Eltern Hartz IV erhalten, besonders niedrig.

Quelle: Sozialraumkonzept Nicht erwerbsfähige Leistungsberechtigte im SGB II im Zeitraum 09/2019 – 08/2020 Bedarfsgemeinschaften – Anteil der Kinder unter 6 Jahren im SGB II Bezug/Monat zur Gesamtzahl der Kinder unter 6 Jahren – 

Auffällig ist, dass der Anteil der Grundschüler, der Hilfe zur Erziehung erhält, gerade in Boppard sehr niedrig ist – obwohl Boppard hier bei den Kindern bis sechs Jahren eine Spitzenposition hat.

Quelle: Sozialraumkonzept
Anzahl der Hilfen bei Grundschülern an der Gesamtzahl der Hilfen zur Erziehung in Schulen Stand: Schuljahr 2019/2020 

Als Fazit schreiben die drei Verfasserinnen Judith Brautlecht, Susanne Schubach und Nicole Schneider: „Gerade die niedrigschwelligen, zielgruppenorientierten Angebote leisten einen wichtigen Beitrag dazu, allen Kindern die gleichen Chancen zu eröffnen und an Bildungsangeboten teilhaben zu können.“ Nach einem Jahr sollen die Erfahrungen aus dem Konzept beurteilt werden.

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