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66-Jähriger wegen sexuellen Missbrauchs vor Gericht

„Der Onkel ist böse, ich will da nicht mehr hin“

Landgericht Bad Kreuznach sexueller Missbrauch
Foto: Dirk Eikhorst Die Richterin (M.) machte dem Angeklagten klar, dass nur ein Geständnis ihn vor einer Freiheitsstrafe bewahren könnte

Durch ein zufälliges Gespräch zweier Mütter bei einem Kinder-Logopäden wurden Übergriffe auf kleine Mädchen, die wohl seit Jahrzehnten immer wieder stattfanden, aufgedeckt und angezeigt. Jetzt steht der 66-jährige Mann aus dem Rhein-Hunsrück-Kreis wegen sexuellen Missbrauchs vor dem Landgericht Bad Kreuznach.

Die Richterin redete dem Mann zu Beginn des Prozesses ins Gewissen: „Es stehen Vorwürfe im Raum, die bei einem von Reue geprägten Geständnis noch eine Bewährungsstrafe nach sich ziehen könnten. Ansonsten wird das eher schwierig.“


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Vor allem, wenn der Angeklagte dem jetzt achtjährigen Opfer eine Aussage ersparen würde, stellte die Richterin dem 66-Jährigen ein milderes Urteil in Aussicht. Dieser blieb aber auch nach mehrmaliger Beratung mit seiner Pflichtverteidigerin dabei, dass er zur Sache keine Angaben machen wolle.

Der Vorwurf: Der Angeklagte soll bei zwei Familienfeiern im Jahr 2017 einem kleinen Mädchen aus der Verwandtschaft in die Hose gefasst und sie am nackten Intimbereich gestreichelt haben.

Eine Polizistin des zuständigen Kommissariats bei der Kriminaldirektion Koblenz, die Mutter und Tochter vernommen hatte, berichtete, dass das Mädchen ihrer Mutter kurz nach dem zweiten Vorfall von dem Übergriff erzählt habe. „Der hat mit in die Hose gefasst, der Onkel ist doof, ich will da nicht mehr hin“, soll sie gesagt haben.

Weil keiner der bei den Feiern anwesenden Erwachsenen entsprechende Beobachtungen gemacht hatte, sei beschlossen worden, dass lediglich der Kontakt abgebrochen werden.

Und genau davon berichtete die Mutter einer Jugendfreundin bei der zufälligen Begegnung beim Logopäden. Diese hatte sich nach dem Angeklagten erkundigt, auch sie kannte ihn aus Kindertagen. Als diese die Begründung für den Abbruch der Beziehung gehört habe, sei sie schockiert gewesen, berichtete die Polizistin.

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Denn auch sie hatte ähnliche Erfahrungen mit dem Angeklagten gemacht. Als junges Mädchen sei sie oft in dessen Haus zum Spielen gewesen, so wie viele andere Kinder auch. Damals sei sie von dem heute 66-Jährigen allein zum Basteln mit in den Keller genommen worden. Sie habe sich dann umdrehen, sich entblößen und bücken müssen, damit er sie berühren konnte.

Bei einer anderen Gelegenheit habe er ihr den Finger in die Scheide eingeführt, bis sie geblutet habe. Und er habe ihr damit gedroht, dass ihre Eltern sie nicht mehr lieben würden, wenn sie jemanden davon berichte.

Auch weitere Frauen, die sich vor Jahrzehnten immer mal wieder in dem Haus aufhielten, berichteten dann der Polizistin bei ihren weiteren Ermittlungen von Missbrauch durch den Angeklagten.

Die Jugendfreundin versuchte nach dem Gespräch, die Mutter zu einer Anzeige zu bewegen. „Ich habe mein Leben damit gelebt“, habe sie der Kripobeamtin gesagt, „ich möchte Gerechtigkeit für das Kind und dass er damit aufhören muss.“ Schließlich informierte sie selbst den Frauennotruf, der die Polizei einschaltete.

Der sexuelle Missbrauch an dem kleinen Mädchen aus seiner Verwandtschaft wird dem Mann jetzt von der Staatsanwaltschaft zur Last gelegt. Alle weiteren Fälle, die im Zuge der Ermittlungen ans Tageslicht kamen, sind wohl verjährt.

Sollte sich der Angeklagte beim nächsten Verhandlungstermin nicht einlassen, ein Geständnis ablegen, dann wird auch das Kind eine Aussage machen müssen – und die Erinnerungen an die Erlebnisse vor Gericht wieder hervorholen müssen.

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