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Karbach-Trainer Torsten Schmidt

»Wurden vor Regionalliga-Aufstieg gewarnt

FC Karbach: Trainer Torsten Schmidt
Dirk Eikhorst | Hunsrück News Gibt in der 16. Saison die Richtung für die Oberliga-Mannschaft des FC Karbach vor: Trainer Torsten Schmidt (50)

Im Interview mit Hunsrück News spricht der Blau-Weiß-Trainer über Corona, die aktuellen Transfers, Enrico Köppen, Heimschwäche und seine Ziele für diese Saison.

Hunsrück News: Herr Schmidt, Corona hat das komplette Leben lahmgelegt. Auch der Ball ruht. Wie ist die Situation mit dem Virus beim FC Karbach?

Torsten Schmidt: „Mit dem Virus kann man so nicht sagen, wir haben zum Glück keinen Fall. Wir müssen mit der Situation umgehen, wir halten uns an das, was vorgegeben ist, sprich im Moment kein Trainingsbetrieb. Die Spieler halten sich also individuell fit. Wir hoffen, dass es nicht allzu lange dauert, um wieder starten zu können.“


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Wie haben die Spieler das Trainingsverbot aufgenommen?

Schmidt: „Es gab keine Diskussion darüber, ob das jetzt sein muss oder nicht. Jeder hat zuallererst mal die wirtschaftliche Situation für sich selbst im Blick, das Berufsleben, aber natürlich auch die Familie. Sicherlich wird man von heute auf morgen von einem großen Teil seines Lebens abgeschnitten, was der Fußball ausmacht, das macht schon etwas mit den Jungs. Wir werden hinterher sehen, inwieweit sie ja vielleicht sogar motivierter wieder rauskommen.“

Gab es vom Trainer Trainingspläne, die abzuarbeiten sind?

Schmidt: „Die Spieler bekommen eine Aufwandsentschädigung und da die im Moment nicht gezahlt wird, kann es dann nur Empfehlungen geben. Verbindlichkeit lässt sich nur herstellen mit einer Leistung und einer Gegenleistung.“

Wie halten Sie sich selbst fit?

Schmidt: „Mein Leben ist so ausgefüllt, dass ich für mich selbst sagen kann, es ist kein Problem, immer unter Dampf zu sein. Mehr Stunden beruflich zu machen, ist bei mir überhaupt kein Problem. Fitness ist ja nicht nur die körperliche Sache, sondern vor allem für mich als schon etwas Älterem in dem Trainergeschäft, eine geistige Sache. Natürlich ist so eine Pause auch toll, weil sich die Möglichkeit ergibt, wirklich Luft zu holen und zu sagen, es geht mit neuem Schwung und Elan wieder los.“

Der Kader war zuletzt stark dezimiert, im Pokal mussten Spieler aus der zweiten Mannschaft ran. Hat sich die Situation entspannt, hilft hier der Lockdown?

Schmidt: „Der hilft ganz sicher, weil wir, wenn es wieder losgeht, eine größere Anzahl an Spielern zur Verfügung zu haben. Das war die letzten zwei bis drei Wochen schon so. Vielleicht hat auch dann die Aussicht auf das Derby die ein oder andere Verletzung etwas schneller heilen lassen. Wir hatten jetzt fast regelmäßig über 20 Spieler im Training und das hebt dann sofort die Qualität.“

Mit Jannik Mohr und Sascha Kraft haben Sie kurzfristig auf dem Transfermarkt reagiert. Muss Karbach weitere Zugänge ins Auge fassen?

Schmidt: „Ja, müssen wir. Bei Jannik hoffe ich, dass er noch ein Stück bleibt. Aber wenn die Chance, in den USA weiter zu studieren, da ist, dann wird er im Januar oder Februar nicht mehr bei uns sein. Sascha wollte bis zum Winter bleiben, aber hat schon signalisiert, auch aufgrund dessen, dass er selber noch gar nicht richtig ran konnte, dass er diese Saison fertigspielen möchte. Wenn wir sehen, wie der Kader insgesamt aufgestellt ist, werden wir versuchen, da auch tätig zu werden.“

Gibt es eine Position, die Ihnen da vorschwebt?

„Die Spieler, mit denen wir da in Kontakt sind, die würden uns sicherlich noch mal im Defensiv- und Mittelfeldbereich verstärken.“

Auch in diesem Jahr sind mit Wingenter, Jannke und Schink junge Talente vom JFV zur Mannschaft gekommen. Reicht das Niveau, um in der Oberliga eine Verstärkung zu sein?

Schmidt: „Eine Verstärkung, dieser Begriff ist natürlich schwierig. Das sind hochtalentierte Spieler und die haben ja auch schon viel Spielzeit gekriegt. Das ist prägend in meiner Trainerzeit, das junge Leute immer wieder Möglichkeiten kriegen, sich zu entwickeln. Lassen wir mal das Wort Verstärkung raus, das sehe ich nicht als ersten Ansatz. Das Potential ist das, was langfristig zu sehen ist. Dass sie dann irgendwann mal starke Oberliga Spieler werden.“

Jannik Mohr
Dirk Eikhorst | Hunsrück News Jannik Mohr (r.) ist für Trainer Schmidt ein Glücksgriff

Jannik Mohr war über drei Jahre zum Studium in den USA, jetzt ist er zurück in der Oberliga. Wie schätzen Sie seinen Trainingsstand ein?

Schmidt: „Das war relativ problemlos, der kam im Prinzip in einem körperlich sehr guten Zustand und hat sich auch schnell eingefunden. Also war es ein Glücksgriff.“

Die gelb-rote Karte im letzten Spiel gegen Eintracht Trier: War Mohr da zu übermotiviert?

Schmidt: „Er hat zwei Fouls gemacht, die zu zwei gelben Karten geführt haben. Das war nicht okay, aber wir wissen schon, dass man gegen die Topmannschaft der Liga auch mal die eine Sekunde zu spät kommt. Es waren ja keine großen Fouls. Es kann vorkommen, das ist das Leid des Abwehrspielers.“

Enrico Köppen ist zum FC Engers abgewandert. Mit 115 Buden in 190 Spielen war er für Karbach ein Torgarant. Nach den ersten Spielen: Wie sehr fehlt er dem FC Karbach?

Schmidt: „Die Statistik spricht natürlich für Enrico, er hat in den vielen Jahren hier bei uns viele Spiele individuell entschieden, das ist eine Qualität, die er absolut mitbringt. Von der reinen Torquote würde ich sagen, er fehlt uns sehr, das war uns aber völlig bewusst, auch bei der Zusammenstellung des Teams. Wir sehen aber auch Chancen darin, können nochmal einen Schritt nach vorne machen was den Offensivbereich betrifft.“

Karbach-Präsident Daniel Bernd sprach nach dem Köppen-Abgang von einer brutalen Chance für die, die hintenangestanden hätten. Können Sie in der Mannschaft den Kampf um die Position erkennen?

Schmidt: „Den gab es ja auch vorher schon. Köppen hat ja auch Spiele nicht gemacht und da gab es auch immer die Chance. Als Trainer schaut man bei der Aufstellung immer, wer könnte bei einem Spiel die Möglichkeit bieten, ein Tor zu schießen. Aber es gibt ja viel mehr Aufgaben, die im Sturm schon starten, gerade was das Abwehrverhalten der Mannschaft betrifft, und dann hat der Präsi sicherlich recht, wenn er sagt, jetzt gibt es Möglichkeiten für andere. Aus der Sicht ist mir auch nicht bange zu sagen, dass wir mit den Spielern, die wir haben, im Offensivbereich gut aufgestellt sind, weil das Spiel anders werden wird. Wir wissen auch, dass unser Spiel sehr Enrico-Köppen-lastig war und wenn er nicht gezogen hat, dann war es sicherlich schon schwieriger, im Offensivbereich wirklich Akzente zu setzen.“

Sehen Sie da schon eine Entwicklung?

Schmidt: „Genau das ist der Punkt, den wir ja gerade aus der Statistik, die ich für mich selbst führe, klar mit einem positiven Signal verbinden können, denn so viele Möglichkeiten wie wir aus dem Mittelfeld, über die Flügel hatten in dieser Spielzeit, hatten wir selten. Das was wir erreichen wollten, ein flexibleres Offensivspiel, da sind wir auf einem guten Weg.“

„Karbach spielt das Dorf leer“, titelte einmal „fussball.de“. Die Spiele sind gut besucht, aber einen echten Heimvorteil konnte Karbach daraus nicht ziehen, wenn man sich die Heimbilanz dieser Saison und der im vergangenen Jahr anschaut. Woran liegt das?

Schmidt: „Es ist schon ein Stück her, dass wir eine absolute Macht zu Hause waren. Nehmen wie die Trainerkollegen aus der Oberliga oder der Regionalliga, die Testspiele bei uns immer abgelehnt haben, die heißen Pokalfights, etwa gegen Trier oder Koblenz, die wir ja auch nie in der regulären Zeit verloren haben, maximal im Elfmeterschießen, das zeigt, dass da schon eine absolute Heimstärke war. Es gibt nichts daran zu rütteln, das hat sich in den letzten Jahren etwas gedreht. Wir sind dran zu ergründen, woran das liegt. Die Statistik sehen wir auch. Es gibt viele Punkte, die da reinfließen, warum das so ist. Wir tun uns einfach auswärts leichter. Es gibt schon die Grundsituation, dass wir, je nachdem wie wir insgesamt unsere Spiele ausrichten, einfach den Gegner auch mehr Gefallen tun. Wir wollen an sich aktiv sein, wir wollen die Spiele bestimmen, gerade auch zu Hause. Das ist ein langer Entwicklungsprozess, um das dann auch durchsetzen zu können.“

Sollte es jetzt doch noch zum Derby gegen Emmelshausen kommen, sind Sie dann froh über ein Auswärtsspiel?

„Es spielt keine Rolle wo wir spielen, da geht’s ja rein um den sportlichen Vergleich. Karbach oder Emmelshausen – die Brisanz bleibt immer erhalten.“

Mit dem Kunstrasenplatz hat der Verein einen weiteren Meilenstein bei der Verbesserung der Trainingsbedingungen erreicht. Welche Ziele haben Sie sich in diesem Bereich noch gesetzt?

Schmidt: „Ideen hätte ich genug, um noch weitere Verbesserungen der Infrastruktur herzustellen. Da ich aber weiß, dass Infrastruktur auch finanzielle Mittel bedeutet, muss man die Kirche im Dorf lassen. Als ich 2005 begonnen habe, hatten wir einen Platz, der sich zwar Rasenplatz nennen konnte, aber mehr eine Wiese war. Im Winter haben wir auf einem Viertel Hartplatz trainiert. Die Entwicklung zur jetzigen Situation ist allein aus Eigenmitteln geschafft worden, das kann man nicht stark genug hervorheben. Die Schritte werden jetzt kleiner, punktueller. Wenn ich mir was wünschen dürfte, dann, dass der Rasenplatz wieder in einen Zustand kommt wie vor einigen Jahren. Da hatten wir einen der besten Plätze in der Region.“

Sie stehen für den FC Karbach in der 16. Saison an der Seitenlinie. Sie sind Rekordtrainer. Nicht einmal der ewige Thomas Schaaf hat das bei Werder geschafft. Was bedeutet Ihnen dieser Titel?

Schmidt: „Der Titel bedeutet mir gar nichts. Die Zeit insgesamt mit dem FC Karbach und mit den Menschen, mit denen ich das mache, das bedeutet mir sehr viel. Und daraus ziehe ich auch meine ganze Kraft, um das überhaupt so lange machen zu können. Ob das die Freundschaft mit Daniel Bernd ist oder Klaus Ohnesorge, oder das Zusammenarbeiten mit Thomas Klasen.“

Gab es in der jüngeren Vergangenheit Angebote von höherklassigen Vereinen?

Schmidt: „Angebote gab es keine, ich habe das aber auch nie forciert. Dieser Weg war für mich nie ein Thema, sondern für mich war immer der berufliche Weg die Prio eins. Und der Fußball ist die sehr Zeit intensive, aber tolle Erholung.“

Sie und Präsident Bernd sprechen nicht gern vom „Wunder von Karbach“. Es ging von der Kreisliga B in die Oberliga, darunter drei Aufstiege in drei Jahren. In der Oberliga zeigt der Trend aber nach unten: Nach Platz drei im ersten Jahr folgten die Plätze sechs, zehn, zwölf und 15. Wäre der Klassenerhalt in diesem Jahr ein Wunder?

Hören Sie hier, wie Torsten Schmidt sich das langsame Absinken in der Tabelle im Interview mit Hunsrück News erklärt:

Was ist ihr persönliches Ziel für die restliche Saison, sollte der Spielbetrieb wieder aufgenommen werden?

Schmidt: „Es ist das gleiche Ziel, das wir vor der Saison hatten. Es geht um die Frage, wer spielt weiter Oberliga. Und da soll Karbach natürlich dabei sein. Klassenerhalt ist unsere oberste Priorität.“

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