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Nach Rückkauf durch Stadt Boppard

Geraubte Tränenmadonna wird im Museum ausgestellt

Kreuzaltargruppe Karmeliterkirche
Foto: Museum Boppard Die sechs Originale der Kreuzaltargruppe mit der Tränenmadonna (l.) werden jetzt im Museum in Boppard zu sehen sein, in der Karmeliterkirche stehen Repliken

Fast 45 Jahre war die Tränenmadonna der St.-Severus-Gemeinde verschwunden – 1970 geraubt aus der Karmeliterkirche in Boppard. Jetzt wird sie mit zwei weiteren gestohlenen Plastiken im Museum in der Kurfürstlichen Burg als Altargruppe zu sehen sein.

Als am 25. Mai 1970 die spätgotischen Plastiken aus der Karmeliterkirche geraubt wurden, war der Schock groß in Boppard. Die trauernde Maria, die Hl. Maria Magdalena und Johannes aus der Kreuzigungsgruppe waren verschwunden. Ein Kriminalfall, der 45 Jahre auf seine Lösung wartete.


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Die Figur der Maria Magdalena tauchte kurze Zeit später wieder auf, weil sie vergraben war, wies sie aber starke Beschädigungen auf. Die Johannes-Plastik konnte der Gemeindevorstand in Brüssel von einem Kunstsammler zurückkaufen, für 27 000 Mark.

Erst 2015 kam die Geschichte um den Raub der Madonna zu einem glücklichen Ende: Eine Belgierin hatte versucht, die um 1510 entstandene Figur über ein Wiener Auktionshaus zu veräußern, aber diese tauchte auf einer Liste gestohlener Kunst auf. Die Madonna wurde beschlagnahmt.

Da ein Rechtsstreit wenig Aussicht auf Erfolg versprach, einigte man sich außergerichtlich. 28 000 Euro aus Spendengeldern wurden gezahlt, die Tränenmadonna konnte nach 45 Jahren heimkehren.

So dann stand die Gemeinde vor der Frage, was mit den wieder zusammengeführten Figuren der Kreuzigungsgruppe geschehen sollte, schließlich wurden in der Karmeliterkirche schon seit Jahrzehnten Repliken ausgestellt.

Die Karmeliterkirche in Boppard wurden 1970 Schauplatz eines spektakulären Kunstraubs
Foto: Holger Weinandt Die Karmeliterkirche in Boppard wurden 1970 Schauplatz eines spektakulären Kunstraubs

„Auf der Suche nach einem sicheren Ort zur Unterbringung und gleichzeitigen öffentlichen Präsentation der Originale einigten sich die Katholische Kirchengemeinde St. Severus und das Museum Boppard darauf, einen Raum in der Kurfürstlichen Burg zu schaffen“, erklärte Frank Schröder, der Leiter des Museums gegenüber Hunsrück News.

Diese Entscheidung habe dann auch den Grad der Restaurierung beeinflusst: „Es wurde eine museale Restaurierung durchgeführt, die Sicherung dessen, was noch da ist. Also keine Überarbeitung mit beispielsweise Blattgold und Farben, um sie wieder in einer Kirche zu zeigen“, erklärte Schröder.

„Der Stellenwert, den die sechs Figuren der Kreuzigungsgruppe für das Museum haben, lässt sich auch daran ablesen, dass wir für die Leihgabe einen dauerhaften Ausstellungsraum geschaffen haben“, erklärte Schröder, seit 2019 sei die Inszenierung der Figuren detailliert geplant worden.

In dem Raum für sakrale Geschichte will das Museum abwechselnd weitere Kirchenkunst präsentieren: Zum Start werden die fünf Bücher der ersten handschriftlichen Übersetzung der Originalchronik des Klosters Marienberg ins Deutsche gezeigt.

„Wir hoffen, dass wir im März öffnen können“, sagt Schröder. Dann könnte zumindest noch einige Wochen die Ausstellung „Zwischenwelten“ mit Werken von 27 Künstlerinnen gezeigt werden, die eigentlich schon am 10. Januar starten sollte.

Auf der Internetseite des Museums lässt sich schon jetzt die Kreuzigungsgruppe bei einem 3D-Rundgang durch das Gebäude bestaunen.

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