POLITIK
Stadtrat berät neuen Musikpavillon

Die „fliegende Rheinbühne“ von Boppard

Schwimmende Rheinbühne für Boppard
Foto: Architekturbüro Pörsch Der Plan für eine schwimmende Rheinbühne sorgte für geteiltes Echo im Rat

In den Rheinanlagen soll der Musikpavillon aus dem Jahr 1948 durch einen Neubau ersetzt werden – seit August 2019 reift der Plan in den verschiedenen Gremien, der Stadtrat war nach einem Jahr kurz davor, die Planung zu vergeben. Dann kam die Idee einer Veranstaltungsbühne im Rhein …

Architekt Rainer Pörsch stellte in der jüngsten Stadtratssitzung seine Machbarkeitsstudie zu einer schwimmenden Bühne an den Rheinanlagen vor. In der Bewertung dieser Ausarbeitung zeigte sich der Stadtrat wie so oft gespalten: Die einen sahen sich darin bestätigt, eine visionäre Idee zu verfolgen, die Boppard einen architektonischen Besuchermagneten bescheren würde, die anderen nur ein zerplatzendes Luftschloss, das Steuergelder verschwendet hätte.

Die schwimmende Rheinbühne sei wie ein Schiffsanleger aus Stahl konzipiert, erläuterte Pörsch den Stadtverordneten, sie werde durch zwei Dalben gehalten, an denen die Bühne mit dem Wasserstand des Rheins nach oben oder unten schwimmen könne. Kostenpunkt: 1,8 Millionen Euro.

Pörsch wies aber darauf hin, dass diese Variante einige Schwächen hat: einerseits den weiten Abstand des Publikums zur Bühne von etwa 20 Metern, andererseits ist die Bühne bei Niedrigwasser vom Zuschauerbereich nicht einsehbar.

CDU-Fraktionschef Wolfgang Spitz sagte: „Die Frage war, ob die schwimmende Bühne machbar ist, und die Antwort ist ein klares Ja.“ Darüber sei er „freudig erregt“. Er fügte hinzu, dass der Plan jetzt erst einmal in die Ausschüsse müsse. Für ihn aber steht fest: „Das ist eine Innovation, die Boppard bekannter machen würde.“

Schwimmende Rheinbühne für Boppard
Foto: Architekturbüro Pörsch Einige Räte monierten, dass durch diese Ausrichtung der Bühne die Anwohner direkt beschallt würden

Bürgermeister Walter Bersch antwortete: „Ich habe den Unterton schon vernommen. Dass so eine Bühne machbar ist, wurde nie in Zweifel gezogen.“

Bersch hatte sich immer vehement gegen die Machbarkeitsstudie gewehrt, weil für ihn schon vorher feststand: „Angesichts der Kosten von 1,8 Millionen Euro, angesichts des praktischen Nutzens und im Hinblick auf die Finanzstärke der Stadt ist das nicht machbar.“

SPD-Fraktionschef Niko Neuser brachte das Thema in Wallung: „Wir sehen hier ein weiteres Luftschloss der CDU zerplatzen wie eine Seifenblase. Alle Bedenken, die wir bereits geäußert haben, wurden bestätigt.“

Er sah die CDU auf einer „kommunalpolitischen Irr- und Geisterfahrt“. Die Pläne für die schwimmende Rheinbühne bezeichnete er als verantwortungslos und nicht nachhaltig, als keinen sinnvollen Umgang mit Steuergeldern.

„Ich bin gespannt, wie sie ihr Wahlversprechen von der ‚geilsten Bühne‘ am Mittelrhein jetzt noch umsetzen wollen“, stichelte er in Richtung CDU. Klaus-Georg Brager (Grüne) vermutete nach Neusers Ausbruch, dass dieser sich „noch im Wahlkampfmodus“ befinde.

Philipp Loringhoven (parteilos) sagte, dass zur Machbarkeit auch Bezahlbarkeit gehöre und die sei bei 1,8 Millionen für Boppard nicht gegeben. Und er ermahnte seine Ratskollegen: Die vielen Vereine der Stadt, die diese Bühne dringend brauchen, haben keinen Bock auf weitere drei Jahre politisches Gezänk.

Schwimmende Rheinbühne für Boppard
Foto: Architekturbüro Pörsch Je nach Wasserstand sinkt und steigt die Bühne – bei Niedrigwasser ist sie schlecht einzusehen

Die Lust am Streit hatten Rudolf Bersch (CDU) und Bürgermeister Bersch noch nicht verloren: Nachdem CDU-Bersch sich lange gemeldet hatte – allerdings winkend und nicht, wie in diesen Videositzungen üblich, mit einer virtuellen Hand – fragte er, ob er dem Bürgermeister seine Brille leihen solle.

Dieser verwies auf die Technik – von der Rudi Bersch nach eigener Aussage „keine Ahnung“ hat – und konterte: „Dafür bist du selbst verantwortlich. Wenn du keine Ahnung hast, musst du mir das nicht vorwerfen.“

Das war aber nur das Vorgeplänkel: Der CDU-Abgeordnete verwies wegen der schlechten Sichtachse auf die Bühne auf Holland. Dort würden ganze Häuser auf Pfeilern gebaut, die hochgefahren werden könnten. So könne man das bei der Rheinbühne auch machen.

Der Bürgermeister: „Wenn ich den Beitrag richtig verstanden habe, dann geht es nicht nur um eine schwimmende Bühne, sondern auch um eine ‚fliegende Bühne‘.“ Er hatte die Lacher auf seiner Seite, aber auch die Fakten: „Eine Bühne auf Stützen, frei stehend im Rhein ist nicht genehmigungsfähig“, erklärte Architekt Pörsch.

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