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Inzidenz im Kreis weiter über 100

Kanzlerin Merkel verkündet „Bundes-Notbremse“

Wie breitet sich das Coronavirus im Rhein-Hunsrück-Kreis aus? Wie greifen die Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie? Hunsrück News präsentiert alle Zahlen in interaktiven Karten und Grafiken.

Der Rhein-Hunsrück-Kreis bleibt weiter über einer Inzidenz von 100: Das Landesuntersuchungsamt (LUA) meldete am Dienstag acht neue Fälle und damit eine wiederum gestiegene Inzidenz von 109,5! Der Streit um die Ausgangssperre ist entschieden: Einerseits ist Landrat Bröhr mit seinem Widerspruch gescheitert und andererseits hat Kanzlerin Angela Merkel verkündet, dass künftig eine bundeseinheitliche Notbremse gelten soll – mit Ausgangssperre!

Landrat Marlon Bröhr hatte als Privatperson gegen die von ihm selbst unter Druck des Ministeriums erlassene nächtliche Ausgangsbeschränkung Widerspruch eingelegt. Dieser wurde vom Verwaltungsgericht in Koblenz am Morgen als unbegründet abgewiesen.


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Letztlich ist die Auseinandersetzung um die Ausgangssperre obsolet, denn künftig sollen nach dem Willen der Bundesregierung einheitliche Regelungen für alle Landkreise gelten, die eine 7-Tage-Inzidenz von über 100 aufweisen. „Die Notbremse ist dann nicht mehr Auslegungssache, sondern sie greift automatisch“, erklärte Kanzlerin Angela Merkel.

Hunsrück News dokumentiert die Rede der Kanzlerin im Wortlaut:

Die Bundesregierung hat in ihrer heutigen Kabinettssitzung den Entwurf eines vierten Gesezes zum Schutz der Bevölkerung bei einer epidemischen Lage von nationaler Tragweite beschlossen. Das ist eine Ergänzung des Infektionsschutzgesetzes und diese Ergänzung ist nach meiner Überzeugung ein ebenso wichtiger wie dringender Beschluss, wie es in der Corona-Pandemie weitergehen soll.

Diese Ergänzung heißt auf den wichtigsten Nenner gebracht: Wir setzen die Notbremse bundesweit um, wo die Inzidenz über 100 liegt, sollen künftig bundeseinheitliche Regelungen gelten, die Notbremse ist dann nicht mehr Auslegungssache, sondern sie greift automatisch.

Die Unklarheit, was in dem einen oder anderen Landkreis wann gilt, ist dann vorbei. Dort wo die Zahl der Infektionen stabil unterhalb der Inzident von 100 ist, sind es weiterhin die Länder, die über Einschränkungen und Lockerungen entscheiden.

Die bundeseinheitlich geltende Notbremse ist überfällig, denn die Lage ist ernst. Und wir alle müssen sie ernst nehmen. Die dritte Welle der Pandemie hat unser Land fest im Griff, das sagen die Infektionszahlen des RKI, die Entwicklung des R-Wertes und die Zahl der belegten Intensivbetten.

Ich habe immer gesagt, wenn wir warten würden, bis alle Intensivbetten belegt sind, dann wäre es zu spät. Das dürfen wir nicht zulassen. Und wir dürfen auch die Hilferufe der Intensivmediziner nicht überhören. Wir dürfen die Ärzte und Pfleger, die seit über einem Jahr in Krankenhäusern alles geben, um sich gegen die erste, die zweite und jetzt die dritte Welle zu stemmen, nicht allein mit dieser Herkulesaufgabe lassen. Wir dürfen sie nicht im Stich lassen, wir müssen ihnen helfen.

Denn ohne unsere Unterstützung, die von Staat, Politik, von allen Bürgern können Sie den Kampf gegen das Virus auch mit bester medizinischer Kunst und aufopferungsvollem Einsatz nicht gewinnen. Sie brauchen uns. Damit das besser wird, damit wir die dritte Welle bremsen, damit wir sie brechen, damit wir sie umkehren, reichen die bisherigen Bund-Länder-Beratungen alleine nicht mehr aus, sondern muss unsere Pandemiebekämpfung stringenter, konsequenter werden. Wir müssen die dritte Welle der Pandemie bremsen, den rapiden Anstieg der Infektionen stoppen. Außerdem verstehen die Bürger regionale Unterschiede sehr wohl, aber sie erwarten Nachvollziehbarkeit und Klarheit. Deshalb ist es im Wortsinne notwendig, unsere Zusammenarbeit auf neue Füße zu stellen. Und genau das geschieht mit dem heute eingeleiteten Gesetzgebungsverfahren.

Ich bin mir ganz bewusst, dass es harte Einschränkungen sind, die das neue Infektionsschutzgesetz insbesondere für Kreise oberhalb der Inzidenz 100 vorsieht: Kontaktbeschränkungen, Schließungen von Geschäften, Kultur und Sporteinrichtungen, nächtliche Ausgangssperren.

All diese Maßnahmen im übrigen auch ein heute beschlossenes, verpflichtendes Testangebot der Arbeitgeber dienen einem einzigen Ziel: Dem Ziel, unser Land aus der Phase der stetig steigenden Infektionszahlen, der sich füllenden Intensivstationen und der bestürzend hohen täglichen Zahl der Corona-Toten herauszuführen.

Wir haben es schon einmal geschafft, durch konsequentes Handeln die Zahlen der Ansteckungen auf ein kontrollierbares Maß zu reduzieren. Und das kann und wird uns auch wieder gelingen.

Eines hilft uns dabei natürlich enorm, während wir uns noch einmal auf diese Entbehrungen und Freiheitsbeschränkungen einstellen, läuft die Impfkampagne. Und sie läuft jeden Tag besser. Tag für Tag werden Hunderttausende mit dem besten Schutz gegen die Krankheit versehen.

Und seitdem die Hausärzte einbezogen sind und auch die Betriebsärzte werden noch hinzukommen, gehen wir dem Licht am Ende des Tunnels mit immer größeren Schritten entgegen.“

Angela Merkel am 13. April 2021

Im Rhein-Hunsrück-Kreis sind mit Stand 11. April genau 4,25 Prozent mit beiden Impfdosen behandelt worden – das sind genau 4387 der rund 103 000 Menschen. Etwas weniger als jeder achte Kreisbewohner hat die erste Impfung erhalten.

Seitdem das Landesuntersuchungsamt (LUA) die Corona-Daten veröffentlicht – und nicht mehr das Gesundheitsministerium in Mainz – wird auch die 7-Tage-Inzidenz für Menschen ausgewiesen, die 60 Jahre oder älter sind. Diese lag in der vergangenen Woche immer deutlich unter dem Wert für alle Kreisbewohner.

Der Wert sei insofern wichtig, da das Risiko an einer Corona-Infektion schwer zu erkranken oder sogar zu sterben ab einem Alter von 60 Jahren sprunghaft ansteige, erklärte das Landesuntersuchungsamt. Bei den über 85-Jährigen etwa versterbe jeder vierte Infizierte.

„Bei Abwägung der Chancen und Risiken einer schrittweisen Öffnung der Gesellschaft einerseits und dem individuellen Schutz der Gesundheit andererseits ist es daher von besonderer Bedeutung, die Ausbreitung von Infektionen in der Altersgruppe über 60 Jahren zu kontrollieren“, schreibt das LUA.

Außerdem berichtet das Landesuntersuchungsamt, dass mittlerweile 40 Prozent aller Corona-Fälle auf eine Virus-Mutation zurückzuführen sei. Beruhigend dabei ist aber, dass die südafrikanische Variante dabei quasi nicht vorkommt. Diese soll den vorläufigen Ergebnissen einer israelischen Studie zufolge den Impfschutz von Biontech und Pfizer durchbrechen können, meldet das „Handelsblatt“.

Hunsrück News zeigt die Standorte und Öffnungszeiten auf einer übersichtlichen Karte.


Alle Grafiken und Karten beruhen auf den Zahlen des Robert-Koch-Instituts, des Rhein-Hunsrück-Kreises und eigenen Berechnungen und werden laufend aktualisiert.

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