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POLITIK
Nach monatelangen Beratungen

„Eine Entscheidung zur Simmerbachaue ist gefallen …“

Architekt Konrad von Danwitz plant einen Neubau am Simmerbach
Foto: Architekt von Danwitz Architekt Konrad von Danwitz plant einen Neubau am Simmerbach

Das Bauprojekt von Architekt Konrad von Danwitz zwischen Klappergasse und Kuhnengasse in Simmern hat in den vergangenen Monaten viel Staub aufgewirbelt. Anwohner starteten eine Petition, der Nabu schaltete sich ein, die Lokalpolitiker wurden mit immer neuen Plänen konfrontiert.

Jetzt ist in einer gemeinsamen Sitzung von Stadtrat und Bauausschuss die erste große Hürde genommen worden. Gemeinsam mit dem Architekten wurden letzte Änderungen an dem Projekt besprochen, von Danwitz soll nun einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan erstellen. Das ist dann der erste Schritt des formellen Verfahrens.

Bürgermeister Dr. Andreas Nikolay sagte nach der Abstimmung des Stadtrates: „Es ist eine Entscheidung getroffen worden und ich hoffe, dass Bürger und Investor damit leben können.“ Drei Stadträte hatten gegen den Beschlussvorschlag gestimmt, es gab eine Enthaltung.

Zu Beginn der Sitzung durfte Architekt von Danwitz noch einmal sein Vorhaben vorstellen: Auf dem 3300 Quadratmeter großen Areal zwischen Simmerbach, Klappergasse und Kuhnengasse sollen 24 Wohneinheiten der sehr gehobenen Preisklasse entstehen. Am Ufer sollen insgesamt acht Häuser mit unterschiedlichen Höhen von bis zu 15 Metern gebaut werden, am Hang noch einmal drei Wohnungen. Er betonte, möglichst wenig Fläche versiegeln zu wollen, um die großzügige Grünfläche zu erhalten. Auch der Baumbestand solle erhalten bleiben.

Simmerbach-Aue Bauprojekt Petition Übergabe
ForoDirk Eikhorst An dieser Stelle will von Danwitz seine 24 Wohnungen bauen

Danach bekamen die Initiatoren der Petition „Rettet die Simmerbachaue“ die Chance, noch einmal ihre Position dazustellen. Sie fürchten, dass durch die Baupläne den Simmernern ein Stück Lebensqualität genommen wird, die „grüne Lunge“ von Simmern zerstört wird.

Mit rund 1260 Unterschriften im Rücken fragten sie: „Mit welchen Argumenten wollen Sie als Bürgermeister und als Stadtrat der Bevölkerung, die sich eindeutig und vehement für den Erhalt der innerstädtischen Grünzone ausgesprochen hat, erklären, dass Ihnen das Anliegen von so vielen Menschen weniger wichtig ist als die gigantischen Baupläne eines Investors?“ Dafür gab es Applaus aus den Zuschauerreihen, die bei der Sitzung entsprechend der Brisanz des Themas gut gefüllt waren.

Dann stellte der Bauingenieur Johannes Dillig ein im Auftrag der Stadt erstellten Vergleich vor, der das aktuelle Baurecht und die Pläne von Investor von Danwitz gegenüberstellt. Eine Visualisierung, die sich einige Räte schon viel früher gewünscht hätten, wären ihnen so vielleicht doch einige Verhandlungsrunden erspart geblieben. „Ich kann mich an kein Bauvorhaben in der Stadt erinnern, dass wir so lange und so sehr im Detail beraten haben“, sagte ein Stadtrat.

Blick vom Parkplatz: Schieben Sie den Punkt nach links und rechts um den Unterschied zwischen den Plänen des Architekten von Danwitz und dem, was nach dem Baurecht vor dem Stadtratsbeschluss möglich gewesen wäre
Blick vom Wendehammer: Schieben Sie den Punkt nach links und rechts um den Unterschied zwischen den Plänen des Architekten von Danwitz und dem, was nach dem Baurecht vor dem Stadtratsbeschluss möglich gewesen wäre

Schon in den Wortmeldungen aus den einzelnen Fraktionen war zu merken, dass sich der Stadtrat und der Bauausschuss mit den nun vorgelegten Rahmenbedingungen würden arrangieren können. Es wurde noch um Details gefeilscht …

So monierte Bürgermeister Nikolay, dass der Abstand eines Hausüberhangs mit 2,10 Meter zur Uferkante doch arg gering sei, er wünschte sich eher vier Meter. Letztlich einigte man sich auf drei Meter, die durch eine leichte Drehung des gesamten Baukörpers um wenige Grad erreicht werden soll.

Außerdem gaben die Stadträte von Danwitz auf, einen durchgängigen Fußweg vom Fricke-Altenheim bis in die Kuhnengasse vorzuhalten, der auch der Allgemeinheit dient. Von Danwitz pochte aber darauf, dass die Nutzung über eine gesonderte Vereinbarung mit der Stadt geregelt und gegebenenfalls in den Nachtstunden eingeschränkt wird.

Bauvorhaben Simmerbachaue
Dillig Ingenieure So wird das Ensemble am Ende in etwa aussehen: Insgesamt wird alles um einige Grad gedreht und am Wendehammer soll ein Abstand von drei Metern zur Bebauung eingehalten werden. Zwischen Haus sechs und sieben soll ein Fußweg entstehen, der dann entlang des Bachs zur Kuhnengasse führt

DER STADTRATSBESCHLUSS:
Um dem Planungswillen und den städtebaulichen Zielen der Stadt Simmern Rechnung zu tragen, beschließt der Stadtrat dem Vorhabenträger aufzugeben:
Es ist eine Planung vorzulegen, die folgende Eckpunkte berücksichtigt: • GRZ: 0,4 + 50%  Überschreitung, • GFZ: 1,35, • Gebäudehöhen OK Attika/OK First: Haus 1: Flachdach 10,40 m / 339,40 müNN, Haus 2: Flachdach 13,55 m / 342,55 müNN, Häuser 3-6: Satteldach 15,00 m / 344,00 müNN, Häuser 7+8: Flachdach 12,50 m / 341,50 müNN, • drei Vollgeschosse + Garagengeschoss mit Nebenräumen, • Firstrichtung bei Satteldächern senkrecht zum Simmerbach, • Gebäudelängen: 59 m + 19 m, • Auskragung der Balkone max. 1,00 m, • Der Mindestabstand der Gebäudekanten zur Oberkante Simmerbach beträgt 3 m, • Keine Parkplätze in der Grünfläche entlang des Simmerbachs, • Anzahl der Wohnungen: 21 (Kuhnengasse) + 3 (Klappergasse).

Mit dem Beschluss wurde jetzt die Aufstellung eines vorhabenenbezogenen Bebauungsplans vereinbart. Dieser ist der erste Schritt des formellen Verfahrens, zu dem auch eine öffentliche Auslegung und Anhörung gehlren. Dann haben die Bürger noch einmal die Möglichkeit, ihre Einwände gegen das Bauvorhaben vorzubringen.

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