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Sie will ohne CDU Landrätin werden

Lanius-Heck: „Bürger unabhängig von Parteipolitik vertreten“

Rita Lanius-Heck
Foto: Dirk Eikhorst Rita Lanius-Heck bei der ersten Kreisausschuss-Sitzung, die sie als Vertreterin des Landrats leitete

Rita Lanius-Heck wird den nach Berlin wechselnden Landrat Dr. Marlon Bröhr (CDU) bis zur Wahl eines Nachfolgers im Kreishaus vertreten. Sie hat selbst schon Ansprüche auf das Amt angemeldet – für alle überraschend aber wollte sie den Weg nicht mit ihrer Partei CDU gehen. Kurz vor dem Kreisparteitag erklärte sie, als unabhängige Kandidatin antreten zu wollen. Hunsrück News hat mit der Unternehmerin über ihre Beweggründe, Chancen und Ziele gesprochen.

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Hunsrück News: Frau Lanius-Heck, Sie haben sich für eine unabhängige Kandidatur entschieden, was waren die ausschlaggebenden Beweggründe?


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Rita Lanius-Heck: „Zurzeit nehme ich als erste Kreisbeigeordnete die Amtsgeschäfte des Rhein-Hunsrück-Kreises in Vertretung wahr. Dies ist eine besondere Verantwortung und ich nehme sie mit Engagement und Freude an. Ich habe mich entschlossen, mich als unabhängige Kandidatin für das Amt der Landrätin zu bewerben. Es ist meine tiefe Überzeugung, dass ich die Interessen und Anliegen der Bürgerinnen und Bürger des Rhein-Hunsrück-Kreises unabhängig von jeglicher Parteipolitik wesentlich besser vertreten kann.

Ich möchte meine kommunalpolitische Erfahrung für unsere schöne ländliche Heimat einbringen, damit junge Familien und ältere Menschen gerne im Rhein-Hunsrück-Kreis leben und arbeiten. Als langjährige Vorsitzende des größten Frauenverbandes im Rhein-Hunsrück-Kreis fühle ich mich den Menschen hier sehr verbunden und habe erfahren, wie wichtig die Nähe zu den Bürgerinnen und Bürgern ist.“

Ihre Entscheidung hat für Unmut in den eigenen Reihen gesorgt. Ihr Parteikollege, der Kreisvorsitzende und Landtagsabgeordnete Tobias Vogt, warf Ihnen sogar Wortbruch vor. Wie gehen Sie mit dieser harschen Kritik um?

Lanius Heck: „Mit dieser Kritik kann ich gut umgehen. Ich denke, sie ist so nicht angebracht. Bereits vor dem CDU-Parteitag habe ich meine Nominierung als CDU-Kandidatin nach reiflicher Überlegung zurückgezogen, da es mir wichtig war, alle Bürgerinnen und Bürger des Rhein-Hunsrück-Kreises zu vertreten.

Nach meiner Wahrnehmung galt die Absprache, den gewählten Kandidaten zu unterstützen, nur für die angetretenen CDU-Kandidaten. Zu diesem Zeitpunkt war ich aber keine Kandidatin mehr. Insgesamt denke ich, ist es wichtig, sich nun nicht zu zerstreiten und fair zu bleiben. Denn am Ende geht es uns allen doch um die besten Lösungen für den Rhein-Hunsrück-Kreis.“

Welche Chancen rechnen Sie sich als unabhängige Kandidatin aus? Wie realistisch ist ein Wahlsieg?


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Lanius-Heck: „Jeder Kandidat, der zur Wahl antritt, sollte das Ziel haben, die Wahl auch zu gewinnen! Ich bin überzeugt davon, dass ich eine sehr gute Chance habe, die Wahl zu gewinnen, sonst wäre ich nicht angetreten.“

Wie würde sich Ihre Politik als Landrätin von der Ihres Mitbewerbers und Parteikollegen Dr. Klein unterscheiden? Sind die politischen Differenzen zwischen Ihnen und der Partei vielleicht doch so groß, dass Sie in absehbarer Zeit auch über einen Parteiaustritt nachdenken werden?

Lanius-Heck: „Meine Politik als Landrätin wird gekennzeichnet sein von großer Bürgernähe. Respekt möchte ich allen Institutionen, Verbänden und Vereinen zollen, in denen sich Männer und Frauen im Rhein-Hunsrück-Kreis engagieren. Sie müssen gehört und ihre Interessen zusammengebracht werden, damit ein gutes Miteinander in unserem Kreis gelingt. Mit vielen frischen Ideen möchte ich den Rhein-Hunsrück-Kreis in die Zukunft führen. Zu Ihrer zweiten Frage: Da sehe ich keine Probleme. Hier müssen Amt und Partei ganz klar getrennt werden.“

Glauben Sie, dass Sie bei Ihrem Vorhaben auch Unterstützung aus dem CDU-Kreisverband bekommen oder stehen Sie nun „allein auf weiter Flur“?

Lanius-Heck: „Von ‚allein auf weiter Flur‘ kann keine Rede sein. Mein Wahlkampfteam steht und viele Unterstützerinnen und Unterstützer im Rhein-Hunsrück-Kreis stehen bereit.“

Welche politischen Pläne würden Sie als Landrätin gerne in die Tat umsetzen und was wären Ihre wichtigsten Zielsetzungen? Wo sehen Sie Handlungsbedarf?

Lanius-Heck: „Oh, da gibt es selbstverständlich sehr viele Themen. Beispielsweise die flächendeckende Breitbandversorgung, ein gut funktionierender Katastrophenschutz, die Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum, die Kita-Situation, die Digitalisierung unserer Schulen sowie die Schülerbeförderung, ÖPNV, Klimaschutz, den Wirtschaftsstandort Rhein-Hunsrück-Kreis stärken etc.

Hiermit sind nur einige wenige Themen genannt. Wegen der Vielfalt der Sachgebiete können Sie sicher verstehen, dass ich hier nicht auf die ganze Bandbreite eingehen kann.“

Die Union befindet sich nach dem schlechten Abschneiden bei der Bundestagswahl in einer Art „Findungsphase“. Glauben Sie, dass solche innerparteilichen Auseinandersetzungen – auch wenn diese sich nur auf kommunaler Ebene abspielen – nicht letztlich den Eindruck verstärken, den viele Menschen von der Union momentan haben, nämlich den eines „zerstrittenen Haufens“?

Lanius-Heck: „Die Probleme der Union auf Bundesebene kann ich nicht beeinflussen. Es ist stets besser, einvernehmliche Lösungen zu finden und gemeinsam an einem Ziel zu arbeiten.“

Wie ginge es für Sie politisch weiter, wenn Sie die Wahl nicht gewinnen sollten?

Lanius-Heck: „Davon gehe ich nicht aus und mache mir daher auch keine Gedanken zu diesem Thema.“

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