POLITIK
Geburtsstation der Hunsrück Klinik in Gefahr

„Ein Krankenhaus darf keine roten Zahlen schreiben“

Corona-Ausbruch in der Hunsrück Klinik in Simmern
Foto: Dirk Eikhorst

Die Kreuznacher Diakonie hatte für die Geburtstation der Hunsrück Klinik bei Landkreis und Gesundheitsministerium direkte finanzielle Hilfen beantragt, denn die Kreißsäle fahren jedes Jahr rund 900 000 Euro Verlust ein. Der Rhein-Hunsrück-Kreis will 25 Prozent zuschießen, das Ministerium lehnte aber kategorisch ab – und hatte dies der Diakonie auch schon vor dem Antrag angekündigt.

Jetzt erklärt die Stiftung Kreuznacher Diakonie, warum sie dennoch den Antrag auf Förderung gegenüber dem Gesundheitsministerium gestellt hat, wieso das Defizit der Geburtsstation eine Gefahr für die gesamte Klinik ist und wagt zudem einen Blick in die Zukunft der Kreißsäle.

Eigentlich sind sich alle Akteure einig. „Der Fortbestand der Geburtshilfe in Simmern steht für die Landesregierung außer Frage. Es handelt sich um einen unverzichtbaren Standort nach den Kriterien des Gemeinsamen Bundesausschusses“, erklärte Gesundheitsminister Clemens Hoch gegenüber Hunsrück News. Sein Ministerium machte aber zum Förderantrag unmissverständlich klar: „In Rheinland-Pfalz existiert keine Rechtsgrundlage für einen derartigen Zuschuss.“

Die Kreuznacher Diakonie bestätigte gegenüber Hunsrück News jetzt, dass die Landesregierung bereits am 4. März 2021 eine direkte Förderung durch das Land ausgeschlossen habe. Damals hatte es eine einstündige Videokonferenz mit der ehemaligen Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler gegeben.

Die Hunsrück Klinik versuchte es dennoch: Einerseits sollte das Defizit auf mehrere Beteiligte verteilt werden und andererseits sollte das Land dem bayerischen Modell folgen und die Krankenhäuser nicht direkt bezuschussen, sondern Gelder über die Landkreise auszahlen lassen.

Clemens Hoch erklärte: „Aus Sicht der Landesregierung war und ist zudem die Lage bezüglich der Geburtshilfe in Bayern und Rheinland-Pfalz nicht vergleichbar. Rheinland-Pfalz verfügt trotz jüngster Schließungen von Geburtshilfen weiterhin über ein flächendeckendes und überwiegend vergleichsweise dichtes Netz an Geburtsstationen und hat – anders als offenbar die Bayerische Staatsregierung zum Zeitpunkt der Einführung des Zuschusses – bislang keinen Anlass für die Erwartung gesehen, dass die flächendeckende geburtshilfliche Versorgung nicht mehr sichergestellt sein könnte.“

Aber wie steht es um die Geburtsstation in Simmern? Clemens Hoch sagt, dass die Krankenhäuser in eigener Verantwortung wirtschaften würden. Nur sieht die Hunsrück Klinik hier kaum Besserung, sollte sich die Zahl der Schwangeren im Umkreis des Krankenhauses nicht schlagartig verdoppeln.

Hintergrund: Momentan wird eine Geburt mit rund 3500 Euro von den Krankenkassen vergütet. Da aber ganzjährig, Hebammen, Ärzte und Kinderkrankenschwestern sowie Labor, OP und Kreißsäle vorgehalten werden müssen, liegt die Grenze für einen wirtschaftlichen Betrieb bei rund 800 Geburten. In der Hunsrück Klinik kamen im vergangenen Jahr 505 Babys zur Welt.


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Sandra Beck, die Pressesprecherin der Kreuznacher Diakonie, erklärt: „Auch wenn die Hunsrück Klinik mit einem ‚blauen Auge‘ durch das Corona-Jahr 2020 gekommen ist, spüren wir den wirtschaftlichen Druck deutlich. Wir befürchten, dass durch das hohe Defizit der Geburtshilfe das gesamte Haus in eine finanzielle Schieflage gerät.“ Weitere Optimierungsmöglichkeiten zur Verringerung des Defizits gebe es nicht mehr.

Die Klinik weist darauf hin, dass in den vergangenen Jahren für viel Geld saniert, modernisiert und umgebaut worden sei. „Wie in anderen Unternehmen oder in einem Privathaushalt auch, muss dieses Geld erwirtschaftet werden. Im Umkehrschluss: Um den Betrieb eines Krankenhauses aufrechtzuerhalten, darf ein Krankenhaus keine roten Zahlen schreiben und auch eine Schwarze Null ist leider nicht ausreichend.“ 

Die Kreuznacher Diakonie will weiter an ihren Plänen festhalten und ist zuversichtlich eine gemeinsame Lösung zu finden, dazu werde man in den nächsten Tagen und Wochen weiter das Gespräch mit dem Ministerium suchen.

Abschließend erklärt die Diakonie: „Unser Ziel ist es, unseren Versorgungsauftrag für die Bevölkerung Rhein-Hunsrück-Kreis weiterhin umfassend zu erfüllen. Die Rückgabe von Teilbereichen an den Kreis ist bisher noch kein Thema.

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