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„Night of Lights“ der Eventbranche

Kastellauner Burg erstrahlt in Rot – eine stille Demo

Night of Light Kastellaun Burg
Foto: Torsten Pung Photograpy / Trin Die im 13. Jahrhundert erbaute Burg Kastellaun in rotes Licht getaucht – der romantische Schein täuscht, es ist ein Hilferuf

Die Corona-Pandemie hat die Veranstaltungsbranche besonders hart getroffen: Seit März 2020 gibt es praktisch keine Events mehr. Totentanz statt voller Tanzflächen – keine Feiern, keine Einnahmen. Es herrscht „Alarmstufe rot“! Tausende Kulturstätten, Clubs und Veranstaltungsorte wurden deutschlandweit am Dienstagabend rot illuminiert: ein leuchtender Protest der Branche! Auch die Kastellauner Burg erstrahlte weithin sichtbar in der Warnfarbe.

Marius Coché und Sebastian Treis sind die Initiatoren der „stillen Demo“ in Kastellaun. Die beiden Licht- und Tonexperten haben bis zum Lockdown praktisch jedes Wochenende Junggesellenpartys, Hochzeitsfeiern oder Kappensitzungen mit der notwendigen Technik ausgestattet. Dann kam Corona und für Treis und Coché die Zwangspause.

„Die Veranstaltungsbranche ist in einer prekären Situation, uns geht es wirklich nicht gut. Wir wollen ein Zeichen setzen, wollen zeigen, dass wir noch da sind“, erklärte Sebastian Treis gegenüber Hunsrück News. Seit viereinhalb Jahren sind die beiden mit ihrer SM Sound & Licht Eventtechnik nebenberuflich in der Branche tätig: „Wir sind relativ klein, aber den ‚dicken Fischen‘ sind ja immer noch die Hände gebunden, Großveranstaltungen sind weiter verboten. Wir wollen da ein Zeichen der Solidarität setzen.“

Mit der Idee, die Kastellauner Burg in rotem Licht erstrahlen zu lassen, haben sie bei Bürgermeister Christian Keimer offene Türen eingerannt. Die Stadt hat den Strom zur Verfügung gestellt und dem Projekt auch finanziell unter die Arme gegriffen. Unterstützt wurden sie auch von den Gastronomen der Burg und des neuen Kastellauner Restaurants „Burgwächter“.

Etwa 60 Strahler haben Treis und Coché mit rund einem Dutzend Helfern rund um die Burg verteilt, um alle Facetten der Ruine auszuleuchten. Zusammen mit Partynotruf Kastellaun, Krämer Energie Marsburg und der GVO Security wurde die Aktion realisiert. Neben der Burg wurde auch das Restaurant „Burgwächter“ in rotes Licht getaucht.

Night of Light Kastellaun Burg
Foto: Dirk Eikhorst Pascal Krämer, Sebastian Treis, Marius Coché und David Schwoll (v.l.) haben gemeinsam den leuchtenden Protest an der Burg Kastellaun umgesetzt

Die Aktion „Alarmstufe rot“ fällt zusammen mit dem Auftakt zur Bundeskonferenz der Veranstaltungswirtschaft. Die Branche bemängelt, dass es zwar Hilfsprogramme gebe, diese aber im September zeitgleich mit der Bundestagswahl auslaufen würden.

„Die Lage ist absurd. Die Regierung hat die Veranstaltungswirtschaft zum Wohle der Bevölkerung ins künstliche Koma versetzt. Der Arzt ist überfordert. Unklar ist, wie lange der Patient im Koma bleiben muss. Sicher ist nur: Im September wechselt der behandelnde Chefarzt. Und die künstliche Ernährung wird beendet“, summiert Jan Kalbfleisch von der Bundesvereinigung Veranstaltungswirtschaft die Lage. 

Night of Light Kastellaun Burgwächter
Foto: Dirk Eikhorst Neben der Burg wurde auch das neue Restaurant „Burgwächter“ illuminiert
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