POLITIK
Diskussion in VG Kastellaun

Droht bei Photovoltaik der „Wildwuchs wie bei Windrädern“?

Foto: Dirk Eikorst

Knapp 300 Windräder stehen im Rhein-Hunsrück-Kreis, der Hype ist vorbei, nur noch vereinzelt werden noch neue Anlagen gebaut. Nicht wenige wünschen sich bereits, sie könnten diese wieder abbauen …

Der neue Trend sind Freiflächen-Photovoltaikanlagen, hier wittern viele Orte die Chance, die oft klammen Gemeindekassen aufzufüllen. Im Kastellauner Verbandsgemeinderat wurde jetzt aber auch eine Sorge deutlich: Wenn das Thema Dynamik entwickelt, droht dann der gleiche „Wildwuchs“ wie bei der Windkraft?


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Anfang 2020 hatte die Verbandsgemeinde rund 50 Hektar Sonderflächen für Photovoltaikanlagen ausgewiesen: in Lahr (5,4 ha), in Korweiler (9 ha), in Braunshorn (22,4 ha) und in Ebschied (15,1 ha). Mittlerweile liegen der Verwaltung mehrere weitere Anträge von Gemeinden über knapp 30 Hektar vor.

Auch aus Michelbach: „Wir sind bei der Windkraft nicht zum Zuge gekommen. Wir schauen zwar viel drauf, aber haben nix davon. Jetzt wollen wir auch unseren Teil vom Kuchen“, erklärte Michelbachs Ortsbürgermeister Hans Jürgen Härter schon im Januar gegenüber dem Hauptausschuss.

Im Verbandsgemeinderat berichtete er: „Wir haben kein Gewerbe, wir haben kein Geschäft und doch einen Einwohnerzuwachs von 20 Prozent.“ Jetzt müsse mit den angrenzenden Gemeinden die Kita erweitert oder neu gebaut werden. Investition: 2,5 bis drei Millionen Euro. „Ich weiß nicht, woher wir das Geld nehmen sollen.“


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So wie dem 180-Seelen-Dorf Michelbach geht es vielen Gemeinden: Bei den klammen Kassen ist die Pacht für die Solaranlagen eine willkommene Finanzspritze. Nur: Wie wird der Rheins-Hunsrück-Kreis in 20 Jahren aussehen, wenn alle diesen Weg wählen? Im Verbandsgemeinderat gab es da durchaus Bedenken.

Jörg Schmitz, Fraktionssprecher CDU, sagte: „Es fehlt ein Konzept, wir haben gesehen, dass es bei der Windkraft schon aus dem Ruder gelaufen ist.“ Gegenüber Hunsrück News ergänzte er: „Wenn ich jetzt durchs Grüne gehe, dann ärgern mich die Windräder. Und bei denen haben wir auch mit nur ganz wenigen im Kreis angefangen.“

Der Vorschlag: Alle Kommunen in der Verbandsgemeinde sollen einmal ihre Wünsche anmelden, um zu verhindern, das dauernd neue Anträge kommen. „Wenn wir es einer Gemeinde genehmigen, dann müssen wir später auch der anderen Gemeinde erlauben, einen Solarpark zu errichten“, hieß es dazu im Rat. Und Jörg Schmitz möchte sogar noch einen Schritt weitergehen. Am liebsten wäre es ihm, wenn Photovoltaikanlagen nur auf öffentlichem Grund gebaut werden dürften.

Verbandsgemeindebürgermeister Christian Keimer erklärte, dass der zur Abstimmung stehende Flächennutzungsplan „das Instrument zur Gestaltung“ sei. Damit könne unter anderem auch gesteuert werden, wie sich die Flächen möglichst einheitlich in Natur- und Landschaft einfügen sollen.

Aus dem Rat wurde aber noch eine weitere Sorge laut: „Woher sollen wir wissen, was im Herbst in Berlin passiert. Vielleicht braucht man dann für eine Solarenergieanlage keine Genehmigung mehr.“

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