POLITIK
Planer im St. Goarer Stadtrat

Rheinanlagen werden „klar, strukturiert und ohne Gedöns“

Plan Rheinvorland St. Goar
Annabelle Eikhorst | Hunsrück News Die Planung für die Rheinanlagen mit Hansenplatz, weiltäufigen Grünflächen und Festsplatz an der Panzerrampe

Eigentlich ist es eine Win-win-Situation: Das Rheinufer in St. Goar wird neu gestaltet, finanziert von der Wasserwirtschaftsverwaltung – dafür werden gleichzeitig sogenannte Retentionsräume für Hochwasser geschaffen. Wenn der Teufel nicht im Detail stecken würde.

Dem Stadtrat von St. Goar wurden die überarbeiteten Pläne zur Umgestaltung des Rheinvorlandes präsentiert: Promenade am Wasser, Wandelgang an der Straße, dazwischen viel Grün mit Plätzen zum Verweilen – nicht nur für Passagiere der Schifffahrt ein neues Portal in die historische Altstadt.

Planer Friedrich Hachenberg erklärte: „Es soll ein klares Oben und Unten geben, gute Alltagstauglichkeit und Nutzerorientierung und vor allem hohen Gebrauchswert für die Bewohner der Altstadt, die Besucher und die Touristen.“ Ziel der Planung: Gestaltung und ökologische Aufwertung des Rheinufers.

Die Eckpunkte des Entwurfs: Der Hansenplatz wird als historische Platzanlage aufgewertet, die Mauern sind noch sanierungswürdig, der Platz selbst muss erneuert werden. Dieser habe dann die Option, dass er „bespielt“ werden könne, insbesondere auch mit dem Marktgeschehen auf dem angrenzenden Rheinbalkon.

Im Bereich der ehemaligen Toilettenanlage könne ein Infoportal mit Visualisierung der Stadtgeschichte im Sinne eines lebendigen St. Goars dargestellt werden. Der Platz solle mit der Abstellanlage für rund 20 Fahrräder mit Ladestation für E-Bikes verbunden werden.

Darauf folgt eine sehr großzügig geschnittene wiesenähnliche Parklandschaft, die mit den durch Hecken abgeschirmten Sitznischen zum Verweilen einladen. Am anderen Ende befindet sich die ehemalige Panzerrampe beziehungsweise jetzige Rheintreppe mit dem Festplatz.

Bürgermeister Falko Hönisch sagte, bei der Planung handele es sich um Grundgerüst, bei der Ausarbeitung der Details sollten die Bürger dann mitgenommen werden. „Es ist ein sehr überzeugender und lohnender Entwurf“, sagt Hönisch. Welche Teile des Projekts dann die Stadt selbst tragen muss, wird sicher mit der SGD Nord noch abzustimmen sein.

Denn durch Umgestaltung werden Retentionsflächen geschaffen, die bei Hochwasser überflutet werden und so ein zu starkes Ansteigen des Wassers verhindern – finanziert durch das Land. Hachenberg erklärte: „Eine weitere Berechnung der Kosten wurde noch nicht durchgeführt, weil wir uns jetzt noch in der Diskussion befinden, in der schrittweisen Planung der städtischen Elemente.“

Dirk Eikhorst | Hunsrück News So präsentieren sich die Rheinanlagen derzeit

Peter Ockenfels (SPD) war nicht begeistert: „Der große Wurf ist es nicht geworden. Ich frage mich, wer der Gewinner ist: das Land wegen Retentionsraum oder St. Goar wegen des Umbaus der Anlagen.“ Er sehe sehr viel Wasser, sehr viel Beton auf die Stadt zukommen, sagte Ockenfels. Und man werde erst noch sehen müssen, wie sich das auf den Grundwasserspiegel auswirke.

Der Planer hielt dagegen: „Der große Wurf ist ja auch so eine Idee, die in den Köpfen herumschwirrt. Der Plan ist hervorgegangen aus einem europaweiten Wettbewerb. Und jede Stadt am Raum muss Retentionsflächen schaffen, nicht das Land hat gewonnen, sondern alle, die am Rhein wohnen und von Hochwassern betroffen sind.“

Sein Fazit: „Ich finde der Entwurf ist klar, einfach strukturiert, da wird kein Gedöns gemacht. Manchmal ist weniger mehr, um die Nutzbarkeit für die Menschen am Rheinufer zu gewährleisten.“

Ralf Link (SPD) monierte, dass er in dem Plan nichts für St. Goar Spezifisches sehe, „es könnte genauso in Boppard oder Bacharach stehen“. Planer Hachenberg hielt dagegen und betonte vor allem die Erhaltung des Hansenplatzes.

Ein echtes Problem für die Stadt könnte es allerdings werden, dass mit der Umgestaltung auch 25 Parkplätze wegfallen sollen. Das schränkt nicht nur den Zugang der Touristen und Besucher zur Stadt ein. Es belastet auch den Haushalt, denn Parkgebühren sind eine nicht unwichtige Einnahmequelle der Stadt. Hönisch sagte: „Ich werde um jeden Parkplatz kämpfen, weil dies ein immanent wichtiges Thema für St. Goar ist.“

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Korrektur: In einer früheren Version dieses Artikels hieß es, dass Bürgermeister Falko Hönisch das Fazit gezogen habe, der Plan für die Rheinanlagen sei „klar, strukturiert und ohne Gedöns“. Richtig ist, dass dies der Planer Friedrich Hachenberg gesagt hatte.

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