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Lehrpfad will noch 2021 Besucher empfangen

Männliche Bienen sind „allein für die Gaudi da“

Foto: Sebastian Schmitt

Der Kirner Bienenlehrstand soll in diesem Jahr endlich noch einmal nicht fliegendes Publikum empfangen. Dafür hat Betreiber Joachim-Bernd Keller seinen kompletten Frühlingsputz bereit abgeschlossen. Als Experte für Honig, Insekten und seinen Bienenlehrstand hat er nicht nur ein hohes Amt inne, sondern pflegt auch ein besonderes Verhältnis zur Biene.

Wer sich mit dem Kirner über das nützliche Insekt unterhält, taucht in eine faszinierende Welt ein, die nicht nur im Landkreis Bad Kreuznach immer mehr Menschen begeistert: In den vergangenen Jahren wuchs die Zahl der Hobbyimker stetig.


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Foto: Sebastian Schmitt

Vor fünf Jahren entdeckte Keller seine Leidenschaft für Honigbienen. Der Kirner Wetterfrosch hatte einen Bienenschwarm geschenkt bekommen: „Damit begann unser Abenteuer ‚Apis mellifera‘“, sagt der 57-Jährige rückblickend und meinte damit die Westliche Honigbiene. Wegen ihres Honigs wird sie durch den Menschen innerhalb der Imkerei genutzt und fand weltweit Verbreitung. Wenn Keller von der Biene berichtet, ist diese für ihn mehr als ein Honigproduzent, sondern vielmehr ein „faszinierendes, bemerkenswertes Wesen“, mit dem sich bereits Tausende Fachleute beschäftigt haben. Und trotzdem ist sie noch nicht bis ins letzte Detail erforscht.

Keller selbst startete zu Beginn der 2000er-Jahre mit Anfängerkursen, „die Imkerei beeindruckte mich nachhaltig“, sagt er. Mit dem erworbenen Wissen wuchs das Verlangen nach mehr imkerlichen Fähigkeiten. Er startete mit drei Bienenvölkern, so mache man das, wenn das Hobby zur Leidenschaft werde: ein Volk zum Betrachten, eines, das den Winter nicht überleben wird, und eines für die Zukunft, zum Aufbau einer Imkerei.  

„Beim Züchten und dem Aufbau eines Lehrstandes braucht man eine ruhige Hand und ein gutes Auge“, sagte schon Kellers Bienenvater Friedrich Wilhelm Bauer aus Merxheim, der auch heute immer wieder am Bienenlehrpfad vorbeischaut. Beides wurde Keller attestiert. Ideale Voraussetzungen also für den geübten Handwerker.

Mittlerweile war Keller so tief in die Materie eingetaucht, dass an ein Aufhören nicht mehr zu denken war. „Die ersten drei Jahre besitzt man Bienen, danach lassen sie einen nicht mehr los“, sagt er aus Überzeugung. Die Biene ist ein bestimmendes Thema in Kellers Leben. Im Laufe der Jahre hat sich der Kirner tiefgründiges Wissen erarbeitet – über das Insekt an sich, dessen vorherbestimmten Werdegang, das Endprodukt, das nicht nur der Biene als Nahrung zugutekommt, sondern dem Menschen zugleich Genussmittel ist.

Während die Sommerbiene, die ab April bis in den Juli unterwegs ist, nur 40 Tage alt wird und am Ende ihres Lebenszyklus eine schwarze Färbung einnimmt, kann die Winterbiene, die allein die Aufgabe als Wärmespender für die Königin übernimmt, ein halbes Jahr alt werden. Sie sitzt dann im Stock, umsorgt die Königin, die nicht unter 25 Grad Celsius abkühlen darf. Bei der Lebenserwartung ist die Winterbiene also klar im Vorteil.

Foto: Sebastian Schmitt

Abwechslungsreicher ist hingegen der Lebenszyklus der Sommerbiene, die zunächst als Putzbiene ihre „Wiege“ reinigt, als Ammenbiene die Maden füttert, als Baubiene Wachsplättchen ausschwitzt und diese für den Wabenbau verwendet. Als Wächterbiene bewacht sie den Bienenstock mit bis zu 60 000 Gleichartigen, ehe sie ab dem 25. Tag zur allseits bekannten Flugbiene wird und auf Sammelflüge von Pollen und Nektar ausschwärmt.

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Seit vier Jahren werden am Lehrbienenstand Führungen angeboten, für Kindergärten, Schulen oder Vereine, in der jeder alle relevanten Dinge aus dem großen Bienen-Kosmos erfährt: Dass etwa der Großteil eines Volkes weiblich ist, die männlichen Kandidaten als Drohnen bezeichnet werden, und „allein für die Gaudi da sind“, wie Keller sagt. Seine Stärke ist es, komplexe Zusammenhänge in einfachen Worten zu erklären.

Foto: Sebastian Schmitt

Kellers neuestes Projekt ist: Die Heideimkerei, eine besondere Art der Bienenhaltung, die Imker insbesondere in der Lüneburger Heide seit dem Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert intensiv betrieben haben und die heute sehr selten ist. Als Bienenwohnung wurde ein aus Stroh geflochtener Korb eingesetzt, der Lüneburger Stülper.

Corona erschwert die Ausbildung: Keller bedauert es, dass die Ausbildungstätigkeit bei den Nachwuchsimkern im vergangenen Jahr wegen Corona arg litt: „Bienenhaltung und -zucht erfordern körperliche Nähe, im Lockdown ist das nicht möglich.“ Trotzdem möchte Keller dieses Jahr unter Corona-Regeln wieder Besucher empfangen.

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