POLITIK
Schulen des Rhein-Hunsrück-Kreises

Keine mobilen Luftfilter für alle 800 Klassenräume

Luftfilter Schulen IGS Kastellaun Klasse
Foto: Dirk Eikhorst In den weiterführenden Schulen des Kreises wird weiter auf das bewährte Lüften gesetzt

Die Diskussion über die Sinnhaftigkeit von mobilen Luftfilteranlagen in Klassenräumen zum Schutz vor der Corona-Pandemie hat auch den Rhein-Hunsrück-Kreis erreicht: Im Kreisausschuss stellte die FDP-Fraktion den Antrag, alle 800 Klassenräume der weiterführenden Schulen mit diesen Geräten auszustatten. Landrat Marlon Bröhr sprach sich vehement dagegen aus – und der Ausschuss folgte seiner Einschätzung.

Carina Konrad (FDP) erklärte zu ihrem Antrag „Bildung sicher ermöglichen: Luftfilter für Schulen anschaffen“, dass die Schüler oft nicht direkt aber doch in besonderem Maße von der Pandemie betroffen seien. Sie nannte etwa Schulschließungen, Fern- und Wechselunterricht. Die mobilen Luftfilteranlagen seien eine Möglichkeit, den Schulunterricht zu gewährleisten, und „keine Anschaffung nur für eine Pandemie“, sie könnten auch in der Zeit danach einen positiven Beitrag zu gesunder Raumluft leisten.

„Man kann lüften, aber irgendwann wird es wieder kalt, es schneit rein“, sagte Konrad, „derzeit ist bei der Bundes- und Landesförderung für solche Geräte viel in Bewegung, wir müssen uns jetzt auf den Weg machen.“ Der im Antrag skizzierte Weg: Den kreiseigenen Schulen soll unbürokratisch die Anschaffung von Raumluftreinigern erstattet werden. Schon zum in sieben Wochen beginnenden Schuljahr 2021/22 sollten die Geräte gekauft und installiert sein.


Anzeige

Landrat Marlon Bröhr erklärte, dass die Verwaltung des Rhein-Hunsrück-Kreises in den vergangenen Monaten schon die Fördermöglichkeiten ausgeschöpft habe. Für Räume, die nicht ausreichend gelüftet werden können, seien die mobilen Luftfilteranlagen bereits angeschafft worden. „Im Januar haben wir 15 Schulen überprüft. Dann wurden für zehn Räume an vier Schulen insgesamt 14 Anlagen angeschafft“, erklärte Doris Becker, die Pressesprecherin des Kreises, „und alle wurden komplett vom Land Rheinland-Pfalz bezahlt.“

Darüber hinaus lehnt der Landrat jegliche Anschaffung solcher Geräte ab: „Es gibt in Europa nicht eine Studie, die nachweist, dass die Luftfilter das Risiko senken, sich mit Corona zu infizieren“, sagte Bröhr, der erklärte, in den vergangenen Tagen die einschlägige Fachliteratur nach entsprechenden Studien durchforstet zu haben.

Und Bröhr schob nach: „Das scheinen übrigens Bund und Länder ebenso zu sehen, denn weder wird die Anschaffung solcher Filter vorgeschrieben, noch gibt es irgendwo ein Förderprogramm.“ Zudem habe die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion angeordnet, dass die Klassenräume gelüftet werden müssen, egal ob es einen Luftfilter gebe oder nicht.

Der Landrat rechnete vor: Für die 800 Klassenräume würde bei Kosten von rund 2000 Euro pro Gerät eine Investition von 1,6 Millionen Euro auf den Kreis zukommen. „Im Zweifel haben wir dann kein Geld mehr für unsere Schulen, um andere dringend benötigte Dinge anzuschaffen.“

Wolfgang Wagner, der CDU-Fraktionschef, erklärte, die mobilen Lüftungsanlagen seien sehr schnell Elektroschrott. „Wir erwarten eine klare Handlungsempfehlung aus Mainz. Derzeit fahren wir auf Sicht, aber ohne Expertise bei der Landesregierung.“

Was Michael Maurer von der SPD zu einer kleinen Spitze herausforderte: Er zitierte den rheinland-pfälzischen CDU-Fraktionsvorsitzenden Christian Baldauf, der in der „Rhein-Zeitung“ die Installation von Luftfilteranlagen in Schulen und Kitas als „entscheidenden Beitrag zur Sicherheit“ im kommenden Schuljahr bezeichnete.

Abseits des parteipolitischen Geplänkels gab es aber noch zwei Stimmen zu den Erkenntnissen, ob es sich bei den Schulen überhaupt um sogenannte Pandemietreiber handelt. Tobias Eiserloh von den Freien Wählern, der selbst stellvertretender Schulleiter in Kirchberg ist, erklärte: „Wir hatten zu Spitzenzeiten vier Infizierte und 15 Kinder in Quarantäne – bei rund 1000 Schülern, aber nie hatten wir einen positiven Test bei den direkten Sitznachbarn.“ Und der Landrat sagte, dass der Kreis auch für alle anderen Schulen eine lückenlose Dokumentation habe, dass es die massenhafte Verbreitung nicht gegeben habe.

Bröhrs Büroleiter Michael Gutenberger wies zudem noch auf eine juristische Problematik hin: „Ein positiver Effekt würde voraussetzen, dass sich die nächste Schulschließung nicht auf die Inzidenz bezieht. Denn wenn die Werte wieder hochgehen, dann können wir noch so viele Geräte in den Klassenräumen haben, dann müssen wir trotzdem in den Lockdown.“

Aktuelle News

Auch interessant
Schließen
Schaltfläche "Zurück zum Anfang"