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Von der Muttersau verlassern

Fünf Frischlinge müssen mit Flasche aufgezogen werden

Frischlinge werden mit der Flasche großgezogen
Foto: Wildtierhilfe e.V Die Frischlinge haben bei der Wildtierhilfe ein neues Heim gefunden – in den Wald werden sie aber nie zurück dürfen

Anfang März beginnt die Setzzeit, dann bringen die Wildtiere ihren Nachwuchs zur Welt und brauchen besonders viel Ruhe. Fehlt es ihnen daran, kann es im schlimmsten Fall dazu führen, dass die Jungtiere plötzlich und viel zu früh alleine gelassen werden.

Fünf Frischlinge aus Boppard müssen mit der Flasche aufgezogen werden, weil sie von der Muttersau verlassen wurden. Sie werden nie wieder in den Wald zurückkönnen. Die kleinen Schweinchen werden jetzt von Marko Weber von Wildtierhilfe an der Loreley-Hunsrück e.V. aufgezogen.


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In einem Garten in Boppard hatte eine trächtige Wildsau ihren Wurfkessel eingerichtet – angelockt wurde sie vermutlich durch Küchenabfälle, die laut Marko Weber, im Garten verteilt worden seien.

Als die Frischlinge dann da waren, muss sich die Sau gestört gefühlt haben, denn sie verließ wenige Tage nach der Geburt ihren Wurfkessel. Aber sie nahm nicht alle Frischlinge mit – fünf kleine Schweinchen blieben zurück. Der Hausbewohner informierte die Wildtierhilfe und den Jagdpächter, denn es war klar, dass die Tiere ohne Mutter nicht lange überleben würden.

„Wir konnten die fünf Frischlinge nur aufnehmen, weil wir im Voraus schon einen Platz für sie hatten, wo sie nach der Aufzucht hinkönnen“, erklärte Tierschützer Marko Weber gegenüber Hunsrück News.

Denn die Aufzucht von Frischlingen stellt momentan eine besondere Herausforderung dar: Weil die afrikanische Schweinepest immer mehr auf dem Vormarsch ist, gelten für Wildschweine besondere Regeln. Zum einen dürfen die Frischlinge nach der Aufzucht nicht wieder ausgewildert werden und zum anderen können öffentliche Einrichtungen wie beispielsweise Tierparks die Wildschweine nicht aufnehmen.

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Das bedeutet, dass die Frischlinge nach der Aufzucht nur in private Hände gegeben werden können. Diese privaten Plätze sind natürlich sehr knapp.

Aber nicht nur, wenn die Wildtiere ihren Nachwuchs in Menschennähe bekommen, entstehen Probleme. Auch die vielen Wanderer, die besonders jetzt in der Corona-Zeit im Wald unterwegs sind, können problematisch für den Wildtier-Nachwuchs sein.

Zum einen, wenn die Wege verlassen oder Hunde nicht angeleint werden. Zum anderen, wenn Rehkitze oder Feldhasenbabys einsam aufgefunden und mitgenommen werden. Dabei sei es bei diesen Jungtieren völlig normal und auch richtig, dass sie alleine in der Wiese liegen würden, erklärt Weber. „Die Mütter kommen in regelmäßigen Abständen, um den Nachwuchs zu säugen. Aber natürlich nur, wenn keine Menschen in der Nähe sind.“

Weber sieht ein weiteres Problem: Wanderwege, die durch Bereiche führen, die dem Wild eigentlich als Rückzugsmöglichkeit dienen. Die Muttertiere fühlten sich schnell gestört und würden dann die Jungtiere verlassen.

Marko Weber und seine Frau Alexandra sind mit ihrem Verein Wildtierhilfe an der Loreley-Hunsrück e.V. in ständigem Einsatz für die heimische Tierwelt: rund um die Uhr klingelnde Telefone, Jungtiere, die alle zwei Stunden gefüttert werden wollen und nahezu täglich neue Fundtiere, die eingesammelt werden müssen. Dazu der Druck, dass das alles über Spenden finanziert werden muss.

Webers Arbeit liegt im Spannungsfeld vieler Interessensgemeinschaften, aber er versucht immer neutral zu bleiben. Er sagt: „Die Wildtiere gehen uns alle an!“

Frischlinge werden mit der Flasche großgezogen
Foto: Wildtierhilfe e.V. Die Frischlinge dürfen wegen der Afrikanischen Schweinepest nicht wieder ausgewildert werden
  • Korrektur: In einer älteren Version dieses Artikels konnte der Eindruck entstehen, dass die Wildtiere aktiv gefüttert wurden und dadurch auch die trächtige Wildsau angelockt wurde. Dies ist nicht richtig.

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