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Corona-Situation in Kliniken im Kreis

Intensivpatienten immer jünger und schwerer erkrankt

Intensivstation
Foto: Santiago Nunez Den Intensivstationen fehlt es nicht an Betten, das Personal zur Betreuung der Patienten ist knapp (Symbolbild)

Die dritte Welle der Pandemie türmt sich immer weiter auf: Die 7-Tage-Inzidenz liegt im Rhein-Hunsrück-Kreis bei 130,9 – ein Wert, der seit dem 31. Januar nicht erreicht wurde. 304 Menschen sind aktuell mit dem Corona-Virus infiziert. Der gravierende Unterschied zur zweiten Welle: Die ältere Generation ist zunehmend geimpft, Covid19-Patienten sind jetzt die Jüngeren.

16 Intensivbetten gibt es im Rhein-Hunsrück-Kreis – davon sind aktuell knapp 60 Prozent belegt, drei durch Corona-Patienten. Intensivmediziner schlagen bundesweit Alarm, warnen vor Überlastung durch steigende Infiziertenzahlen. Auch die beiden Kliniken im Rhein-Hunsrück-Kreis sehen diese Gefahr.

„Wir beobachten bereits seit Wochen einen Anstieg der Corona-Patienten, die im Krankenhaus stationär aufgenommen werden müssen. Darunter sind auch tendenziell jüngere Menschen. Im Gegensatz zur zweiten Welle weisen diese zunehmend auch schwere Verläufe auf und benötigen beispielsweise die Gabe von Sauerstoff“, erklärt Dr. Elena Ribel, Ärztliche Direktorin an der Hunsrück Klinik und Chefärztin für Anästhesie und Intensivmedizin.


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Und Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler berichtet von spürbaren Herausforderungen in ganz Rheinland-Pfalz: „Die Zahl der COVID-Patienten in den Kliniken steigt, die Liegedauer auf Intensivstationen verlängert sich, immer mehr junge Menschen haben schwere Verläufe. Umso wichtiger ist es aber, dass wir aktuell noch rund 22 Prozent unser Intensivbetten freihaben.“

Ein Wert, so berichtet die Ministerin, der laut DIVI-Register so hoch liege wie in keinem anderen Bundesland. Aber die Karte der umliegenden Kreise zeigt auch, dass der Rhein-Hunsrück-Kreis mit 43,75 Prozent freien Intensivbetten am oberen Ende der Skala liegt. Besonders angespannt ist die Situation im Rhein-Lahn-Kreis, wo nur noch vier von 31 Betten frei sind.

Dr. Elena Ribel Hunsrück Klinik
Foto: Kreuznacher Diakonie Dr. Elena Ribel leitet die Intensivstation der Hunsrück Klinik in Simmern

Dr. Elena Ribel erklärte, dass sie als Intensivmedizinerin die Sorge teile, dass es täglich mehr schwerstkranke Patienten mit COVID geben werde, so wie dies die Präsidenten der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) formuliert hätten.

Ribel: „Auch wenn die Lage auf der Intensivstation in der Hunsrück Klinik aktuell noch entspannt ist, sehen wir leider keine Besserung und es gibt keinen Grund zur Entwarnung.“

Die Hunsrück Klinik in Simmern hält acht Intensivbetten vor, kann bei Bedarf aber auf 16 Betten aufstocken. Bereits im vergangenen Jahr seien Vorbereitungen getroffen worden, die einen flexiblen Ausbau der Kapazitäten erlauben würden. Der limitierende Faktor bei Intensivbetten ist nicht das Equipment, es sind die Ärzte und Pflegekräfte, die die Intensivpatienten betreuen sollen.

Für das Heilig-Geist-Hospital in Boppard erklärte Kerstin Macher, die Pressesprecherin des Gemeinschaftsklinikums Mittelrhein, dass die Intensivstation mit Corona-Patienten und weiteren intensivpflichtigen Patienten ausgelastet sei, die Kapazitäten aber noch nicht erschöpft seien. Durch ein standortübergreifendes Konzept sei es möglich, auch kurzfristig die Zahl der Betten auch in Boppard zu erhöhen.

Bezeichnend für die Situation sind auch die nach Altersgruppen aufgeschlüsselten Infiziertenzahlen. Spielte sich das Pandemiegeschehen in den vergangenen Monaten vor allem bei der Generation 80+ ab, so verschiebt sich dieses jetzt weit nach unten, rund ein Viertel der seit Pandemiebeginn Erkrankten im Rhein-Hunsrück-Kreis ist zwischen 15 und 34 Jahre alt. Vier Menschen zwischen 35 und 59 Jahren sind an dem Virus gestorben.

„Trotzdem müssen die notwendigen Lockdown-Maßnahmen eingehalten werden – zum einen, weil die Zahl an Geimpften in der Bevölkerung noch zu niedrig ist, um einen effektiven Schutz zu bieten, zum anderen, um unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu entlasten, die seit einem Jahr ohne Pause diese Krise managen.“

Prof. Dr. Norbert Pfeiffer, der medizinische Vorstand und Vorstandsvorsitzender der Universitätsmedizin Mainz, brachte es in einer Pressekonferenz mit der Gesundheitsministerin auf den Punkt: „Krankenhäuser können in dieser Pandemie eine ganz wichtige Rolle einnehmen, aber sie besiegen die Pandemie nicht. So wenig wie Krankenhäuser Verkehrsunfälle verhindern. Wir sind nur dann da, wenn es passiert ist, wenn es gekracht hat. Damit wir das dann aber tun können, ist es wichtig, dass sich alle wie im Straßenverkehr an die Regeln halten. Wenn man bei Rot über die Ampel fährt, dann passiert es eben. Krankenhäuser können nur ein bestimmtes Maß auffangen.“

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