POLITIK
Kreis gibt Konzept in Auftrag

Lücken im Radwegenetz sollen „sinnvoll“ geschlossen werden

Radweg
Foto: Igor Stevanovic

Raus aus dem Auto, rauf aufs Rad: Der Kampf gegen den Klimawandel beginnt schon mit einem Tritt in die Pedale – beispielsweise auf dem Weg zur Arbeit oder ins nächste Dorf. Problem: Der Rhein-Hunsrück-Kreis hat mit 470 Kilometern Radwanderwegen ein gut ausgebautes Netz – das aber oft nur touristischen Wert hat.

Der Hauptausschuss des Kreises hat jetzt ein umfassendes Konzept für ein Alltagsradwegenetz in Auftrag gegeben. Die vorhandenen Lücken sollen „sinnvoll“ geschlossen werden. Bei breiter Zustimmung zu dem Vorhaben gab es aber auch Kritik an den Kosten von rund 80 000 Euro.

„Das Konzept soll den Radverkehr nicht nur innerhalb, sondern auch zwischen den Verbandsgemeinden und den Kommunen ermöglichen, indem Lücken im vorhandenen Netz geschlossen und alle Orte angebunden werden. Mit geeigneten Maßnahmen soll das Radfahren sicherer und attraktiver gemacht werden, auch in Kombination mit dem ÖPNV. Damit soll zum Umstieg vom Auto aufs Fahrrad motiviert werden“, schreibt die Verwaltung des Kreises in dem Beschlussvorschlag.

Der Rhein-Hunsrück-Kreis und seine Kommunen hatte sich 2020 am Bundeswettbewerb „Klimaschutz durch Radverkehr“ beteiligt, für den auch eine Online-Bürgerbefragung durchgeführt wurde. Insgesamt 770 Ideen, Hinweise und Wünsche zur Verbesserung des Radwegenetzes wurden geäußert (Hier sind die Ergebnisse zu sehen). Die meisten Meldungen erfolgten zu fehlenden Radwegeverbindungen und bei bestehenden Verbindungen wurde vor allem der schlechte Zustand der Wege kritisiert.

Die Bemühungen waren nicht von Erfolg gekrönt: Im April 2021 kam die Förderabsage! „Im Vergleich zu anderen eingereichten Förderprojekten hat das Vorhaben nicht genügend Bewertungspunkte erreicht“, hieß es im Bericht von Landrat Marlon Bröhr. Deswegen hatte der Kreistag entschieden, dass Radwegekonzept aus eigenen Mitteln zu finanzieren. Jetzt wurde der Auftrag dazu an das Bopparder Büro Stadt-Land-plus vergeben.

Für 82 820,43 Euro soll das Planungsbüro nun ein Konzept zur Realisierung einer durchgängigen die Kommunen übergreifende Radwegeverbindung erstellen. Da die Bopparder Firma der einzige Bieter bei der freihändigen Vergabe war, ging der Zuschlag automatisch an Stadt-Land-plus.

Einige Mitglieder des Kreisausschusses zeigten sich über das Ergebnis überrascht. Klaus-Peter Müssig (SPD) fragte: „Jede Verbandsgemeinde hat ihr eigenes Radwegekonzept in Auftrag gegeben. Warum zahlen wir 82 000 Euro, dafür, dass die Pläne nebeneinandergelegt werden?“ Auch Hans-Josef Bracht zeigte sich „erschrocken“ über die Kosten.

Bröhr äußerte allerdings die Hoffnung, dass das Büro „die Potenziale möglicher Radwege analysiert, Verkehrsströme dokumentiert und aufzeigt, welche Radwege einen volkswirtschaftlichen Nutzen hätten“. Es gehe bei dem Auftrag um qualifizierte Empfehlungen.


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Schließlich wurde die Vergabe vom Kreisausschuss mit einer Gegenstimme verabschiedet. Der AfD-Politiker Ralf Schönborn stimmte dagegen, er störte sich auch schon an dem Beschlussvorschlag, in dem explizit „Alltagsradwegenetz“ steht. „Dies würde ja implizieren, dass die Leute ihr Auto stehenlassen sollen.“

Auf dieser Karte können Sie alle Hinweise und Wünsche aus der Bürgerbeteiligung einsehen:

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