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100 Mio. Euro auf der hohen Kante

Landrat fordert mehr Investitionen von Gemeinden

Landrat Dr. Marlon Bröhr fordert mehr Investitionen der Gemeinden
Foto: Dirk Eikhorst Landrat Dr. Marlon Bröhr fordert mehr Investitionen der Gemeinden

Wenn man so will, könnte es ein guter Neujahrsvorsatz sein, den Landrat Dr. Marlon Bröhr den Gemeinden im Rhein-Hunsrück-Kreis für die Agenda 2021 empfiehlt: mehr Investitionen! Dem Landrat stößt die Summe von 100 Mio. Euro auf, die die Kommunen zurückgelegt haben.

In der Tat sind die Summen beeindruckend: Rheinböllen sitzt auf 6,8 Millionen Euro, Dommershausen auf 2,9 Millionen. In Relation zur Einwohnerzahl liegen aber andere Gemeinden vorn: Das 100-Seelen-Dorf Rayerschied hat 8285 Euro pro Kopf auf dem Konto und ist damit reichste Gemeinde des Kreises. Es folgen Wiebelsheim mit 6875 Euro pro Einwohner und Henau mit 6090 Euro.


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Aber: „Mit dem Kontostand lockt keine Gemeinde neue Bürger oder neue Unternehmen an“, sagte der Landrat zu Hunsrück News. Er will das Geld als Wettbewerbsvorteil verstanden wissen, „es ist nicht Aufgabe der Gemeinde, Geld zu horten, es muss in die Zukunft investiert werden“.

„Mit meinen Möglichkeiten der Gesamtschau gebe ich Empfehlungen“, sagte Bröhr. Aus dieser olympischen Perspektive heraus stellt er fest: „Einen Notgroschen zu behalten ist in Ordnung, aber nicht knapp 100 Millionen Euro.“

Michael Brennemann, Ortsbürgermeister der zweitreichsten Gemeinde Wiebelsheim, kann den Anstoß des Landrats nicht verstehen: „Wir investieren ständig, Wiebelsheim ist toll ausgebaut, schön begrünt, wir haben einen tollen Spielplatz.“

Brennemann berichtete gegenüber Hunsrück News von einer 4,2 Millionen Euro schweren Investition, mit der eine Kita für 80 Kinder aus den Gemeinden Laudert, Wiebelsheim und Perscheid entstehe. Außerdem seien von 16 neuen Bauplätzen bereits zehn an junge Wiebelsheimer Familien veräußert worden.

Ein anderer Bürgermeister, der erst seit kurzem im Amt ist, sieht die Investitionen seiner ebenfalls reichen Gemeinde kritisch: „Wir hätten in den vergangenen 30 Jahren mehr machen können, jetzt müssen wir einen Renovierungsstau beseitigen.“

Er sieht eine weitere Gefahr: „Wir müssen das Geld jetzt für die nachfolgende Generation investieren, sonst wird es eventuell irgendwann umverteilt.“ Die Rücklage vollends aufzubrauchen, hält er aber für verkehrt.

Und der Bürgermeister hat ein weiteres Problem bei den Investitionen ausgemacht: „Wenn die Gemeinde etwa Geld in den Straßenausbau investiert, dann treffen diese Maßnahmen auch immer die Einwohner, die womöglich nicht so reich wie die Gemeinde sind.

Auch der Landrat weiß, dass nicht jede Investition eine gute Investition ist. Manchmal landet man mit einem gut gemeinten Vorhaben sogar im Schwarzbuch des Steuerzahlerbundes, wie etwa St. Goar mit seiner Rheinterrasse. Aber Bröhr sagt auch: „Wer nichts macht, macht auch keine Fehler.“

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