Anzeige
NEWSPlus_artikel
Weitere Sprengungen am Berg Gaul

Bahn: Felssturz bei Kestert war „Jahrhundertereignis“

Felssturz war Jahrhundertereignis
Foto: Volker Hentschel Bis zu einem niedrigen zweistelligen Millionenbetrag werden die Aufräumarbeiten nach dem Felssturz kosten

Bis zu 16 000 Kubikmeter Gestein sind am 15. März vom Berg Gaul auf die rechtsrheinische Bahntrasse gestürzt. Seitdem wurde mit insgesamt sechs Sprengungen noch lockeres Gestein gelöst – und es werden weitere Explosionen folgen! Dauer und Aufwand der Aufräumarbeiten wurden unterschätzt: Die Bahn spricht mittlerweile von einem „Jahrhundertereignis“.

„Der Felssturz ist allein von der Dimension und der Ausprägung her ein Jahrhundertereignis“, erklärte der die Bahn beratende Geologe Dr. Jürgen Matthesius am Freitag. Die Gründe für den Felssturz sieht er in den in Schiefergestein latent vorhandenen Schwächezonen, die im Laufe der Zeit durch Verwitterungsprozesse, Niederschläge und Frost-Tau-Wechseln entstünden.


Anzeige
Abbruch-Zonen Felssturz bei Kestert
Foto: Marcel Banaszak Die Abbruch-Zonen nach dem Felssturz bei Kestert

Matthesius erklärte, dass die linke Fläche (im Bild rot) quasi komplett sauber geputzt worden sei, das Geröll sei über diese Fläche abgerutscht. Ebenso verhalte es sich bei dem linken Teil der oberen Fläche (hellblau). Probleme bereite der obere rechte Bereich, weil hier „Material ist, das extrem zerrissen und aufgelockert ist“, erklärte der Geologe.

„Dort oben hängen noch bis zu 1000 Kubikmeter Fels, bei denen noch nicht gesagt werden kann, inwieweit es vertretbar ist, diese mit vernünftigen Sicherungsmaßnahmen oben zu behalten.“ Im Klartext: Es muss weiter gesprengt werden.

Die Gefahr dabei: Die Explosionen könnten auch das Gestein lockern, das eigentlich oben bleiben soll. „Wir können bei den Sprengungen nur mit homöopathischen Dosen vorgehen, um das Material dort oben kontrolliert abzustoßen“, erläuterte Matthesius.

Vimeo

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von Vimeo.
Mehr erfahren

Video laden

Erst wenn der kritische Teil komplett abgeräumt sei, könne gesagt werden, wie lange für die endgültige Sicherung des Hangs gebraucht werde. Aus Gründen der Effektivität geschehe dies an den glatten Flächen schon parallel. Dazu werden Stahlanker rund neun Meter tief in den Berg getrieben, um die Sicherungsnetze zu befestigen. Am Ende sollen rund 620 dieser Anker im Fels stecken.

Die Räumarbeiten im Mittelteil haben schon begonnen: Schreitbagger sollen bald oben im Hang die in sich verkeilten Felsbrocken lösen und die rund 100 Meter gen Tal schicken. Rund 2500 Tonnen Gestein aus den tieferen Lagen wurden bereits abtransportiert.

Letztlich sollen dann die Gleise von den Geröllmassen beräumt, bei Bedarf repariert, auf eisenbahntechnische Sicherheit geprüft und wieder in Betrieb genommen, erklärte DB-Netz-Vorstand Dr. Volker Hentschel.

Wie lange das dauern wird? „Zuerst muss die Sicherheit stimmen“, erklärte Hentschel, er rechne aber damit, dass der Verkehr noch im April wieder aufgenommen werden könne.

Mehr zum Thema

Auch interessant
Schließen
Schaltfläche "Zurück zum Anfang"