POLITIK
Neubau mit fünf Gruppen

Kirchberg stellt Weichen für Ersatz der katholischen Kita

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Foto: Dirk Eikhorst Vor der Stadtratssitzung demonstrierten die Eltern mit ihren Kindern für eine schnelle Lösung

Der Kirchberger Stadtrat hat in einer einstimmigen Entscheidung den Neubau einer fünfgruppigen Kindertagesstätte beschlossen – diese soll dann das Provisorium Stadthalle ablösen, in dem die Kinder der ehemaligen katholischen Kita „Auf der Schied“ seit zwei Jahren betreut werden. Die Kosten werden sich auf rund 4,2 Millionen Euro belaufen.

Der Bedarf an neuen Kindergartenplätzen im Raum Kirchberg ist groß: Zehn fehlende Gruppen haben die Verantwortlichen ausgemacht. Erster Schritt zur Entschärfung der Situation: Der Stadtrat hat in seiner jüngsten Sitzung beschlossen, dass die Kita Gänsacker um zwei Gruppen erweitert werden soll. Hierfür wird Kirchberg rund 800 000 Euro aufbringen müssen.

Für die restlichen acht Betreuungsgruppen war Bauingenieur Steffen Hesse von der HS Gesellschaft für Projektsteuerung & Baumanagement mit einer Untersuchung beauftragt worden, um Machbarkeit, Wirtschaftlichkeit und Vergabe sowie Fördermöglichkeiten für unterschiedliche Varianten zu untersuchen. In den Fokus rückten zwei Optionen: Neubau von zwei Kitas mit jeweils vier Gruppen auf der einen Seite und Neubau einer fünfgruppigen Kita zusammen mit der Sanierung der alten katholischen Kita.

Da zwischenzeitlich in den Ortsgemeinden Kappel und Ober Kostenz Beschlüsse zu Erweiterungen der Kindertagesstätten um jeweils eine Gruppe gefallen waren, hatte der Kindergartenbezirk Kappel/Kirchberg sich in seiner darauf verständigt, dass eine Kita mit fünf Gruppen in Kirchberg entstehen soll. Diesem mehrheitlichen Beschluss der 15 im Kitabezirk vertretenen Ortsbürgermeister folgte jetzt auch der Kirchberger Stadtrat. Die ehemalige katholische Kita soll „aus wirtschaftlichen Gründen“ nicht mehr saniert werden.

Nachdem Steffen Hesse seine Wirtschaftlichkeitsuntersuchung – inklusive Zahlenwerk eine Analyse auf 110 Seiten – präsentiert hatte, forderte Axel Weirich, der Fraktionssprecher der SPD, dass Bürgermeister Wöllstein den anwesenden Eltern noch einmal erläutern sollte, warum es so lange bis zu dieser Beschlussfassung gedauert habe.

In einer teils hitzigen Diskussion mit den Eltern vor der Sitzung in der Stadthalle verwehrte sich Weirich gegen „Beschuldigungen gegenüber den falschen Leuten“. Er war der Meinung, das „Informationsdefizit“ der Eltern müsse beseitigt werden, schließlich würde sich einige auch auf „Falschinformationen“ stützen.

Werner Wöllstein erklärte noch einmal, was er vor fünf Wochen schon gegenüber Hunsrück News berichtete: „An meinem ersten Arbeitstag als Bürgermeister hatte ich gleich einen Termin in der katholischen Kita, da stand der Möbelwagen schon vor der Tür und der Architekt hat mir die Sanierungspläne erläutert“, berichtete Wöllstein. Durch den Ausfall des Technikplaners und die Forderung nach einer behindertengerechten Sanierung seien die Kosten dann von 360 000 Euro auf 1,4 Millionen gestiegen. Verhandlungen mit dem Bistum Trier, die Verzögerung bei den Planungen, die Beratungen im Kita-Bezirk und die Arbeit Kita-Ausschusses sowie die Durchführung des Wirtschaftlichkeitsgutachtens hätten immer mehr Zeit gefressen.

Wöllstein: „Wir haben als Stadt das Pech, dass wir jetzt unser Fett abbekommen, aber es gibt noch andere Verantwortliche.“ Er versicherte, dass sich alle sehr bemühen würden und dass es mit Sicherheit niemanden im Rat gebe, der das Projekt verhindern oder verzögern wolle. Der Bürgermeister zeigte Verständnis für die Eltern, berichtete aber auch von persönlichen Anfeindungen.

Jürgen Tappe (CDU) war der Meinung, dass Wöllsteins Worte sicherlich dazu beigetragen hätten, dass sich die Gemüter etwas beruhigen konnten, er begrüßte aber auch den Einsatz der vielen Eltern: „Gut, dass ihr hergekommen seid, damit ist jedem klargeworden, worum es geht.“ Und unter dem Beifall der Zuhörer sagte er: „Wir müssen jetzt vorankommen, es gilt, keinen Tag zu verlieren!”

Die finanzielle Seite: Die Baukosten wurden auf 4 172 660 Euro beziffert. Weil die katholische Kita eine Betriebserlaubnis für 90 Plätze hatte, werden nur die Kosten für die 35 neu entstehenden Kita-Plätze gefördert, was 332 500 Euro vom Land und 338 000 Euro vom Kreis ausmacht. Von den ausstehenden 3,5 Millionen € wird Kirchberg einen Anteil von rund 60 Prozent tragen müssen, den Rest teilen sich die 14 Ortsgemeinden im Kita-Bezirk.

Die Entscheidung für den Neubau der fünfgruppigen Kita ist eine Grundsatzentscheidung, ohne dass damit konkrete Vorgaben für den Standort oder die Trägerschaft einhergehen. Bauingenieur Hesse wurde jetzt damit beauftragt, das Verfahren zur Vergabe öffentlicher Aufträge durchzuführen. Hesse schätzt allein für diesen Schritt einen Zeitbedarf von vier Monaten.

Kurzfristig ist für die in der Stadthalle untergebrachten Kinder keine Entspannung in Sicht: „Es hilft uns im ersten Moment nicht viel. Die Situation ist noch schlimmer geworden, das Personal rennt weg, es werden immer weniger Kinder aufgenommen, weil weniger Personal da ist“, erklärte eine Mutter.

Ein Vater sah die Stadt in der Pflicht: „Die muss doch ein Interesse daran haben, dass der Träger die Aufgabe vernünftig erfüllt, schließlich zahlt die Stadt auch dafür.“ Nach der Diskussion vor der Stadthalle sagte eine weitere Mutter: „Es ist schon schade, dass die Stadträte das jetzt abkriegen, aber sie sind nicht die falsche Adresse, sie gehören zu diesem Puzzle dazu.“

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Foto: Dirk Eikhorst Axel Weirich (SPD, hinten Mitte links) und Bürgermeister Werner Wöllstein (M.) stellten sich den Eltern
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