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Drogeninduzierte Psychose

Kiffer tötet Kalb „Rambo“ mit Vorschlaghammer

„Rund zwei bis drei Prozent der jungen Menschen reagieren auf Drogenmissbrauch empfindlich – das war offensichtlich auch bei Ihnen der Fall.“

Dr. Ralf Werner, Gutachter für forensische Psychiatrie

Acht Monate Haft ausgesetzt zur Bewährung lautete am Ende das Urteil für eine Tat, die Juristen als Diebstahl mit Waffen bezeichnen. Dahinter verbirgt sich das blutige Verbrechen eines „Sonderlings“ …

Der 27-jährige Frank D.* schlich nachts in einen Kuhstall, tötete ein sieben Tage altes Kälbchen mit einem Vorschlaghammer und schaffte dieses mit einer Schubkarre in seine Wohnung. Das Urteil ist gesprochen, aber den genauen Auslöser für die Tat konnte das Amtsgericht Simmern nicht ergründen.

Der junge Mann lebt seit seinem 18. Lebensjahr allein, die Eltern waren mit der jüngeren Schwester nach Norwegen ausgewandert. Er schaffte das Abitur, begann ein Studium in Bonn – aber schon zu dieser Zeit war Cannabis sein ständiger Begleiter. Täglich rauchte er die Droge, rund ein Gramm, wie er angab.

Irgendwann habe sich daraus eine schizophrene Psychose entwickelt, die eine Eigendynamik angenommen habe. „Wenn er Cannabis geraucht hat, dann hatte das sicher eine beruhigende Wirkung, langfristig ist die Auswirkung auf die Psychose aber katastrophal“, sagte Dr. Ralf Werner, der Gutachter für forensische Psychiatrie, vor Gericht.

Und so mehrten sich die Auffälligkeiten: Sein Onkel berichtete dem Gericht von einem Besuch in Bonn, bei dem der Angeklagte „wirres Zeug“ geredet habe. Im Jahr 2019 stürmte der junge Mann dann nackt in eine Kirche, erschreckte die Gläubigen. Bekleidet war er lediglich mit einem Haarreif mit künstlichen Katzenohren.

Irgendwann reifte in dem Angeklagten dann der Gedanke, dass er ein feiger Mensch sei, der sich zwar locker Salami kaufen könne, aber nicht selbst für sein Essen sorgen. „So kam die Idee, für mich selbst herauszufinden, ob ich etwas töten könnte, um es zu essen“, sagte der Angeklagte.

Das Kälbchen hatte er am Abend zuvor schon ausgekundschaftet und dabei die Landwirtin erschreckt. „Er kam hinter einem Heuballen hervorgesprungen“, berichtete sie, sie habe es mit der Angst bekommen. Der Angeklagte habe sie dann über das gerade erst geborene Tier – das den Namen „Rambo“ bekommen hatte und von ihr mit der Flasche aufgezogen wurde – ausgefragt. „Der hatte die ganze Zeit so ein leichtes Grinsen, einen seltsamen Blick.“

Nachts schlich Frank D. dann mit einem Messer und einer Schubkarre zurück in den Stall. Mit einem Vorschlaghammer, den er im Stall entdeckt hatte, schlug er auf den Kopf des Kälbchens ein, bis er dachte, dass er es getötet hatte.

„Die Entscheidung zum Töten fiel erst wenige Sekunden vor dem ersten Schlag“, sagte der Angeklagte, „aber wenn man etwas anfängt muss man es auch zu Ende bringen.“ 15 Mal will er auf das Jungtier eingeschlagen haben.

Als dann mit dem Tier auf der Schubkarre etwa 100 Meter entfernt war, kam ihm der Gedanke, er müsse seine Spuren verwischen, schnitt dem Kalb beide Ohren mit den Marken ab und vergrub diese. Die Absurdität dieser Idee wurde ihm später selbst bewusst, schließlich hatte die Bäuerin ihn ja kurz zuvor am Stall entdeckt.

Den Kadaver brachte er in seine Wohnung, wo er ihn aufhängen und ausweiden wollte. „Das war mir dann alles zu krass und ich bin vor dem Kalb weggelaufen“, erklärte der Angeklagte.

Die Polizisten, die natürlich schnell auf seine Spur kamen, brachen seine Wohnung auf, entdeckten das Tier im Gäste-WC, mit einem Beutel über dem Kopf und zusammengebundenen Beinen.

Und sie machten eine weitere verstörende Entdeckung: Im Kühlschrank stand ein Teller mit menschlichen Exkrementen. „Ich wollte fasten und mich so vom Essen abhalten“, erklärte der Angeklagte dem Gericht.

Kurze Zeit später wurde der junge Mann aufgegriffen und schließlich in die Psychiatrie eingewiesen.

Das Gericht ging bei seinem Urteil von verminderten Schuldfähigkeit aus und hielt dem Angeklagten zugute, dass er die Tat gestanden hat und durch ärztliche Betreuung und Medikamente eine deutliche Besserung seines Zustandes ersichtlich war.

Die Haftstrafe gegen den jungen Mann wurde zu drei Jahren auf Bewährung ausgesetzt, er wird neben einem gesetzlichen Betreuer auch einen Bewährungshelfer bekommen und sich viermal im Jahr einem Drogenscreening unterziehen müssen.

„Wir haben vier Stunden verhandelt und uns drei Stunden davon nur mit der Persönlichkeit des Angeklagten beschäftigt“, sagte Richter Peter Hüttemann, „und mit der Frage, wie man so eine Tat begehen kann.“ Er wolle ihn nie wieder auf einer Anklagebank sehen, gab er dem jungen Mann mit auf den Weg.

Dieser hatte sich in seinem letzten Wort vor dem Urteil reuig gezeigt: „Am schlimmsten ist, dass ich mich nicht bei der Landwirtin entschuldigen kann, sie sollte mitbekommen, wie leid es mir tut.“


*Der Name des Angeklagten wurde von der Redaktion geändert

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