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Klimawandel und Wildschäden

Förster schlägt Alarm: „Der Wald stirbt von unten“

Forstplan Emmelshausen
Foto: Dirk Eikhorst Emmelshausen lag bei der Fichte weit über Plan, einiges wurde für Neubauflächen gerodet, aber vieles

Auf der Tagesordnung des Stadtrates Emmelshausen stand eigentlich die Beratung des Forstwirtschaftsplanes 2021. Es wurde ein Ausblick in eine düstere Zukunft für den Gemeindewald – stellvertretend für fast alle Wälder im Hunsrück.

„2020 war ein Krisenjahr und wir sind noch mittendrin“, sagte Förster Philipp Weckbecker, der von Bürgermeisterin Andrea Mallmann zur Vorstellung des Forstwirtschaftsplanes in den Stadtrat geladen wurde, „das ist durch den Klimawandel bedingt und wird uns noch die nächsten 50 Jahre begleiten.“

„Wir haben eine extreme Trockenheit, so gut wie keine Baumart ist zu 100 Prozent gesund“, sagte Weckbecker und prophezeite: „Die Altfichten werden aus dem Hunsrück komplett verschwinden.“


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Im vergangenen Jahr konnte Emmelshausen mit dem Stadtwald einen leichten Überschuss erwirtschaften, aber nur, weil eine enorme Menge Schadholz gab. „Allein bei der Fichte lagen wir 337 Prozent über Plan“, erklärte Weckbecker.

Zudem wurde eine Förderung vom Land bewilligt: Für die 279 Hektar gab es 27900 Euro Zuschuss, hinzu kamen noch einmal 35 Euro pro Hektar vom Kreis.

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Aber Philipp Weckbecker stellte klar: Die Zeiten, in denen es ums Geldverdienen ging, seien vorbei. „Jetzt geht es um den Walderhalt und die Frage der Finanzierbarkeit. Wir müssen uns fragen, wie wir es hinbekommen, dass wir überhaupt noch Wald haben.“

Bei der Aufforstung müsse darauf geachtet werden, dass durch verschiedene Baumarten eine „Risikospreizung“ erreicht werde. „Die Fichte war immer ein Hochrisikospiel, die Quittung bekommen wir jetzt.“

Bei der Wiederbelebung des Waldes gebe es aber viele Probleme: Einerseits gebe es nur wenige passende Jungpflanzen auf dem Markt, erklärte der Förster. Zudem sei der Borkenkäfer in so hoher Zahl im Boden oder in Überwinterungsbäumen vorhanden, dass der restliche Bestand spätestens im nächsten Jahr befallen sei, prognostizierte der Förster.

Drittes und größtes Problem sind die Wildschäden: „Das Schalenwild ist nicht ausreichend bejagt und da die Tiere Feinschmecker sind, werden vor allem die jungen Setzlinge geschädigt.“ Weckbecker sagte, der der Wald sterbe so von unten.

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