POLITIK
Unternehmen lehnen SPD-Vorschlag ab

„Jugend-Taxi in der Woche ist nicht wirtschaftlich“

Taxi
Foto: Chalabala

Seit 2008 bietet der Rhein-Hunsrück-Kreis Jugendlichen einen Zuschuss für Fahrten mit dem Taxi – drei Euro pro Person für eine Beförderung an Wochenenden: das Jugend-Taxi. Das Interesse hat seitdem stark nachgelassen, also forderte die SPD im November 2020 von der Kreisverwaltung eine Infokampagne und die Ausweitung auf alle Wochentage. Die Taxiunternehmen machen jetzt im Gespräch mit Landrat Marlon Bröhr deutlich: Letzteres wäre nicht wirtschaftlich.

„Kaum ein Thema ist für junge Menschen so wichtig wie Mobilität. Wie komme ich zum Fußballtraining, zu meinen Freundinnen in der nächsten Stadt oder auch zur Hausparty im Nachbardorf. Gerade für Jugendliche im ländlichen Raum kann dies, ohne Führerschein und Auto, eine große Herausforderung sein“, hatte Fabio Mohr (SPD) bei der Vorstellung des Antrags im vergangenen Jahr gesagt.

So funktioniert das Jugend-Taxi: Fahrgäste zwischen 16 und 21 Jahren können freitags und samstags sowie vor gesetzlichen Feiertagen zwischen 22 und 6 Uhr einen Zuschuss für ihre Heimfahrt – das Ziel muss im Rhein-Hunsrück-Kreis liegen – mit dem Taxi bekommen. Dieser beträgt drei Euro pro Person und wird direkt vom Fahrpreis abgezogen. Dazu muss lediglich ein Taxischein ausgefüllt werden, der auf der Homepage der Stadt zum Download bereitsteht, aber auch in jedem Taxi vorgehalten werden soll.

Das Interesse an dem Angebot hat in den vergangenen Jahren aber stetig abgenommen: Konnten in den Jahren 2010 und 2011 noch rund 10 500 geförderte Fahrten registriert werden, so waren es bereits 2014 nur noch 2496 Jugendliche, die den Zuschuss in Anspruch nahmen. 2018 sank die Zahl auf 1372, im letzten Jahr vor der Pandemie auf rund 1100.

„Da sich an der Mobilitätssituation junger Menschen in diesem Zeitraum jedoch nichts grundlegend verändert hat, kann diese Entwicklung auf eine abnehmende Kenntnis der Betroffenen über ihre Möglichkeiten zurückgeführt werden“, hatte Mohr gefolgert und eine kreisweite Informationskampagne gefordert, die regelmäßig wiederholt werden sollte.

Landrat Marlon Bröhr hatte im Juli einen Termin mit den Taxiunternehmen im Kreis und war auf breite Ablehnung gestoßen: „Keines der Unternehmen hat Interesse daran, das Jugend-Taxi auf die Wochentage auszuweiten. Aus ihrer Sicht sei das nicht wirtschaftlich“, berichtete er in der jüngsten Kreisausschusssitzung.

Außerdem hätten die Taxiunternehmen bemängelt, dass es immer wieder Probleme mit der Abwicklung der vorgelegten Unterlagen gebe. „Sie wollen nicht, dass wir uns wie eine preußische Behörde verhalten“, erklärte Bröhr. Und auch Klaus-Peter Müssig (SPD) bezeichnete das Jugend-Taxi als „Bürokratie-Monster“.

Müssig schlug vor, dass sich die Jugendlichen einfach eine Quittung geben lassen und diese dann bei Verwaltung einreichen sollten. Hans-Josef Bracht (CDU) bezweifelte aber, dass die Jugendlichen in Vorkasse gehen wollten. Eine von Katharina Monteith (SPD) vorgeschlagene Entwicklung einer Jugend-Taxi-App, betrachtete Landrat Bröhr aber nicht als wirtschaftlich. Schließlich beliefen sich die Kosten für das Jugendtaxi derzeit auf nur rund 3000 Euro pro Jahr.

Landrat Bröhr sagte aber auch: „Wir wollen weiterhin, dass die Jugendlichen ihr Auto stehen lassen und gleichzeitig nicht an der Landstraße laufen müssen.“

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