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Versuchter Mord

Sieben Jahre Haft für den Messerstecher von Simmern

Urteil Mordversuch Simmern
Foto: Dirk Eikhorst Urteil Mordversuch Simmern

Vor dem Landgericht Bad Kreuznach ist der 66-jährige Nikolay K. zu einer Haftstrafe von sieben Jahren wegen versuchten Mordes in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung verurteilt worden. Außerdem wurde eine Entziehungskur angeordnet.

Der Fall: Am 29. Juli passte er seinen Nachbarn im Hausflur ab, hatte unter einem Tuch ein 17 Zentimeter langes Messer versteckt, und trieb ihm die Klinge ohne Vorwarnung bis zum Heft in den Oberbauch. Nur durch Zufall wurden keine lebenswichtigen Organe verletzt.


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Das Opfer schubste den Angreifer von sich weg, begriff erst was passiert war, als er das Messer aus seinem Bauch gleiten sah, flüchtete aus dem Hausflur und auf die Straße, suchte bei Nachbarhäusern Hilfe.

Der Angeklagte setzte seinem Nachbarn noch nach, lief bis 20 Meter vor das Haus und rief ihm auf Russisch noch eine Beleidigung hinterher. Dann drehte er um, reinigte in seinem Badezimmer penibel das Messer und versteckte es auf einem Sessel neben seinem Sofa unter einem Hemd.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Angeklagte heimtückisch, nämlich unter Ausnutzung der Arg- und Wehrlosigkeit seines Opfers handelte. Ihm sei bewusst gewesen, dass er seinen Plan, den körperlich überlegeneren Nachbarn zu töten, nur habe ausführen können, wenn er das Überraschungsmoment ausnutzt, sagte Richterin Dr. Claudia Büch-Schmitz in der Urteilsbegründung.

Die Frage, ob der Angeklagte nicht von seiner Tat zurückgetreten sei, weil er sein Opfer auf der Straße nicht weiter verfolgte, um ihn letztlich zu töten, so wie die Verteidigung argumentierte, verneinte die Richterin. „Ihm war klar, dass er sein Opfer nicht mehr erreichen konnte, seinen Plan, den Nachbarn zu töten, nicht mehr umsetzen konnte“, sagte Büch-Schmitz.

Die Strafkammer hielt dem Angeklagten zugute, dass er bislang nicht strafrechtlich in Erscheinung getreten war, vor Gericht ehrliche Reue zeigte und sich während der Verhandlung glaubwürdig entschuldigt hatte.

Außerdem wurde positiv ausgelegt, dass sich der Angeklagte in einer schwierigen persönlichen und familiären Situation befunden habe. Nach dem Eintritt in die Rente im Mai 2020 habe er nichts mehr mit sich anzufangen gewusst, der Alkoholkonsum habe zugenommen – und in diesem Maße auch die Streitigkeiten mit der gewalttätigen Ehefrau.

Als Auslöser der Tat betrachtete die Kammer die andauernden Ruhestörungen durch das Opfer, das in der Garage unterhalb des Fensters des Angeklagten, tagtäglich Partys gefeiert haben soll. Dies bestritt der Angegriffene, aber die Richterin schenkte dem keinen Glauben.

Der Angeklagte hatte zum Tatzeitpunkt 2,5 Promille Alkohol im Blut. Weil sich aber durch sein Konsumverhalten eine beträchtliche Gewöhnung entwickelt hatte, sei er bei der Tat auch nicht in seiner Einsichts- und Steuerungsfähigkeit eingeschränkt gewesen.

„Die Wurzel dieser Tat liegt auch im Hang zum Alkohol“, sagte Richterin Büch-Schmitz.

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