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POLITIK
Verkehrsminister nach Felssturz von Kestert

Scheuer lehnt Fels-Untersuchungen im Mittelrheintal ab

Nach Felssturz bei Kestert: Dritte Sprengung am Gaul soll am Dienstag erfolgen
Foto: DB AG Die Bahn bezeichnete den Felssturz von Kestert als „Jahrhundertereignis“

Am 15. März brachen rund 15 000 Kubikmeter Schiefergestein mit einem Krachen vom Berg Gaul bei Kestert ab – donnernd rauschten sie gen Tal und verschütteten die rechtsrheinischen Gleise. Sieben Wochen dauerten die Aufräum- und Sicherungsarbeiten, bevor der erste Zug wieder rollen konnte. Die Deutsche Bahn sprach von einem „Jahrhundertereignis“.

Wie groß ist die Gefahr, die von den Felshängen im Mittelrheintal ausgeht? Aus Sorge vor weiteren Unglücken nach dem Felssturz von Kestert hatte sich Mike Weiland, der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Loreley, an Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) gewandt. Der sieht keinen erweiterten Handlungsbedarf!


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„Ich hatte mich am 16. März, direkt einen Tag nach dem größten Felssturz der letzten 50 Jahre im Mittelrheintal, unmittelbar an Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) gewandt und neben einem Geologiegutachten für die Rheinhänge rechts und links im Tal, ein sofortiges Fahrverbot für Gefahrgut-Güterzüge gefordert“, erklärt Weiland auf seiner Facebook-Seite.

Seine Sorge: Die möglichen Folgen und Ausmaße eines Hangrutsches mit Blick auf Menschenleben oder Umweltschäden im Rhein als europäische Wasserstraße und Lebensraum für Pflanzen und Tiere, wenn zum Zeitpunkt eines solchen Felssturzes ein Personenzug oder ein Gefahrgut-Güterzug die Strecke passiert hätte.

Weiland schrieb an Scheuer: „Die Bahnstrecke führt zudem durch enge Ortslagen, die direkt an der Bahnstrecke nahtlos an Felshänge grenzen. Allerorts kann sich zu jeder Zeit ein solches oder noch größeres Unglück wiederholen.“


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„Veranlassen Sie umfassende geologische Untersuchungen im Bereich des gesamten Mittelrheintales und auf beiden Rheinseiten. Bis zum Abschluss der Studie nebst Ergebnissen haben im Mittelrheintal Güterzüge – insbesondere solche mit Gefahrgut – nichts verloren“, forderte der Verbandsbürgermeister vom Verkehrsminister.

Thiemo Disl, Scheuers Referatsleiter für Eisenbahntechnik und innovative Technologien, habe jetzt geantwortet, berichtet Weiland. Dieser weise darauf hin, dass „die volle Verantwortung für die Sicherheit des Systembereichs“ bei der Deutschen Bahn liege.

Nach deren Auskunft würden die Felshänge regelmäßig inspiziert – wobei auch Analysen von Spezialisten stattfänden. Im Jahr 2018 habe die Bahn etwa eine Befliegung aller Hänge im Rheintal durchgeführt. Dabei seien am betroffenen Hang bei Kestert keine Auffälligkeiten ersichtlich gewesen. „Bei der jüngsten Inspektion im Dezember 2020 hätten die Fachkräfte ebenfalls keine Veränderungen am Hang festgestellt“, berichtet Weiland aus dem Schreiben des Verkehrsministeriums.

Da Felsstürze dieser Art nicht vorhersehbar seien, sei daher eine vorläufige vollständige Streckensperrung weder angemessen, noch verhältnismäßig, heiße es in dem Schreiben aus Berlin, berichtete Weiland. „Es ist bedauerlich, dass Herrn Scheuers Referatsleiter mit keinem Wort auf die Alternativtrasse eingegangen ist“, zeigte sich Weiland enttäuscht.

Er erklärte: „Durch eine Befliegung der Rheinhänge lässt sich selbstredend die Substanz des Gesteins nicht abschließend beurteilen und ob die Analysen durch Spezialisten flächendeckende Ergebnisse für das gesamte Tal bringen, ist ebenfalls zu hinterfragen.“

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