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Urteil: 32 Monate Haft für Sami A.

Opfer: „Er ist wie Rambo mit dem Messer auf mich los“

Urteil gegen Fastnachtsmesserstecher von Simmern
Foto: Dirk Eikhorst Urteil gegen den Fastnachtsmesserstecher von Simmern

Wegen schwerer Körperverletzung ist vor dem Amtsgericht Simmern der 32-jährige Sami A. zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und acht Monaten verurteilt worden. Er hatte an Fastnacht 2020 auf einen 25-Jährigen eingestochen.

Richter Peter Hüttemann sagte zur Urteilsbegründung: „Es war eine äußerst gefährliche Handlung, die, hätte sie zum Erfolg geführt, sicher in einer Haftstrafe im zweistelligen Bereich gemündet hätte.“

Mit dem Urteil blieb das Gericht nur wenige Monate unter der Forderung der Staatsanwaltschaft, die sich für drei Jahre ausgesprochen hatte. Der Staatsanwalt bezeichnete die Messerattacke als „feigen Angriff, der mit großer Wucht in lebensnotwendige Bereiche“ gezielt habe.

Das Opfer berichtete vor Gericht über die Tatnacht: „Wir waren auf dem Heimweg, als wir auf der anderen Straßenseite einen Streit bemerkten. Ich rief dann rüber, dass sie den Jungen in Ruhe lassen sollten.“

Kurze Zeit später sei dann „eine Horde“ von rund zehn Personen auf ihn zugestürmt. Mittendrin der Verurteile, der sich gleich vor ihn gestellt habe. „Ob ich wisse, wer er sei und ob ich sehen würde, dass er ein Messer habe, fragte er mich“, berichtete der junge Mann aus Simmern.

Den ersten Stich, der auf seine linke Oberkörperseite gezielt habe, habe er abwehren können, den zweiten, der von leicht hinten kam, auch. Beim dritten Stich sei er schon leicht nach hinten gestürzt, dieser habe ihn dann am Arm erwischt.

Dann sei ein anderer aus der Menge, die umzingelt hatte, gegen seinen Oberkörper gesprungen. Er fiel auf den Bordstein und zog sich wohl dabei eine große Kopfplatzwunde zu. „Da gingen dann kurz die Lichter aus.“ Dass die „Horde“ dann noch auf ihn eingetreten hatte, wie von anderen Zeugen berichtet, daran konnte er sich nicht erinnern.

Das 25-jährige Opfer trug eine drei Zentimeter lange Wunde am Kopf und von dem Messer mit zehn Zentimeter langer Klinge eine Schnittwunde am Oberarm von zwei Zentimeter. „Von oben kam Blut, von der Seite kam Blut“, sagte er. „Keine Ahnung, warum der wie Rambo mit dem Messer auf mich los ist.“

Der Angeklagte, der schon an den beiden vorangegangenen Verhandlungstagen durch sein aufbrausendes Temperament aufgefallen war, verwickelte den Zeugen noch in ein kurzes Wortgefecht, bis der Richter einschritt: „Lassen Sie sich davon nicht provozieren.“

Kriminaltechnische Untersuchungen hatten schließlich zweifelsfrei das Blut des Opfers an dem Klappmesser des Angreifers festgestellt. Auch an seiner Hose und seinem T-Shirt fanden sich entsprechende Spuren.

Der Angeklagte wanderte nach dem Urteilsspruch wieder direkt in die JVA Rohrbach, wo er bislang in Untersuchungshaft saß. Richter Hüttemann ging von Fluchtgefahr aus.

Zur Urteilsbegründung sagte Richter Peter Hüttemann: „Den Angeklagten scheint in keinster Weise zu berühren, was er dort getan hat. Uns hat gefehlt, dass er in sich geht, die Zeit in der JVA für Reue nutzt. Sein Unrechtsbewusstsein scheint nur dann besonders ausgeprägt, wenn er sich selbst ungerecht behandelt fühlt.“

Dirk Eikhorst | Hunsrück News Auf dem Weg nach draußen zerschlug der Verurteilte die Scheibe eines Bildes

Und das demonstrierte der verurteilte Messerstecher eindrucksvoll: Im Flur des Amtsgerichts zerschlug er die Scheibe eines aufgehängten Bildes. Scherben regneten auf den Fußboden.

Ursprünglich hatte sich der Angeklagte auch dafür verantworten müssen, dass er zwei minderjährigen Mädchen Drogen gegeben und diese sexuell belästigt haben soll. Diese Verfahren wurde aber abgetrennt, weil die beiden nicht vorgeladen werden konnten.

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