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Nach rund 100 Jahren

Das Simmerbachtal ist wieder Biber-Revier

Foto: Annika Stahl

Er hat ein unverkennbares Äußeres, geprägt durch seine starken Zähne und den geschuppten Schwanz. Der Biber ist allseits bekannt – doch mindestens ein Jahrhundert lang war er in der Region ausgestorben.

In den letzten Jahren wird das größte Nagetier Europas im Hunsrück wieder heimisch. Besonders rund um den Simmerbach scheint er sich wohl zu fühlen, wie vermehrte Sichtungen belegen. Hunsrück News hat mit dem ehrenamtlichen Biberbetreuer Jörg Homann gesprochen.


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Vor weniger als 20 Jahren wurden vereinzelt Spuren eines Bibers im Hunsrück entdeckt. Aber erst vor rund zehn Jahren vermehrten sich die Aktivitäten. Mittlerweile haben sich einige Biber am Simmerbach angesiedelt. Hier haben sie sowohl Burgen als auch Dämme gebaut.

Foto: Annika Stahl

Der Biber hält weder Winterschlaf noch Winterruhe und muss somit auch im Winter nach Nahrung suchen. Und diese Nahrung besteht nur aus Pflanzen. Aus Ästen und Holzschnitzeln baut er teilweise beeindruckende Biberburgen.

Der Ablauf sei oft ähnlich, erläutert der ehrenamtliche Biberbetreuer Jörg Homann: „Der Biber siedelt sich an, wenn der Wasserstand dann zu niedrig wird, baut er einen oder auch mehrere Dämme. Und weil er seine Behausung immer weiter aufstockt, entsteht die markante Biberburg.“

Viele Jahrtausende war der Biber hier heimisch. Doch bereits im Mittelalter wurde er stark bejagt. Begehrt war sein Pelz, aber auch sein Fleisch. Denn laut der katholischen Kirche zählte er zu den Fischen und durfte deshalb auch in der Fastenzeit verzehrt werden. Auch sein Analdrüsensekret („Bibergeil“) war als Heilmittel sehr beliebt. Vor rund 100 Jahren ist er dann im Hunsrück endgültig ausgestorben.

Foto: Annika Stahl

Die Herkunft der jetzt im Hunsrück aktiven Biber ist nicht geklärt. Da es keine Wiederansiedlungsprojekte in Rheinland-Pfalz gibt, hat der Biber auf ganz natürliche Weise seinen Weg zurück in den Hunsrück gefunden.

Im Alter von zwei Jahren werde der Biber von den Eltern vertrieben, auf der Suche nach einem passenden Revier gehe er auf Wanderschaft. So sei auch zu erklären, meint Homann, wie ein Biber vor einigen Jahren auf der Hunsrückhöhenstraße überfahren werden konnte, obwohl die Straße nicht in Wassernähe verlaufe.

Der Biber gestaltet aktiv seine Umgebung. Er gilt als Schlüsselart für den Naturschutz. Denn durch seine Aktivitäten schafft er neue Lebensräume, unter anderem für Libellen, Eisvögel, Fische, Amphibien und Reptilien.

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„Der Biber sorgt für eine vielfältigere Wasserlandschaft“, erklärt der Biberbetreuer Homann, „dieses Phänomen lässt sich auch im Hunsrück beobachten.“ Durch Überflutungen schaffe der Biber beste Bedingungen für Arten, die genau darauf angewiesen seien.

Aber die Arbeit des Bibers birgt auch Konfliktpotenzial: Überflutet er Flächen, die vom Menschen genutzt werden, sind nur wenige begeistert. Auch fällt das Nagetier keine unerhebliche Zahl an Bäumen. Zum einen um seine Dämme und Burgen zu bauen, aber auch um die Rinde im Winter als Nahrung nutzen zu können. Der Biber gehört zu den streng geschützten Arten und darf deshalb nicht umgesiedelt, verjagt oder gar bejagt werden.

Trotzdem können Betroffene aktiv werden. Elektrozäune seien sehr wirksam und einfach in der Anwendung, sagt Homann. Wer Probleme durch einen Biber fürchtet oder einen Biber gesichtet hat, kann sich auf biber-rlp.de informieren und wenn nötig auch Kontakt zu Experten aufnehmen.

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