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Heftige Diskussionen in „Besser Boppard“

„Küchenkasse“ kocht vor Bürgermeisterwahl hoch

Der alte Bahnhof in Bad Salzig – waren die Nutzungsgebühren für die Küche so korrekt?
Foto: Der alte Bahnhof in Bad Salzig – waren die Nutzungsgebühren für die Küche so korrekt?

Der Wahlkampf um das Bürgermeisteramt in Boppard nähert sich dem Siedepunkt – ohne, dass die Kandidaten selbst etwas dazu beitragen hätten.

In den beiden Facebook-Foren „Besser Boppard“ und „Noch besser Bad Salzig“ wird heftig über die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft zur „Küchenkasse“ diskutiert: Wer hat wen angeschwärzt? Wer wusste wann was? War die Anzeige eine Retourkutsche?


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Oder ist alles nur ein „Schippchenkampf im Sandkasten“ oder das „Hunsrücker Landrecht eines ehemaligen Bierkutschers“, wie zwei User schreiben?

Nachdem die Staatsanwaltschaft Koblenz offiziell Ermittlungen gegen den ehemaligen Bad Salziger Ortsvorsteher Wolfgang Spitz (CDU) eingeleitet hatte, erschien eine Unterstützungsanzeige in „Rund um Boppard“ – und damit geriet der Stein wieder ins Rollen.

Die „Küchenkasse“: Der Bad Salziger Ortsbeirat hatte 2005 beschlossen, dass Nutzungsgebühren für den Alten Bahnhof erhoben werden sollten. Die Einnahmen verwaltete Wolfgang Spitz. Nur: Ein Konto oder ordentliche Buchführung gab es wohl nicht.

Die Bürgermeister-Kandidaten
  • Kandidat Philipp Loringhoven im Podcast
    Bürgermeisterwahl in Boppard

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  • Kandidat Niko Neuser im Podcast-Interview
    Bürgermeisterwahl in Boppard

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  • Kandidat Jörg Haseneier im Podcast-Interview
    Bürgermeisterwahl in Boppard

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So wollte Andreas Nick (SPD), der Nachfolger von Spitz, die Kasse nicht übernehmen. Bürgermeister Dr. Walter Bersch (SPD) forderte Aufklärung – und als die nicht kam, stellte er schließlich Anzeige gegen Spitz.

Dass diese Anzeige nun in offizielle Ermittlungen der Staatsanwaltschaft mündete, darüber berichtete die „Rhein-Zeitung“, was die teilweise der CDU angehörigen Unterzeichner des offenen Briefs in „Rund um Boppard“ „betroffen und wütend“ machte. Sie vermuten, die politische Konkurrenz wolle Spitz „gezielt diskreditieren“ und seine Verdienste „herabwürdigen“.

Dafür gab es reichlich Beifall in der Facebook-Gruppe „Noch besser Bad Salzig“. Der gleiche Post von fand am Freitag auch seinen Weg in die Gruppe „Besser Boppard“, die Bürgermeister Dr. Walter Bersch als Administrator betreut. Die Kommentarfunktion hatte der Verfasser ausgeschaltet, nur Bersch nutzte seine Rechte als Administrator, um eine Stellungnahme zu hinterlassen.

Ein Post von Joachim Weinand (CDU), der die Niederschrift der betreffenden Ortsbeiratssitzung aus 2005 zeigt, blieb kommentierbar. Aber bei dem Beitrag von Andreas Nick (SPD), der auch Nachfolger von Spitz ist, wurde die Kommentarfunktion ebenfalls abgeschaltet – nach 48 Kommentaren. Nick hatte den Brief gepostet, mit dem der Bürgermeister Aufklärung von Spitz bezüglich der „ungeklärten Kassenbestände“ gefordert hatte.

Gegenüber Hunsrück News erklärte Andreas Nick, dass er es in Anbetracht des absolut unwürdigen Niveaus einiger Kommentare für durchaus angemessen hält, dass die Kommentarfunktion ausgeschaltet wurde.

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Dafür erntete Nick Kritik, „schlechter Stil“ wurde ihm vorgeworfen, und dass „im Wahlkampf jedes Mittel“ recht sei. Aber Nick habe auch, wie ebenfalls angemerkt wurde, „lediglich auf den Beitrag von Herrn Weinand in ‚Besser Boppard‘ reagiert. Also man kann ihm nicht vorwerfen, dass er das Thema ins Internet oder diese Gruppe gebracht hat …“

Und so kochen die Kontrahenten unter den Posts ihre jeweils eigenen Süppchen: Die eine Seite sieht in der Anzeige eine Retourkutsche, weil der Rechnungsprüfungsausschuss Ungereimtheiten bei Berschs Fahrtkostenabrechnung in Höhe von 11,60 Euro entdeckt hatte, die andere Seite sieht ein Fehlverhalten, für das laut Staatsanwaltschaft zumindest ein gegen Spitz gerichteter Anfangsverdacht der Untreue besteht.

Was die teils hitzigen Beiträge in den Foren „Besser Boppard“ und „Noch besser Bad Salzig“ beweisen, ist, dass auf den kommenden Bürgermeister vor allem eine Aufgabe zukommen wird: Er wird die tiefen Gräben in der Lokalpolitik schließen müssen, wenn es mit Sachpolitik weitergehen soll. Denn für jeden wurde wieder sichtbar, wie leicht entzündlich die Bopparder Stimmung ist …

*Wir hatten in einer früheren Version dieses Artikels berichtet, dass der Post von Joachim Weinand gesperrt wurde, der von Andreas Nick nicht. Es war genau andersherum.

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