Anzeige
NEWSPlus_artikel
Amtsgericht Simmern

Schwuler Rosenkrieg endet mit Bewährungsstrafe

Das Amtsgericht Simmern hatte einen Fall zu verhandeln, „der an die Grenzen dessen stößt, was normalerweise vor einem Amtsgericht verhandelt wird“, sagte Richter Peter Hüttemann.

Es ging um eine zerbrochene Liebe, Morddrohungen, Penisbilder und zahllose Fake-Accounts bei Facebook und Instagram: Ein 27-jähriger Mann aus dem Rhein-Hunsrück-Kreis ist vom Amtsgericht Simmern zu einer Freiheitsstrafe von 18 Monaten verurteilt worden, ausgesetzt auf Bewährung.


Anzeige

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Angeklagte Nacktbilder von sich und seinem Ex-Lebensgefährten über gefälschte Profile in sozialen Netzwerken verschickt hatte. Einer der Empfänger war erst 15 Jahre alt. Auch hatte er Morddrohungen gegen seine ehemalige Liebe und dessen Familie ausgestoßen.

Verurteilt wurde Mann wegen versuchter sexueller Nötigung, Verbreitung pornografischer Schriften und versuchtem sexuellen Missbrauch von Jugendlichen. Der Angeklagte beteuerte in seinem Schlusswort: „Ich habe nix gemacht.“

Die Staatsanwältin nannte das Verhalten des Angeklagten in ihrem Schlussplädoyer „eklig, deprimierend und pervers“. Und fügte hinzu: „Man fragt sich, was in seinem Kopf vorgeht.“ Sie forderte drei Jahre Haft ohne Bewährung und den sofortigen Erlass eines Haftbefehls: „Es muss jetzt aufhören, er wird es wieder tun.“

Der Angeklagte schüttelte bei diesen Worten fast unmerklich mit dem Kopf.

Die Nachrichten, die der junge Mann verschickt hatte, ähnelten sich: Er forderte zumeist Oralverkehr mit seinem Ex, sonst würden Nacktbilder von diesem im Internet veröffentlicht werden.

Mit der Zeit eskalieren die Nachrichten, die er an die Familie des Ex und andere Bekannte schickte. So drohte er, seinen ehemaligen Lebensgefährten umzubringen, dessen Bruder die abgeschnittenen Genitalien zu schicken und die Mutter zu vergewaltigen. Einmal sprach er davon, sich an der Leiche seines Ex zu vergehen.

Überführt wurde er unter anderem durch zwei Telefonmitschnitte, auf denen die gesamte Bandbreite der Drohungen zu hören ist und zu dem extra ein Stimmgutachten angefertigt wurde. Auch eine auffällige Narbe unter dem Bauchnabel ließ wenig Zweifel: Einige der Penisbilder zeigten den Angeklagten.

Auch der eigene Bruder wurde von den Nacktfotos nicht verschont. Dieser stellte schließlich auch Strafanzeige: „Weil er mich schon öfter mit solchen Sachen belästigt hat. Ich will, dass es mal vorbei ist.“

Rechtsanwalt Klaßen mit seinem Mandanten
Foto: Dirk Eikhorst Rechtsanwalt Klaßen mit seinem Mandanten

Tatsächlich stand der Angeklagte wegen gleichen Vorfällen bereits einmal vor Gericht. Damals hatte die Polizei 158 Fake-Accounts auf seinem Handy gefunden. Nachdem das Amtsgericht Zweifel hatte, dass die Nachrichten vom Angeklagten stammten, wurde die Hauptverhandlung nicht zugelassen, diese Entscheidung kassierte das Landgericht. Vor dem Amtsgericht kam es dann zum Freispruch.

Der Vater des Angeklagten, der als Zeuge geladen war, berichtete, dass seinem Sohn öfter vor dem Familienhaus aufgelauert worden sei, Fenster seien eingeschmissen worden, die Reifen des Autos zerstochen.

Richter Hüttemann sprach in seiner Urteilsbegründung auch davon, dass nicht auszuschließen sei, dass zum Gegenangriff übergegangen wurde. Im Januar und Februar habe es eine Häufung von Nachrichten gegeben. Etwa die an einen Arbeitskollegen, womit der Job des Angeklagten in Gefahr geriet. Der Richter: „Wir sagen nicht, dass er es nicht war, aber es ist auch nicht auszuschließen.“ Im Zweifel für den Angeklagten.

Rechtsanwalt Manfred Klaßen erklärte in seinem Plädoyer: „Auf den ersten Blick spricht alles gegen ihn, weil man vom Motiv enttäuschter Liebe ausgehen kann. Vielleicht ist aber der Ex der Spiritus rector der ganzen Vorfälle, vielleicht gab es eine Verschwörung gegen den Angeklagten, weil man es selbst in die Hand nehmen wollte, weil es einen Freispruch gab, es gab genug Gelegenheiten ihn zu sabotieren. Denke der Rosenkrieg ist der Ausgangspunkt, er sollte in die Pfanne gehauen werden.“ Er forderte Freispruch.

Der Richter kündigte eine Beratung von rund 20 Minuten zur Urteilsfindung an, daraus wurde eine knappe Stunde. Ergebnis: 18 Monate Freiheitsstrafe, ausgesetzt auf Bewährung. 200 Stunden gemeinnützige Arbeit oder 1000 Euro in die Staatskasse. Kontaktverbot zu einem bestimmten Personenkreis, den er zuvor mit seinen Nachrichten belästigt hatte.

„Wir sehen eine positive Sozialprognose und hoffen, dass die bevorstehende Reha zu einer Verhaltensänderung führt“, sagte der Richter. Und an den Angeklagten gewandt: „Damit sich bei Ihnen nicht alles darum dreht, wie man jemanden findet, der einem einen blasen kann.“

Der Vater fasste „das dreijährige Martyrium“ in seiner Aussage so zusammen: „Es gibt bei dieser Sache nur Verlierer.“

Auch interessant
Schließen
Schaltfläche "Zurück zum Anfang"