Anzeige
NEWS
Prozess wegen sexuellen Missbrauchs

Der „böse Onkel“ legt ein Geständnis ab

Landgericht Bad Kreuznach sexueller Missbrauch
Foto: Dirk Eikhorst Zweiter Verhandlungstag im Landgericht Bad Kreuznach

Am ersten Verhandlungstag hatte die Richterin noch deutlich zu verstehen gegeben, dass ohne ein „von Reue geprägtes Geständnis“ eine Bewährungsstrafe nicht in Betracht käme – doch der Angeklagte verweigerte es, sich zur Sache zu äußern …

Wende im Prozess um den sexuellen Missbrauch eines fünfjährigen Mädchens: Der 66-jährige Angeklagte aus dem Rhein-Hunsrück-Kreis ist eingeknickt und hat die beiden ihm zur Last gelegten Taten gestanden. Am zweiten Prozesstag berichtete zudem die Mutter des Opfers, wie das Kind auch zwei Jahre nach der Tat noch leidet.


Anzeige

Zu Beginn des Verhandlungstages vor dem Landgericht Bad Kreuznach ließ der Angeklagte durch seine Pflichtverteidigerin erklären: „Ich räume die Taten ein. Die Vorfälle tun mir leid, ich schäme mich dafür und würde es gerne rückgängig machen.“ Er wolle auch dem Kind eine Aussage ersparen.

Das Opfer ist die Großnichte seiner mittlerweile verstorbenen Ex-Frau. Der Angeklagte hatte dem Mädchen an dessen fünften Geburtstag und im gleichen Jahr am zweiten Weihnachtstag in die Hose gegriffen und es am nackten Po gestreichelt.

Die Mutter des Mädchens berichtete im Zeugenstand davon, wie ihre Tochter ihr von dem sexuellen Übergriff erzählt hatte. „Sie kam morgens ins Bett zum Kuscheln und sagte unvermittelt, dass der Onkel ihr in die Hose gegriffen habe“, sagte die 36-Jährige. „Er war am nackten Po“, habe das Mädchen gesagt. „Ich war geschockt, habe sofort nachgefragt“, erklärte die Zeugin.

Auf Nachfrage der Richterin sagte die Mutter aber, dass sie nie Zweifel an den Worten ihrer Tochter gehabt habe. „Sie hat Probleme mit der Sprache, das aber sehr deutlich gesagt und ist allein zu mir gekommen“, sagte sie und vermutete, dass sie davon wohl nie erfahren hätte, wenn ihr Kind sich nicht offenbart hätte.

Schließlich habe sie Kontakt mit dem Jugendamt aufgenommen, das versprochen habe, den jetzt Angeklagten „im Auge zu behalten“. Dann sei aber nichts geschehen und erst durch eine zufällige Begegnung mit einer Jugendfreundin beim Logopäden ihrer Tochter sei es fast zwei Jahre später wieder hochgekommen.

Die Freundin hatte sich nach dem Angeklagten erkundigt, sie kannte ihn aus Kindertagen. Und als sie dann von dem Übergriff erfahren habe, sei sie in Tränen ausgebrochen. Sie habe dann berichtete, dass auch sie als Kind von dem Angeklagten missbraucht worden sei.

Dem Opfer wurde zunächst eine Aussage erspart, aber nicht, weil der Angeklagte sich geständig eingelassen hatte. Das Mädchen war schon vorher als Zeugin ausgeladen worden, was bei ihr nach Aussage der Mutter zu einiger Enttäuschung geführt habe. „Sie kann sich noch an alles erinnern“, erklärte die Mutter.

Aber sie habe bei ihrem Kind auch einige Verhaltensänderungen festgestellt: „Sie läuft ständig nackt rum, dabei war sie früher ein ganz normales Kind“, erklärte die Mutter, „jetzt ist sie verschlossen, zieht sich in ihr Zimmer zurück und nicht einmal ihr Bruder darf zu ihr.“

Aktuelle News
  • Hunsrück News - Plus Artikel „Der Onkel ist böse, ich will da nicht mehr hin“
    Hunsrück News - Plus Artikel 66-Jähriger wegen sexuellen Missbrauchs vor Gericht

    „Der Onkel ist böse, ich will da nicht mehr hin“

  • Hunsrück News - Plus Artikel Sieben Jahre Haft für den Messerstecher von Simmern
    Hunsrück News - Plus Artikel Versuchter Mord

    Sieben Jahre Haft für den Messerstecher von Simmern

Auch interessant
Schließen
Schaltfläche "Zurück zum Anfang"