POLITIK
Diakonie will Hilfe für Hunsrück-Klinik

„Als privater Träger müssten wir Geburtsstation schließen“

Eine Geburt ist mit Freuden und Schmerzen verbunden – die Geburtsstation in Simmern leidet unter einem jährlichen Defizit
Foto: LightFieldStudios/ Dirk Eikhorst Eine Geburt ist mit Freuden und Schmerzen verbunden – die Geburtsstation in Simmern leidet unter einem jährlichen Defizit

Schreie auf einer Geburtsstation sind nichts Ungewöhnliches – schließlich ist der Beginn des Lebens mit Schmerzen und Freuden verbunden. Jetzt aber dringt ein Hilferuf nach außen, der von einem drohenden Ende kündet.

Der Rhein-Hunsrück-Kreis soll die Geburtsstation der Hunsrück Klinik in Simmern mit jährlich rund 200 000 Euro unterstützen. Das hat die Kreuznacher Diakonie als Träger beantragt und am Montag will der Kreistag über die Beihilfe abstimmen.

Die Zukunft der Geburtsstation ist eine Frage der Wirtschaftlichkeit: Nach Angaben der Kreuznacher Diakonie fährt die Abteilung der Klinik ein Defizit von rund 850 000 Euro pro Jahr ein – seit Jahren. Bislang wurde dies durch die gewinnbringend arbeitenden Stationen quersubventioniert.

Die Verluste ergeben sich aus einer einfachen Rechnung: Die Station muss Hebammen, Fachärzte, Kinderkrankenschwestern, Labor und OP-Personal vorhalten – zur Gegenfinanzierung über die Fallpauschalen reicht die Zahl der Geburten nicht. Der Sicherstellungszuschlag könnte helfen, dafür leben aber zu viele Frauen im gebärfähigen Alter im Umkreis der Klinik.

Aber die Kreuznacher Diakonie – 120 soziale Einrichtungen, 6800 Mitarbeiter – hat 2019 erstmals als gesamtes Unternehmen Verluste eingefahren. Und dass, obwohl in dem Jahr bereits damit begonnen wurde „alte und defizitäre Strukturen“ aufzubrechen. Im vergangenen Jahr stand unterm Strich ein leichtes Plus.


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Hunsrück Klinik in Simmern
Foto: Dirk Eikhorst Die Hunsrück Klinik in Simmern

Ein Weg, „um das Unternehmen zukunftsfähig aufzustellen“, ist, das Defizit auf mehrere Schultern zu verteilen. Die Diakonie rechnet in ihrem Antrag an den Kreis vor: Für den kostendeckenden Betrieb sind jedes Jahr 800 Geburten nötig – rund 500 bis 550 Kinder erblicken tatsächlich das Licht der Welt in der Hunsrück Klinik.

Jede Geburt wird mit 3000 Euro bewertet, was in etwa dem Betrag entspricht, den die Klinik von den Krankenkassen erhält. Macht für das Jahr 2020 bei 505 Geburten ein Minus von 885 000 Euro. Davon soll das Land Rheinland-Pfalz die Hälfte übernehmen, den Rest sollen sich Klinik und Rhein-Hunsrück-Kreis teilen. Damit entfallen auf den Kreis 221 250 Euro.

„Damit wären die Lasten auf mehrere Schultern verteilt und eine flächendeckende Versorgung der Bevölkerung sichergestellt“, schreibt Dennis Göbel, der Vorstand Krankenhäuser und Hospize in der Kreuznacher Diakonie.

Dieser Zuschuss ist wohl erstmal als Zwischenfinanzierung gedacht: Einerseits könnte bei der Vergütung durch die Fallpauschalen auf Bundesebene nachgebessert werden, andererseits könnte das Land die Kriterien für den Sicherstellungszuschlag anpassen. Für beides gab es bereits positive Signale.

Sandra Beck, die Pressesprecherin der Kreuznacher Diakonie, machte gegenüber Hunsrück News deutlich, wie angespannt die Lage ist: „Wären wir ein privater Träger, müssten wir die Geburtsstation der Hunsrück Klink schließen!“

Sie sagte aber auch: „Sollten Land und Kreis die Förderanträge ablehnen, wird die Kreuznacher Diakonie die Verluste weiter allein tragen müssen. Wir haben einen Versorgungsauftrag und können die Geburtsstation nicht einfach dichtmachen.“

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