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POLITIK
Virtuelle Rheinfels im Internet

3D-Burg soll Touristen heiß auf St. Goar machen

Burg Rheinfels
Foto: Phantom3Pix Die Burg Rheinfels soll einen digitalen Zwilling bekommen

Die Idee klingt spektakulär: Die Burg Rheinfels soll von jedem Punkt der Erde aus erkundet werden können, von den Minengängen bis zur Spitze des Uhrturms, von der ersten Schildmauer bis zum Palas – Schritt für Schritt, ja selbst Stein für Stein. Möglich machen soll das ein extrem detailliertes 3D-Modell der Anlage, zu dem jeder Zugang über das Internet bekommen kann. Über eine Virtual-Reality-Brille kann man sogar das Gefühl bekommen, man wäre tatsächlich vor Ort.

Aber Stopp! Wenn jeder die Burg Rheinfels vom Sofa aus besichtigen kann, warum sollte er dann noch als Tourist nach St. Goar kommen? „Wir schaffen einen digitalen Zwilling der Realität, aber gerade dadurch bekommen die Menschen Lust, es live zu erleben, wir haben bei ähnlichen Projekten gesehen, dass die Besucherzahlen massiv gestiegen sind“, erklärte Bernd Schmidt von TopoTwin am Mittwochabend im St. Goarer Stadtrat.

Der Stadtrat hat beschlossen, für das Projekt „Burg Rheinfels in 3D“ einen Förderantrag – die Mittel sind bereits zugesagt – zu stellen und nach der Bewilligung den Auftrag auszuschreiben. Dafür sind bereits 170 000 Euro in den Haushalt eingestellt worden. Da TopoTwin eine auf dem Markt einmalige Mischung aus Photogrammetrie und Laser-Scanning anbietet, wird es wohl auf die Firma aus Kassel hinauslaufen.

TopoTwin wird dann mit hochmodernen Drohnen die Burganlage abfliegen, das Innere scannen und fotografieren sowie mit der eigens entwickelten Software das 3D-Modell erstellen. Rund zwei Monate sind dafür eingeplant. „Für Kirchen wurden die Modelle schon angefertigt, die Rheinfels wäre die erste Burganlage. Wir können mit einmaligem Aufwand einen Mehrwert für Generationen schaffen“, sagte Bürgermeister Falko Hönisch.

Pia Trimpe-Müller, Fraktionsvorsitzende der SPD, sagte, die Stadt schaffe damit „auch im Hinblick auf die Buga ein Alleinstellungsmerkmal“. Thomas Rolinger, Fraktionsvorsitzender der CDU, bezeichnete den Plan als „schöne und großartige Sache“. Der Beigeordnete von der FDP, Peter Theis, sah in dem Projekt die „Chance für St. Goar, Vorreiter zu sein“. Und Nicole Adam (SPD) erklärte, dass es Zeit werde, „mit dem Denkmalschutz und dem Tourismus in die Zukunft zu gehen“ und gestand, bei der Vorführung von Bernd Schneider Gänsehaut gehabt zu haben.

Die Präsentation des TopoTwin-Vertreters war beeindruckend: Er zeigte live am Modell des Doms zu Limburg, welche Detailtreue das 3D-Modell haben wird. Er nahm die Stadtratsmitglieder mit auf einen animierten Flug durch das Kirchenschiff, vorbei am Altar hinauf bis in einen Glockenturm. Das alles ruckelfrei und ohne zeitweilige Unschärfen, die beim Nachladen von großen Datenmengen hervorgerufen werden.

Wie das Ergebnis aussieht, hat TopoTwin auch in diesem Video dargestellt:


Bürgermeister Falko Hönisch war besonders angetan von dem Umstand, dass so auch Menschen mit mobilen Einschränkungen die Burg besichtigen könnten. Bernd Schmidt erklärte: Man könnte auch die Minengänge halbtransparent darstellen, sodass die Zusammenhänge erfasst werden können, oder einzelne Stationen mit Audioinformationen hinterlegen. Besonders bei Schulklassen würde das Interesse geweckt, wenn die Modelle mit Rätseln verbunden würden. In einem nächsten Schritt könnte zudem jedem, der mit einem Telefon oder Tablet über eine App die Burg filmt, angezeigt werden, wie sich die Burg vor Jahrhunderten präsentiert hat.


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Der Stadtrat hat das Projekt vorbehaltlich der Förderung mit vier Gegenstimmen beschlossen. Die CDU-Fraktion stimmte gegen den Beschlussvorschlag, weil unter anderem der Tourismusausschuss nicht gehört worden sei, weil niemand wisse, wie der Leiter der Tourismusinformation dazu stehe, und weil das Geld besser in katholischen Kindergarten investiert wäre.

Ein weiteres Projekt von TopoTwin ist die Basilika St. Godehard in Hildesheim:


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