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189 Gramm sichergestellt

Marihuana-Gärtner kriegt 15 Monate auf Bewährung

Cannabis-Plantage
Foto: Sonyachny

Vor dem Amtsgericht Simmern musste sich jetzt ein 35-jähriger Mann aus dem Rhein-Hunsrück-Kreis wegen des Anbaus von Cannabispflanzen verantworten: Er hatte in seiner Wohnung eine professionelle Zucht aufgezogen. Die Polizei hatte bei ihm insgesamt 189 Gramm Marihuana teilweise noch an den Pflanzen gefunden.

Der einschlägig vorbestrafte Mann zeigte sich geständig und erklärte dem Gericht, dass er zur Aufzucht der Pflanzen ein Zelt mit Be- und Entlüftung errichtet habe, Kohlefilter einsetzte, um den typischen Geruch vor den Nachbarn zu verbergen, und zeitgesteuerte LED-Lampen für die Lichtzufuhr instralliert hatte. Das nötige Wissen habe er sich mit Youtube-Videos angeeignet.

„Sie haben da ja einiges an gärtnerischem Geschick bewiesen“, sagte Richter Peter Hüttemann und fügte später hinzu, dass man mit solchen Indoor-Plantagen auch legale Pflanzen anbauen könne. „Das hätte ich mal lieber gemacht“, entfuhr es dem Angeklagten, der die Cannabis-Zucht betrieb, um seinen enormen Drogenkonsum sicherzustellen. Zum Verkauf war das Marihuana, das einen THC-Gehalt von knapp 16 Prozent hatte, was Richter Hüttemann als „gar nicht so schlecht für den Eigenanbau“ bezeichnete, nicht bestimmt.

Der massive Missbrauch hatte gravierende Auswirkungen auf die Psyche des Mannes, der angab, mit 14 Jahren erstmals illegale Drogen konsumiert zu haben. Ende 2019 wurde bei ihm eine drogeninduzierte Psychose diagnostiziert, er musste stationär in der Psychiatrie behandelt werden. Schon davor hatte es ähnliche Episoden und Klinikaufenthalte gegeben.

„Dort hat mir ein Arzt erklärt, dass die Psychose für immer bleiben kann, wenn ich nicht mit den Drogen aufhöre“, berichtete der Angeklagte. Jetzt sei er seit 14 Monaten abstinent: kein Alkohol, keine Betäubungsmittel. Sein Rechtsanwalt Pierre Wolff berichtete, er habe seinen Mandanten während dieser Zeit schon betreut und ihn in dieser Ausnahmesituation erlebt. „Ich kann mir gut vorstellen, dass man aus der Angst heraus für immer so zu bleiben, mit den Drogen aufhört.“

Ein vorläufiges Gutachten für einen weiteren Prozess vor dem Amtsgericht Bad Kreuznach, wo der Mann wegen Widerstands, Sachbeschädigung, Beleidigung und anderer Delikte angeklagt ist, kommt zu dem Schluss, dass er zum Tatzeitpunkt eine erheblich geminderte Steuerungsfähigkeit gehabt habe.

Das zählte Staatsanwalt Christian Loch mit zu den Punkten, die für den Angeklagten sprechen würden. Außerdem: das Geständnis, dass es sich um weiche Drogen gehandelt habe, die zum Eigenkonsum bestimmt waren, dass er schwerst drogenabhängig war und in Kliniken behandelt werden musste.

Aber aus Sicht des Staatsanwalts gab es in der Vorgeschichte des Mannes auch viele Dinge, die gegen die Aussetzung der geforderten Haftstrafe von 15 Monaten auf Bewährung sprachen: Er hob vor allem die Vorstrafen hervor, die zum Teil auch einschlägig waren, und, dass es dem Angeklagten nicht gelungen war, Bewährungszeiten ohne weitere Straftaten durchzustehen, sodass er einige Mal in den Knast wanderte.

„In der Vorbereitung der Verhandlung habe ich wenig Chance auf eine Bewährung gesehen“, erklärte Loch, wegen der glaubhaften Abstinenz und der Aussicht auf eine feste Arbeitsstelle beantragte er sie dennoch. Diesem Antrag folgte das Schöffengericht, stellte den Angeklagten zwei Jahre unter Aufsicht eines Bewährungshelfers, verhängte eine Geldstrafe von 1500 Euro und vierteljährliche Urintests. Drogen darf er keine mehr zu sich nehmen.

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