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Mohr (22) hält Wutrede im Stadtrat Boppard

„Ein großer Mittelfinger an die Jugend“

Fabio Mohr (SPD) ist Stadtrat in Boppard
Foto: Dirk Eikhorst Fabio Mohr (SPD) ist Stadtrat in Boppard

Fabio Mohr hatte richtig Puls – musste er im Bopparder Stadtrat doch erleben, welch schmutziges Geschäft Politik in Zeiten des Wahlkampfes sein kann …

Sieben Minuten lang machte sich der junge SPD-Abgeordnete Fabio Mohr (22) in der letzten Stadtratssitzung in Boppard Luft – eine „Wutrede“, aus dem Bauch heraus. Auf die Zinne hatten ihn die Anträge zum Jugendbudget und den Verzicht zum Bau der Skateranlage im Mehrgenerationenpark gebracht.


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Die Vorgeschichte: Mohr hatte im November einen Antrag ausgetüftelt, mit dem er im Haushalt 2021 ein Budget von 20 000 Euro für den Jugendrat festschreiben wollte. Dies habe er am 8. Dezember in den Hauptausschuss eingebracht und „eher verhaltenes Feedback“ bekommen, wie er gegenüber Hunsrück News erklärte.

Der Jugendrat aber war begeistert, wünschte sich dennoch, statt einem von Mohr vorgesehenen Verteilschlüssel für die einzelnen Ortsbezirke, die gesamte Summe zu freien Verfügung zu haben.

Was dann geschah, bezeichnete Mohr als „dreist“: Die CDU brachte am Tag nach der Jugendratssitzung einen eigenen Antrag ein. „Mit der exakt gleichen Summe“, sagte Mohr, „die wollten es als ihre Idee verkaufen.“ Einziger Unterschied: Von einem Verteilschlüssel war keine Rede.

Mohr: „Dazu erklärte der Bürgermeisterkandidat der CDU bei Facebook auch noch, er wolle jetzt die Jugend unterstützen und ein Budget von 20 000 Euro für den Jugendrat.“ Das sei nach der Jugendratssitzung und vor dem CDU-Antrag gewesen. „Ich dachte, der muss sich geirrt haben, vielleicht hat er gedacht, der Antrag käme aus seiner Fraktion“, sagte Mohr zu Hunsrück News.

Kleines Possenspiel im Stadtrat: Die CDU-Fraktion nutzte dann ihre Stimmenmacht aus, um ihren Antrag vor dem der SPD verhandeln zu lassen.

Was Mohr so richtig ärgerte: Der Stadtrat hatte zuvor noch über „Vorschläge der Einwohner zum Entwurf des Haushaltsplanes 2021“ zu beraten. Darin wurde gefordert, den Skaterpark nicht im Mehrgenerationpark zu bauen. Zehn Ja-Stimmen kamen aus den Fraktionen der CDU, der Grünen und der FWG.

„Jeder weiß, dass wenn der Skaterpark nicht dort unten gebaut wird, dann ist das Projekt tot“, sagte Fabio Mohr, „so hätte man der Jugend das einzige weggenommen, was sie seit zehn Jahren fordert.“

Mohr, der selbst einmal dem Jugendrat vorsaß, zeigte sich baff bis irritiert: „Wie kann man sich hier hinstellen und erklären, man wolle die Jugend unterstützen, und gleichzeitig versuchen, das für sie einzig wichtige Projekt zu kippen? Das ist ein großer Mittelfinger an die Jugend.“

Schlusspointe: Die Jugend bekommt jetzt beides, den Skaterpark und das Budget für eigene Projekte.

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