SPORT
Karbachs und Emmelshausens Trainer im Interview

Beim Derby „bis zum letzten Tropfen alles raushauen“

Junk Feit
Fotos: Hermann-Josef Stoffel Sie coachen das Derby von der Seitenlinie: Emmelshausens Trainer Julian Feit (l.) und Maximilian Junk aus Karbach

Am 14. August startet die neue Oberliga-Saison mit dem Lokalderby: Der TSV Emmelshausen und der FC Karbach wollen beide erfolgreich in die neue Spielzeit starten und treffen gleich zu Beginn aufeinander. Hunsrück News sprach mit den beiden Cheftrainern über Ambitionen, Vorbereitung und die Schwierigkeiten wegen der Corona-Pandemie. Sowohl Maximilian Junk vom FC Karbach als auch sein Pendant vom TSV Emmelshausen, Julian Feit, geben sich kämpferisch und definieren als Saisonziel jeweils den Klassenerhalt.

Hunsrück News: Die Corona-Pandemie betrifft alle gleichermaßen, so auch den Fußballsport. Wie beurteilen Sie die getroffenen Maßnahmen und das Hygienekonzept?

Maximilian Junk: „Eine Bewertung der Maßnahmen und Konzepte möchte ich mir nicht erlauben. Es gibt Experten und Fachleute, die diese Maßnahmen ausgearbeitet haben und wir halten uns daran. Ich bin froh, dass es Richtlinien gibt, um einen Trainings- und Spielbetrieb gesundheitlich vertretbar durchführen zu können.“

Julian Feit: „Dazu möchte ich mir kein Urteil erlauben, weil ich hierzu viel zu wenig Fachkompetenz habe. Ich bin einfach froh, dass wir wieder Fußball spielen dürfen.“

Nicht nur vor und während eines Fußballspiels müssen bestimmte Maßnahmen eingehalten werden, sondern auch in der Vorbereitung. Wie kommen die Spieler damit klar? Werden Trainingsplanung und Trainingsleistungen beeinträchtigt?

Maximilian Junk: „Die getroffenen Maßnahmen betreffen ja lediglich die Innenräume und das Geschehen außerhalb des Feldes. Fußball wird auf dem Platz gespielt und dort gibt es keine Einschränkungen. Also hat dies keinen Einfluss auf die Leistungen.“

Julian Feit: „Solange das Wetter gut ist, ist das alles gut machbar. Auch hier überwiegt die Freude bei allen, wieder auf dem Platz zu stehen und unserer Leidenschaft nachzugehen. Ich bin gespannt, wie sich das Ganze bei tieferen Temperaturen entwickelt. Ich empfinde es aber nicht so, dass die Leistung darunter leidet. Inzwischen leben wir schon einige Zeit damit und haben uns daran gewöhnt. Eher überwiegt die Euphorie, dass wir der Kugel wieder hinterherjagen und Zweikämpfe führen dürfen.“

Corona wirkt sich nicht nur auf die Gesundheit der Menschen aus, sondern auch auf deren Geldbeutel. Wie enorm waren die Corona-bedingten finanziellen Einbußen für Ihren Verein? Wie kommen Sie im Hinblick auf die schwierige Situation auch hinsichtlich der Kaderplanung klar?


Anzeige

Maximilian Junk: „Die Kaderplanung verlief reibungslos. Alle Spieler, die wir halten wollten, haben früh signalisiert, bleiben zu wollen. Auch mit den Neuzugängen sind wir sehr zufrieden. Die Frage nach den finanziellen Einbußen kann ich als Trainer nicht beantworten.“

Julian Feit: „Das ist nicht mein Thema. Wir sind generell ein Verein, welcher über andere Parameter als das Finanzielle Leistung bringen möchte. Unser Kader ist nochmals deutlich verjüngt worden. Wir wollen diejenigen Jungs bei uns sehen, die eine klasse Einstellung mitbringen und enormen Ehrgeiz haben. Da steht das Finanzielle nicht an erster Stelle.“

Die letzte Oberliga-Saison musste wegen der Corona-Pandemie abgebrochen werden. Das hatte zur Folge, dass es keine Auf- und Absteiger gab. Emmelshausen war zum Zeitpunkt des Abbruchs der Saison Tabellenletzter und Karbach Viertletzter. Könnte man also den Abbruch im Nachhinein fast schon als Glücksfall für beide Vereine bezeichnen?

Maximilian Junk: „Einen Saisonabbruch kann man keineswegs als Glücksfall bezeichnen, egal in welcher sportlichen Situation man steckt. Wir hätten die Klasse auch gerne sportlich gehalten und ich bin mir sicher, dass das durchaus realistisch gewesen wäre.“

Julian Feit: „Den Abbruch kann man nicht als Glücksfall bezeichnen, weil deswegen acht Monate kein Fußball gespielt werden konnte. Wir wollen immer sportlich unsere Ziele erreichen und nicht durch solch eine Pandemie. Daher werde ich nicht von einem Glücksfall sprechen, wenn wir solch einen langen Zeitraum ohne unser liebstes Hobby leben mussten.“

Letzte Saison wurde das Derby durch beide Vereine in beiderseitigem Einvernehmen abgesagt. Halten Sie diese Absage rückblickend für richtig? Auf welches Vorgehen haben sich beide Vereine nun im Hinblick auf die Gültigkeit der Tickets für das abgesagte Derby geeinigt?

Maximilian Junk: „Die Entscheidung war absolut richtig. Das sieht man allein daran, dass unser komplettes gesellschaftliches Leben wieder stillstand. Die Frage nach der Gültigkeit der Tickets muss den Vereinsverantwortlichen gestellt werden.“

Julian Feit: „Im Nachhinein war es die richtige Entscheidung. Zu dem Zeitpunkt waren die Zahlen enorm hoch und es war nicht vertretbar, ein Spiel vor so vielen Zuschauern auszutragen. Die Tickets behalten, soweit ich das weiß, ihre Gültigkeit.“

Emmelshausen hat zuletzt Anfang Juli zwei Testspiele mit 4:1 und 3:0 gewonnen, Karbach hingegen musste eine knappe Niederlage im Rheinlandpokal gegen Eintracht Trier verdauen. Gibt es irgendwelche Schlüsse, die man aus den Leistungen der letzten Spiele ziehen kann oder fängt so ein Derby zu Saisonbeginn dann einfach wieder bei null an?

Maximilian Junk: „Eine Vorbereitung ist immer nur bedingt aussagekräftig. Besonders nach dieser langen Pause. Alle Mannschaften werden erst nach den ersten Spieltagen sehen, wo sie stehen.“

Julian Feit: „Nein, überhaupt nicht. Das waren die ersten Gehversuche nach Monaten ohne Ball am Fuß. Die letzten Testspiele werden sicherlich aussagekräftiger sein. Trotzdem ist es so, dass ein Derby zu Beginn nicht vorhersehbar ist. Man weiß nie, wo man zu Saisonbeginn steht. Und ein Derby am Anfang ist nochmal eine ganz eigene, besondere Situation. Ich freue mich extrem, dass es bald wieder losgeht und wir um Punkte kämpfen.“

Mehr zu Maximilian Junk

Beide Mannschaften, also sowohl Emmelshausen als auch Karbach, sind mit einem Durchschnittsalter von 24 beziehungsweise 25 Jahren relativ jung. Erwarten Sie also ein Duell zweier junger, dynamischer Teams?

Maximilian Junk: „Die Altersstruktur spielt für mich keine Rolle. Wir sind nicht darauf aus, zu sagen, dass wir die jüngste Mannschaft haben wollen, sondern die Mannschaft mit den besten Siegeschancen. Das Derby wird für alle Beteiligten wieder eine tolle Sache, selbst wenn beide Mannschaften einen Schnitt von 35 Jahren hätten, von solchen Spielen bekommt man nie genug.“

Julian Feit: „Ich erwarte ein Duell, in dem beide Mannschaften bis zum letzten Tropfen alles raushauen. Wir werden dieses Jahr sicherlich jünger sein als in der vergangenen Saison. Und die Vorteile einer jungen Mannschaft wollen wir natürlich nutzen und intensiv, laufstark und frech auftreten. Aber wir kennen auch die Nachteile einer jungen Mannschaft. Wir müssen die Fehlerzahl so gering wie möglich halten, ansonsten wird das schnell bestraft. Trotzdem ist das Alter nur eine Zahl und steht nicht für Qualität.“

Hoffen Sie am 14. August auf eine authentische Derby-Stimmung oder befürchten Sie, dass die Corona-Krise dieser Atmosphäre einen Strich durch die Rechnung machen könnte?

Maximilian Junk: „Laut der aktuellen Verfügungslage erwarte ich ein Spiel vor Zuschauern. Wie viele es sein werden, bleibt abzuwarten.“

Julian Feit: „Ich hoffe, dass so viele Zuschauer wie möglich kommen. Jedes Derby wird durch die Zuschauer zu etwas Besonderem.“

Was sind Ihre Ambitionen für die kommende Saison? Haben Sie denn schon klare Saisonziele formuliert oder gilt für den Anfang erstmal die altbekannte Fußballer-Floskel „Wir schauen von Spiel zu Spiel“?

Maximilian Junk: „Wir möchten unbedingt auch in der neuen Saison in der Oberliga spielen. Abgerechnet wird am Ende.“

Julian Feit: „Klassenerhalt. Die letzte Saison fing bezüglich der Ergebnisse nicht gut an. Die Leistungen waren aber sehr gut. Dieses Jahr wollen wir unbedingt die Liga halten und weiterhin Oberliga spielen.“

Mehr zu Julian Feit

Auch interessant
Schließen
Schaltfläche "Zurück zum Anfang"