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Prozess: Messerstecherei nach Puffbesuch

„Ich bin schuld, schießt mir in den Kopf“

Landgericht Bad Kreuznach versuchter Totschlag Kastellaun
Foto: Dirk Eikhorst Das Landgericht Bad Kreuznach verhandelte einen versuchten Totschlag in Kastellaun

Vor dem Landgericht Bad Kreuznach muss sich ein 48 Jahre alter Kastellauner wegen versuchten Totschlags verantworten. Nach einem gemeinsamen Puffbesuch war er zum Streit mit einem Arbeitskollegen gekommen – viermal stach der Angeklagte zu. Im Prozess berichteten Polizeibeamte wie es zu der Festnahme kam.

Der Prozess zeichnete sich bislang vor allem dadurch aus, dass der Angeklagte und mehrere Zeugen eine Version der Ereignisse zu Protokoll gaben, aber gerade das Opfer von einem völlig anderen Hergang der Ereignisse berichtete – was die Richterin am ersten Prozesstag ziemlich in Rage versetzte.

Sicher ist: Es ging bei dem Streit um 60 Euro, die sich der Angeklagte für Liebesdienste in dem Kastellauner Bordell geliehen hatte. Sie hatten vorher reichlich Wodka getrunken und deswegen kamen sie nicht zum Zuge, so formulierte es die Richterin. Der Angeklagte wollte deshalb das Geld schon in dem Etablissement zurückgegeben haben, sein Arbeitskollege aber war anderer Meinung – und forderte den Betrag mit rüden Mittel zurück.


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Sicher ist auch, dass aus der zunächst verbalen Auseinandersetzung in der Nähe des Einkaufsmarktes Convenda in Kastellaun ein handfester Streit wurde. Fäuste flogen, es wurde auf dem Boden gerungen. Der Angeklagte stach zu. Ob erst auf dem Boden oder doch schon als sich die beiden Kontrahenten Auge in Auge gegenüberstanden, ist ein Umstand, den das Gericht zu klären versucht.

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Auf jeden Fall suchte das blutende Opfer Hilfe bei Anwohnern, die schließlich Polizei und Rettungswagen alarmierten. Die Beamten bemerkten dann kurz nach ihrem Eintreffen am Tatort einen Mann, der direkt auf sie zukam. Der jetzt Angeklagte.

„Wir haben ihn angesprochen und aufgefordert seine Hände zu zeigen“, erklärte eine Polizeibeamtin vor Gericht, schließlich habe man die Stichwunden beim Opfer gesehen und gehört, dass sich der Angreifer noch in der Nähe befinden solle.

Der Angeklagte habe dann sofort gesagt: „Ich bin schuld.“ Er wurde aufgefordert, sich auf den Boden zu legen, dann wurden seine Arme mit Handschellen auf dem Rücken fixiert. Dann habe er sein Schuldeingeständnis wiederholt und gefordert: „Schießt mir in den Kopf.“

Weitere Angaben habe er nicht gemacht, auch später als er auf der Wache gewesen sei. Insgesamt berichteten mehrere Beamte, dass der Wille zur Aufklärung des Sachverhalts bei keinem der Beteiligten besonders ausgeprägt gewesen sei.

Ein Polizist sagte, es sei gewesen, „als ob man einen Pudding an die Wand nageln wolle“. Ein anderer, dass die vermeintliche Wahrheit in einer „Salami-Taktik“ preisgegeben worden sei. Und ein dritter: „Man musste dem Opfer alle Würmer aus der Nase ziehen.“

Am nächsten Verhandlungstag soll der Angeklagte noch einmal ins Kreuzverhör genommen werden. Vielleicht klärt sich ja dann auch, wo die Tatwaffe, ein Taschenmesser, abgeblieben ist.

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