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Appell von Chefärztin und Landrat

„Jeder, der sich impfen lässt, ist ein Teil der Lösung“

Impfappell Intensivstation Covid-Patienten
Foto: Dirk Eikhorst Eine Covid19-Patientin liegt auf der Intensivstation der Hunsrück Klinik in Simmern: „Wir wollen nicht wieder erleben, was während der letzten Wellen passiert ist“, sagt die ärztliche Direktorin. 31 Menschen starben hier an dem Virus

Die Vorzeichen haben sich gedreht: Monatelang herrschte beim Impfen gegen das Corona-Virus Mangelwirtschaft – es war einfach nicht genügend Impfstoff verfügbar. Jetzt sind die Wartelisten abgearbeitet und es könnten viel mehr Menschen geimpft werden, als sich für einen Termin registrieren. Zeit für einen eindringlichen Impf-Appell von Landrat Dr. Marlon Bröhr und Dr. Elena Ribel, der Ärztlichen Direktorin der Hunsrück Klinik.

Die Impfstatistik: Im Rhein-Hunsrück-Kreis sind mindesten 36 143 Menschen (Stand 5.7.) doppelt geimpft worden – im Impfzentrum in Simmern, von mobilen Impfteams oder in den Arztpraxen. Umgerechnet auf die Bevölkerung des Kreises macht das eine Impfquote von 35,0 Prozent, wobei für Kinder unter zwölf Jahren noch kein zugelassener Impfstoff zur Verfügung steht.

Das RKI hat kürzlich eine Modellrechnung veröffentlicht, wonach bei zunehmender Dominanz der Delta-Variante mindestens 85 Prozent der Zwölf- bis 59-Jährigen und 90 Prozent der Menschen, die 60 Jahre und älter sind, geimpft sein sollten, um auch im Herbst und Winter das Pandemiegeschehen unter Kontrolle zu haben. Dafür sei auch entscheidend, dass die „noch ungeimpfte Bevölkerung motiviert wird, das Impfangebot noch im Sommer wahrzunehmen“.

Vor diesem Hintergrund richtet Landrat Marlon Bröhr einen dringenden Appell an alle Menschen im Rhein-Hunsrück-Kreis: „Helfen Sie alle mit, dass wir eine hohe Impfquote bekommen. Lassen Sie sich impfen. Es ist eine Entscheidung der Vernunft und der Solidarität, weil es einen selbst schützt und weil es die anderen schützt.“

Denn das Ziel sei doch bei jedermann gleich: „Wir möchten das Leben, das uns das Corona-Virus genommen hat, wieder zurück, es gibt viele Menschen, die Angehörige verloren haben und Freunde, wir hatten im kulturellen Bereich – auch wenn es langsam wieder aufflackert – einen Totalausfall, Gastronomie und Schulbetrieb laufen noch nicht normal.“

Bröhr: „Das wichtigste Mittel, das uns im Kampf gegen Corona zur Verfügung steht, ist das Impfen. Es gibt viele Behelfsmöglichkeiten wie Masken, aber jetzt haben wir ein wirksames Mittel, um dagegen anzukommen.“

Und Dr. Elena Ribel macht klar: „Es ist noch kein Medikament gegen diese Erkrankung gefunden worden. Wir können die Symptome lindern, etwa durch Beatmung, aber das einzige, das derzeit gegen Covid19 hilft, ist die Impfung.“

Und Ribel verweist auch auf die Langzeitschäden, die durch die Infektion entstehen können: „Die Struktur der Lunge verändert sich, der Herzmuskel verändert sich, die Niere, die Leber werden geschädigt, Patienten klagen über Müdigkeit, Schlafstörungen und Angstzustände.“

Bröhr sieht drei Gruppen von Menschen, die sich bislang noch nicht haben impfen lassen. „Es gibt diejenigen, die haben Angst vor der Impfung. Denen können wir sagen, dass sich Millionen Menschen haben impfen lassen, hier im Kreis gab es keinen einzigen schweren Impfkollateralschaden.“

Und dann gebe es die Menschen, die sich kerngesund fühlen und meinen, sie bräuchten die Impfung nicht. „Aber diese Personen bitte ich, lassen Sie sich trotzdem impfen, um Ihrer Mitmenschen willen, die sich möglicherweise bei Ihnen anstecken könnten.“

Die Ärztliche Direktorin erklärt: „Es gibt Fälle, die nach der zweiten Impfung erkranken, die einen positiven PCR-Test haben, aber das sind alles Fälle, die asymptomatisch verlaufen, mit einer geringen Viruslast. Das heißt, die Patienten haben keinen Husten, produzieren keine Aerosole, stecken so die Menschen in ihrem Umfeld nicht an.“

Impfappell Intensivstation Covid-Patienten
Foto: Dirk Eikhorst Dr. Elena Ribel erklärt Landrat Bröhr und Impfzentrumskoordinator Christian Poh (v.r.) die Überwachung der Intensivpatienten

Und Bröhr ergänzt: „Das ist sogar ein Sonderfall, denn durch die Impfung kommt es ja oft gar nicht zu Infektion. Es gibt Menschen, die haben als Superspreader 80 andere angesteckt, wären sie geimpft gewesen, hätten sie die nicht infizieren können.“

Und dann gebe es noch die dritte Gruppe von Menschen, die sagen würden, dass die Impfung nicht wirke, diese nur Implantat von Bill Gates sei, „es gibt da ja die abstrusesten Ideen. Ob wir die erreichen, weiß ich nicht“, sagt Bröhr.

Aber der Landrat hat die Hoffnung, dass es gelingen kann, fast jeden zu überzeugen: „Wenn man sie nicht mit dem eigenen Gesundheitsschutz bekommt, dann hoffentlich mit dem Gemeinschaftssinn.“

Denn: Sollte es wieder zu lokalen Ausbrüchen kommen, dann werde es wieder Politiker geben, die nach der Schließung von Teilbereichen unserer Gesellschaft rufen. „Im vergangenen Jahr konnten wir nichts tun, um das zu verhindern. In diesem Jahr können wir alle etwas tun, wir können uns impfen lassen.“

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