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„Hier muss endlich was passieren“

Großer Frust über provisorische Kita in Kirchberger Stadthalle

Kita Kirchberg in der Stadthalle
Foto: Dirk Eikhorst Einladend wirkt der Zugang zur provisorischen Kita in der Kirchberger Stadthalle nicht

Rund um die katholische Kita „St. Michael“ in Kirchberg hat sich ein gordischer Knoten aus widerstreitenden Gutachten, Sanierungsstau und gegenseitigen Schuldzuweisungen gebildet – aus Sicht der Eltern und Erzieher fehlt es an jemandem, „der einfach mal die Verantwortung übernimmt“. Gegenüber Hunsrück News berichten sie aus dem Innenleben der Kita.

Nachdem im Mai 2018 ein erheblicher Sanierungsbedarf am alten Kita-Gebäude „Auf der Schied“ festgestellt wurde, musste die Einrichtung ausgelagert werden. Schon einmal hatte das für kurze Zeit in der Stadthalle geklappt – auch damals gab es einen überschaubaren Zeithorizont von einigen Monaten, in denen die Kinder in dem Provisorium betreut werden sollten.

Dann kamen unvorhersehbare Ereignisse, die den gesamten Ablauf verzögerten: Die Stadt Kirchberg nennt hier die Erkrankung eines Bauverantwortlichen beim Bistum Trier, die Einschaltung eines neuen Statikers und brandschutztechnische Anforderungen. Seitdem wird darum gerungen, ob ein Neubau sinnvoller ist als eine Sanierung und wie das jeweils finanziert werden soll.

In der Zwischenzeit wächst der Frust bei Eltern und Erziehern der Kita, die jetzt seit mittlerweile zwei Jahren in der Stadthalle untergebracht ist. In der diesjährigen Hexennacht wurden zahlreiche Protestbanner am Bauzaun angebracht, der den Außenbereich abgrenzt. „Zwei Jahre sind genug“, „Vergesst uns nicht“, „Was ist mit unseren Kinderrechten“ und „Wo sollen wir hin“ steht dort geschrieben.

Kita Kirchberg in der Stadthalle
Foto: Dirk Eikhorst Die Maihexen haben ihren Frust über die seit zwei Jahren ungelöste Situation zum Ausdruck gebracht

65 Kinder in drei Gruppen werden in der Kita betreut, aber erst seit Februar steht ein Container vor der Stadthalle, sodass auch alle drei Gruppen einen eigenen Raum haben. Die Einrichtung: „Nicht kindgerecht“! Einerseits sei es wegen des Fliesenbodens immer sehr laut und wegen der beengten Platzverhältnisse würden Rückzugsmöglichkeiten für die Kinder fehlen. Die Toiletten seien erst vor Kurzem mit einem Podest versehen worden, sodass nicht jedes Kind mehr draufgehoben werden musste.

Und dann ist da das Problem mit der Sicherheit: Der Bauzaun um das Außengelände ist wackelig, an einigen Stellen können auch kleinere Kinder durchschlüpfen. „Gefahrenstellen gibt es genug, etwa der Steintisch draußen oder die Treppen – die Kleinsten können wir nicht unbeaufsichtigt lassen“, erklärte eine Mitarbeiterin.

Das Kita-Personal und die Eltern sind frustriert: Bis vor einem halben Jahr hätten nicht einmal Bilder an die Wände gehängt werden dürfen, um die Räume schöner zu gestalten. Die Spielgeräte im Garten wurden auch dann erst aufgestellt – in Eigenregie der Eltern. Bis dahin konnten die Kinder „Blumen pflücken“.

Eine Mutter berichtet: „Die Kita hatte früher einen sehr guten Ruf, aber ich habe mich wegen der des Provisoriums in der Stadthalle nach anderen Plätzen umgesehen. Ohne Erfolg. Als ich dann mit meinem Kind hierherkam, habe ich schon einen Schreck bekommen.“

Kita Kirchberg in der Stadthalle
Foto: Dirk Eikhorst Die beengten Verhältnisse zeigen sich auch in der Garderobe

Sie sagt: „Ich habe schon ein gutes Gefühl, mein Kind hier abzugeben, weil die Erzieher einen guten Job machen. Aber, dass Projekte wie Theater oder Musizieren wegen der Raumsituation nicht stattfinden können, ist wirklich schade. Es geht ja nicht nur um Betreuung, sondern auch um die kindliche Entwicklung.“

Und dann fällt dieser eine Satz, der die ganze Resignation und Unzufriedenheit widerspiegelt: „Man hat schon das Gefühl, dass eine Art System dahintersteckt, dass gewartet wird, bis andere Kitas mehr Plätze haben, dann hätte sich das Problem hier ja erledigt.“ Es fehle ein Ansprechpartner, einer der mal sage, so wie es jetzt ist, so geht es nicht weiter. Jemand der sagt: „Hier muss endlich was passieren.“

Kita Kirchberg in der Stadthalle
Foto: Dirk Eikhorst Für die Kinder gibt es keine Rückzugsmöglichkeiten
Kita Kirchberg in der Stadthalle
Foto: Dirk Eikhorst Vor allem der Brandschutz in dem ehemaligen Kita-Gebäude ist nicht ausreichend
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