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Ministerin kommt in die Hunsrück Klinik

Klinik setzt hinter Rettung der Geburtshilfe noch Fragezeichen

Hunsrück Klinik in Simmern
Foto: Dirk Eikhorst Die Geburtsstation der Hunsrück Klinik in Simmern arbeitet defizitär

Sieben Jahre lang hat die Kreuznacher Diakonie um die Finanzierung der Geburtsstation im Krankenhaus in Simmern gekämpft. Vergangene Woche kamen endlich positive Signale aus Mainz.

Eine Schließung der Kreißsäle in der Hunsrück Klinik aus wirtschaftlichen Gründen kommt für Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler nicht in Betracht. Klinikdirektor Rainer Frischmann begrüßte die Initiative, sicher, dass wirklich Hilfen gezahlt werden, ist er sich hingegen nicht.


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Er freue sich sehr, dass die Ministerin die derzeit geltenden Kriterien anpassen wolle, erklärte Klinik-Chef Frischmann gegenüber Hunsrück News. „Ob es letztlich tatsächlich zu einer Zahlung im Rahmen des Sicherstellungszuschlages kommen wird und in welcher Höhe, bleibt jedoch abzuwarten.“

Der Sicherstellungszuschlag ist ein Instrument, um eine flächendeckende stationäre Krankenhausversorgung zu sichern. Nicht alle Einrichtungen, gerade in dünn besiedelten Gegenden, können kostendeckend arbeiten. Sie werden mit Fördermitteln am Leben erhalten.

Denn: „Für die Versorgung unserer Bevölkerung brauchen wir nicht nur die großen Maximalversorger, sondern ebenso auch die kleinen Krankenhäuser in der Fläche“, erklärte Ministerpräsidentin Malu Dreyer.

Seit 2018 können auch Geburtsstationen einen Zuschlag bekommen – doch bislang erfüllt die Hunsrück Klinik nicht die dafür nötigen Kriterien. Überraschung: Im Einzugsgebiet der Klinik wohnen zu viele Frauen im gebärfähigen Alter.

Wirkliche Geburten gab es im vergangenen Jahr in Simmern genau 505. Um kostendeckend zu arbeiten, müssten es aber zwischen 800 und 1000 jährlich sein.

Nun sind Förderrichtlinien mindestens so verwirrend wie verwinkelte Krankenhausflure, wenn man das erste Mal einen Angehörigen in einer Klinik besucht:

Würde die Fahrzeit in eine geeignete Klinik mehr als 40 Minuten betragen, wenn die Geburtshilfe in Simmern nicht vorgehalten würde? Wären mehr als 950 Frauen im Alter von 15 bis 49 Jahren von diesem Fahrtradius betroffen? Beträgt die Bevölkerungsdichte bei der Zielgruppe (Frauen zwischen 15 und 49 Jahren) im Durchschnitt weniger als 20 pro Quadratkilometer?

Jetzt sollen die Kriterien geändert werden: Ministerin Bätzing-Lichtenthäler will den Wert der Bevölkerungsdichte auf 50 hochsetzen. Dann wäre die Hunsrück Klinik wieder im Spiel, denn im Einzugsgebiet wohnen 38 Einwohnerinnen im gebärfähigen Alter pro Quadratkilometer.

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Ist die Geburtsstation in Simmern damit gerettet? Die Zweifel des Klinik-Chefs sind nachvollziehbar. Denn erstmal müsste die Landesverordnung zur Sicherstellung der flächendeckenden stationären Krankenhausversorgung vom Ministerrat geändert werden – und ob der nach der Landtagswahl noch die gleiche Zusammensetzung hat?

Zudem: 2014 hatte die Hunsrück Klinik schon einmal einen Antrag auf Sicherstellungszuschlag gestellt, die Zustimmung des Gesundheitsministeriums erhalten und der Zuschlag wurde auf 670 000 Euro festgelegt. Dagegen klagte eine Krankenkasse und bekam letztlich vor dem Oberverwaltungsgericht Koblenz recht.

Jetzt steigt beim Krankenhausdirektor die Spannung. Am 4. März wird die Gesundheitsministerin die Hunsrück Klinik besuchen: „Der Termin ist für uns sehr wichtig, um zu sehen, wie die Finanzierung konkret ausgestaltet ist.“

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